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Europäisches FMCG-Wachstum erholt sich im 2. Quartal 2019

18.09.2019

Der europäische Umsatz von Verbrauchsgütern des täglichen Bedarfs (sog. FMCG-Produkte, “Fast Moving Consumer Goods” wie Lebensmittel, Getränke und Hygieneartikel) ist im zweiten Quartal 2019 um +3,4% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (+0,9% zum Vorquartal Q1 2019). Das Wachstum zeigte sich zuvor über drei Quartale sehr gedämpft. 

 

Insgesamt zeigt die europäische Wirtschaft Anzeichen einer Abschwächung, die auf schwache Konjunkturaussichten und die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit zurückzuführen sind. Das saisonbereinigte BIP-Wachstum für die Europäische Union stieg im zweiten Quartal 2019 um 0,2%* im Vergleich zum Vorquartal. Das jährliche BIP-Wachstum für die Eurozone (EU28) betrug 1,4% im zweiten Quartal 2019 (vs. 1,6% im ersten Quartal 2018). Der private Konsum in Europa in Q2 unterstützte das BIP-Wachstum mit einem Anstieg von 0,3% im Vergleich zum ersten Quartal 2019.   
Auf Verbraucherseite wurde im zweiten Quartal 2019 ein FMCG-Mengenwachstum von +0,5% (plus 1% gegenüber -0,5% im ersten Quartal 2019) verzeichnet, das jedoch auch aufgrund der Ostersaison als temporärer Indikator betrachtet werden sollte. Insbesondere die Inflationsspitzen haben dazu geführt, dass die Verbraucher im Vergleich zum Vorjahresquartal (2% in Q2 2018) 2,9% mehr pro Artikel zahlten. 
 
"Es ist zu erwarten, dass sich aufgrund des Brexits und der Auswirkungen von internationalen Handelsstreitigkeiten in Europa in den nächsten sechs Monaten weiter eine wirtschaftliche Verlangsamung bemerkbar macht. In einem herausfordernden Umfeld wie diesem dürfte die Konsumnachfrage insbesondere bei FMCG-Produkten sinken", sagt Sigrid Göttlich, Commercial Director bei Nielsen Österreich. "Die jährliche Inflationsrate in der Eurozone liegt bei 1%, was fast einem Dreijahrestief entspricht, da sich die Energiepreisinflation verlangsamt. Da die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak sowie Dienstleistungen jedoch schneller steigen, erwarten wir inflationären Druck auf die FMCG-Käufe. Die Verbraucher werden hinsichtlich ihrer Finanzen und Ausgaben in verschiedenen Kategorien wesentlich vorsichtiger sein", so Göttlich weiter.

Länder im Vergleich

Die Türkei weist inflationsbedingt weiterhin das höchste Wachstum der Einnahmen an den Kassen im Jahresvergleich auf (+19,4%), jedoch ist das Volumenwachstum rückläufig, das im zweiten Quartal 2019 auf einem negativen Wachstumsniveau (-5,4%) liegt. Weitere Länder mit hohen Wachstumsraten sind Ungarn (+7,7%), Polen (+7,1%), Tschechien (+6,6%), die Slowakei (+4,6%) und Portugal (+4,2%). Dagegen verzeichnete Finnland (0,3%) das geringste Wachstum. Deutschland rangiert unter 28 Ländern auf Platz 12. 
Italien lag im zweiten Quartal 2019 mit der höchsten FMCG-Wachstumsrate (+4%) unter den fünf großen westeuropäischen Märkten an der Spitze, gefolgt von Deutschland (2,4%) und Spanien (2,3%). Frankreich und Großbritannien verzeichneten im zweiten Quartal 2019 ein Wachstum von 1,3% bzw. 0,7%. 

Die Lage in Österreich

Im Vergleich zum europäischen Durchschnitt stiegen die Preise in Österreich um 2,2%, während der Absatz um 1,4% zunahmen, was zu einer Gesamtwachstumsrate von +3,6% führte.  "Wir verzeichneten im zweiten Quartal einen Anstieg des nominalen Wachstums um +3,6% - das zweithöchste Wachstum in den letzten fünf Quartalen. Dies lag nicht nur an den späteren Osterfeiertagen in diesem Jahr, sondern auch an der anhaltend günstigen gesamtwirtschaftlichen Situation und der starken Leistung der Vollsortimenter im Einzelhandel", sagt Sigrid Göttlich.

 

* Q2 2019 estimates by Eurostat EU28

Autor/in:
Redaktion.Handelszeitung
Original erschienen am 18.09.2019: Handelszeitung.
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