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Kommentar: Nachhaltigkeit kann anstrengend sein

18.05.2017

Beim Thema Nachhaltigkeit nicken wir betroffen – und winken innerlich ab. Ja, eh, wir möchten alle einen kleineren ökologischen Fußabdruck hinterlassen, fair mit unseren Mitmenschen und der Natur umgehen und den Weltuntergang ein bisschen hinausschieben. Nur: Anders ist es bequemer. Haben Sie schon mal ein CO2-neutrales Event zertifizieren lassen? Das ist eine nicht nur zeitraubende Angelegenheit! 

Tobias Judmaier hatte die Idee, mit „Müll“ zu kochen. Daraus ist seine Firma „iss mich“ entstanden. Er verkocht „nicht normgerechtes Gemüse“, das ansonsten im Müll landen würde. Er rext das ein und liefert es in Pfandgläsern mit dem Fahrrad in Wien aus. Damit schafft er auch noch in Kooperation mit ProMente Arbeitsplätze für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt. Mehr Nachhaltigkeit und CSR geht nicht! Das Essen, das er uns beim „Tourissimus“ serviert hat, hat mir trotzdem nicht geschmeckt. Ich bekam die Assoziation „Ich esse Müll“ nicht aus dem Kopf. Obwohl wir natürlich keinen „Müll“ gegessen haben. Sorry, der Mensch ist schwach. 

2017 ist das Jahr des nachhaltigen Tourismus. Nachhaltigkeit ausgerechnet im Urlaub, in jener Zeit, wo man Fünfe gerne gerade sein lässt? Interessiert den Gast wirklich, wie das Hotel seinen Pool beheizt? 

Aber den Hotelier interessiert es, weil es viel Geld kostet! Mit selbsterzeugtem Solarstrom geht es vielleicht günstiger. Und wenn man sich mit intelligenten ökologischen Ansätzen auch noch positionieren kann wie das weltweit erste Hotel mit einer Null-Energie-Bilanz, das Boutiquehotel Stadthalle in Wien, umso besser. Die Gäste kommen hierher, weil ihnen das Thema wichtig ist. 

Anders sein ist gut im Tourismus und in der Gastronomie. Dazu kann ein glaubwürdig nachhaltiges Konzept nachhaltig beitragen. Das können manchmal auch einfach nur ein paar gute Ideen sein, Details, z. B. ein nachhaltiger Kaffeebecher. Nachhaltigkeit ist anstrengend – aber machbar. 

 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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