KOLUMNE

Sind Sie ein anständiger Mensch?

Management
17.03.2022

 
Wie anständig muss Wirtschaft sein? ÖGZ-Kolumnistin Andrea Lehky führt uns ins Reich der Ethik.
Sind Sie ein anständiger Mensch, fragt unsere Autorin Andrea Lehky in ihrer ersten Folge ihrer Kolumne "Management to go"

Heute geht es um Ethik, bitte lesen Sie trotzdem weiter. Für Aristoteles war Ethik die „Lehre vom guten Auskommen miteinander“. Das kann man auslegen, wie man will. Ende der 2000er meinte man gutes Auskommen mit den Geldgebern, den Shareholdern, der Bank. Du gibst mir Geld, ich vermehre es. Und Profit geht über alles (da war man nicht zimperlich). Das hieß dann „Nützlichkeitsethik“: 

Ein paar Korruptionsskandale später (Lehman!) schaltete sich der Staat ein. Seither erschlägt er Betriebe jeder Art mit tonnenschweren Gesetzen und Compliance-Regeln. Anständig hieß ab den Nuller-Jahren: Ich darf Gewinn machen, zahle brav Steuern (die Registrierkasse!) und folge auch sonst den Regeln. Das ist die „Pflichtethik“. 

Blöd nur, dass dann die Mitarbeitenden aufmuckten. Wer will schon für einen Patriarchen/Despoten/Sklaventreiber *hier Beliebiges einsetzen* arbeiten? Also wandelte sich das Shareholder- zum Stakeholder-Value. Ethisch hieß weitere zehn Jahre später, Gewinn machen dürfen, Gesetze einhalten und anständig zu Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten sein. Das ist die „Tugendethik“.

Eh gut, aber jetzt dringen Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit ins kollektive Bewusstsein. Also, neu, on top auf alles Bisherige heißt ethisch sein jetzt: Ich denke bei jeder – wirklich jeder – Handlung auch an kommende Generationen. Schaden ihnen meine Taten, ganz gleich, ob Mensch, Tier, Pflanze, Boden, Wasser, Luft oder was auch immer, lasse ich sie sein. Das ist die „Zukunftsethik“. Da stehen wir gerade. Aber ganz ehrlich: In Generationen denken, das konnten Familienbetriebe schon immer.