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Mit 2020 wird Österreich das einzige EU-Land ohne jegliche Käfighaltung für Legehennen sein

Heimische Eierproduktion: „Kein Problem, sondern Teil der Lösung“

07.10.2019

Österreich ist Europameister in Sachen nachhaltiger Eierproduktion. Außerdem wird in Österreich mit Jahresbeginn 2020 als einziges Land der EU die Käfighaltung für Legehennen Geschichte sein. Was es jetzt noch braucht, ist eine Herkunftskennzeichnung als wirksames Rezept gegen anonyme Importe.

Sechs Millionen Hühner legen in Österreich rund 2,1 Milliarden Eier pro Jahr – und das mit dem geringsten Anteil an Treibhausgasen in der gesamten EU. Für Ferdinand Lembacher, Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich, ist daher die heimische Eierproduktion ein Musterbeispiel dafür, dass Österreichs Bäuerinnen und Bauern innovativ, nachhaltig und klimafreundlich unterwegs sind.

Klimafreundlichste Eierproduktion Europas

Ein wesentlicher Faktor dieses Erfolgs ist die Fütterung der Hennen mit heimischen Eiweiß, mehrheitlich mit Donau-Soja. Die heimischen Landwirte haben auch in der Sojaproduktion die Nase vorne: Denn Österreich ist, gemessen an seiner Größe, mit 70.000 Hektar Soja das EU-Land mit dem größten Soja-Anteil am gesamten Ackerbau. Damit hat Österreich derzeit einen Selbstversorgungsgrad von 82 Prozent bei Eiweiß im Futter. Mit der heuer beschlossenen Acker- und Grünlandstrategie wird die Anbaufläche und somit der Ertrag von Soja weiter gesteigert werden, was zu einer schrittweisen Anhebung des Selbstversorgungsgrades führen wird – angepeilt werden 90 Prozent. Die europaweite Spitzenposition wird damit nicht nur gefestigt, sondern sogar noch weiter ausgebaut. So kommt in Europa auf ein Kilo Ei (das sind rund 20 Eier) eine Treibhausgasemission von 2,8 Kilogramm, während es bei den heimischen Eiern nur 1,8 Kilogramm sind.  „Womit sich erneut zeigt, dass die heimische Land- und Forstwirtschaft im Kampf gegen den Klimawandel keinesfalls das Problem, sondern ein wesentlicher Teil der Lösung ist“, bekräftigt Lembacher.

Keinerlei Käfighaltung ab 2020

Österreich wird auch das erste und einzige EU-Land sein, das mit Jahreswechsel gar keine Käfighaltung für Legehennen mehr haben wird. „2009, also schon vor zehn Jahren wurde das Verbot der konventionellen Käfighaltung in Österreich umgesetzt und mit Ende dieses Jahres sind auch die ausgestalteten Käfige Geschichte“, zieht Franz Kirchweger, Obmann des Vereins der österreichischen Frischeiererzeuger, Bilanz. Damit ist Österreich abermals Europameister. „Wir können also am 11. Oktober mit Stolz den Welteitag feiern, den es seit 20 Jahren gibt, auch eine österreichische Erfindung“, so Kirchweger.

Strengste Richtlinien Europas

Die heimischen Legehennenhalter produzieren außerdem nach den strengsten Umwelt- und Tierschutzrichtlinien Europas. Die Betriebe werden jährlich im AMA-Gütesiegel-Programm, das weit über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgeht, kontrolliert. Ein Beispiel dafür ist das Verbot die empfindlichen Schnäbel zu stutzen. Bei der Bio-Produktion geht man sogar noch einen Schritt weiter und zieht aus ethischen Gründen auch die Brüder der Legehennen auf. So oder so wird den Konsumenten ein höchstmögliches Maß an Produktsicherheit garantiert. In der Eierdatenbank kann jeder Konsument mittels Eiercode die Herkunft der gekauften Eier herausfinden.

Forderung nach Herkunftskennzeichnung 

Franz Kirchweger appelliert daher an alle Konsumenten, zum heimischen Ei zu greifen. Die Qualität alleine sollte schon überzeugend genug sein, dazu kommt noch, dass regionale Käufe zusätzlich das Klima schonen. Derzeit kommen 37 Prozent der heimischen Eier in den Lebensmittelhandel, 27 Prozent werden im Bereich Gastronomie, Hotellerie, Großküchen und Gemeinschaftsverpflegung verwendet, 12 Prozent werden über alternative Vertriebskanäle (wie Ab Hof oder auf Märkten) verkauft und 24 Prozent kommen in der verarbeitenden Industrie zum Einsatz.

Ein wichtiger Schritt für die österreichischen Eierproduzenten wäre daher eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Lebensmittel im Handel und für die Gemeinschaftsverpflegung. Einerseits um den Konsumenten die Möglichkeit einer bewussten Kaufentscheidung zu geben, andererseits um grundsätzlich transparent zu machen, ob in den Produkten Käfigeier aus anderen Ländern enthalten sind. „Wir wollen echte Wahlfreiheit für alle Verbraucher und fordern eine klare Information über Herkunft und Haltungsform. Eine transparente Herkunftskennzeichnung sichert nämlich letztlich auch die regionale Produktion von Lebensmitteln ab“, so Lambacher.

Autor/in:
Alice Rienesl
Original erschienen am 07.10.2019: Handelszeitung.
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