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Der Wilde Kaiser lockt immer mehr Sommertouristen an.

Strategien für einen nachhaltigen Tourismus

24.05.2018

Am Wilden Kaiser haben sich alle Beteiligten zusammengesetzt, um einen Tourismus zu entwickeln, der allen nützt: Gästen, Mitarbeitern und Einheimischen.

Projekt Lebensqualität am Wilden Kaiser
Geschäftsführer TVB ­Wilder Kaiser Lukas Krösslhuber

Welchen Tourismus wollen wir? Können wir das steuern? Der Tourismus am Wilden Kaiser boomt, aktuell vor allem im Sommer, der den Winter an Übernachtungen bereits überholt hat. Bergbahnen und Hotels investieren kräftig in Qualität und Kapazität, und auch externe Investoren interessieren sich vermehrt für die Region. Für die Gemeinden Ellmau, Going, Scheffau, Söll und den Tourismusverband Wilder Kaiser war nun der richtige Zeitpunkt gekommen, darüber nachzudenken, wie weit diese Entwicklung gehen soll.

Alle gemeinsam entwickeln im Projekt „Lebensqualität Wilder Kaiser“ eine nachhaltige Tourismusstrategie zum Wohle aller. Und haben auch schon konkrete Maßnahmen definiert. Als besonders wichtig haben sie früh erkannt, dass man miteinander reden muss – und zwar alle: von der Schülerin bis zum Hoteldirektor. Sie nennen das „dauerhaften Dialog“ und meinen damit regelmäßige Treffen von Experten und Diskussionsrunden mit Bürgern. Das Ganze begann im Mai 2017 mit den „Zukunftsdialogtagen“ und ging zu Beginn dieses Jahres mit der Präsentation erster konkreter Projekte weiter, über die wieder mit der Bevölkerung diskutiert wurde.

1. Nachhaltiger Qualitätstourismus durch Stärkung regionaler Kooperationen: Hier steht das Zusammenspiel von Landwirtschaft und Tourismus im Fokus. Ein offener Regionalitätsstammtisch schafft jetzt neue Vernetzungsmöglichkeiten. Mit dem Projekt „Tiroler Almrind“ soll heimisches Rindfleisch verstärkt in die lokale Gastronomie gebracht werden. Ein Qualitätscoach unterstützt die Bauern dabei, eine gleichbleibend hohe Fleischqualität zu liefern. Sein Pendant, der Regionalitätscoach, berät Gastronomen bei der Logistik und optimalen Verwertung und versorgt sie mit Bildern und Infos zu den Herkunftsalmen. Bei Erfolg kann das Konzept um Milchprodukte und weitere regionale Erzeugnisse erweitert werden. 

2. Sensibilisierung für die intakte Umwelt und Ressourcen: Sie soll u.a. im Rahmen einer Umweltschule bzw. eines Naturhauses erfolgen, das man sich als kleine Schwester des Nationalparkzentrums Hohe Tauern in Mittersill vorstellen kann. Hierfür gibt es bereits konkrete Überlegungen zu Standorten und der inhaltlichen Aufbereitung. Dazu kommen die kleineren Projekte „Bewusstseinsbildung für Hundebesitzer“ und „Interessensausgleich Freizeitsportler-Naturvertreter“. 

3. Der Jugend Perspektiven in der Heimat geben – Leistbares Wohnen ermöglichen – Dörfliche Gesellschaftsstrukturen erhalten: Das laut Organisatoren schwierigste Projekt. Als erste konkrete Maßnahme ist hier eine jährliche Informationsveranstaltung aller vier Gemeinden für junge Wohnungssuchende und potenzielle Häuselbauer geplant. Auch Möglichkeiten zum rechtlichen Vorgehen gegen illegale Zweitwohnsitze werden geprüft. 

4. Die Identität der touristischen Region gemeinsam im dauerhaften Dialog gestalten: Tourismusferne Personengruppen können so in die tourismusstrategischen Überlegungen eingebunden werden. 2018 ist das Thema „Jugend & Tourismus“, für 2019 ist „Kultur & Tourismus“ angedacht.

5. Stellenwert und Rahmenbedingungen touristischer Arbeitsplätze für Einheimische und Saisonmitarbeiter verbessern: Dafür wurde vom Tourismusverband das dreijährige, LEADER-geförderte Projekt „Personal Regional“ auf Schiene gebracht. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Hoteliers, Gastronomen, Mitarbeitern und Bürgern sollen konkrete Maßnahmen erarbeitet und getestet werden, um Jobs im Tourismus zu attraktiveren. 
Neben attraktiven Freizeitangeboten, die vor allem auswärtigen Mitarbeitern die Region näherbringen sollen, setzt das Programm auf Sport- und Gesundheitsleistungen. „Wir haben das Programm möglichst breit gefächert, sodass die Angebote auch für heimische Mitarbeiter interessant sind“, so die Projektverantwortlichen. Finanziert wird das umfassende Mitarbeiterangebot aus dem Projekt und kann dadurch vorerst für die Teilnehmer kostenlos angeboten werden. 
„Tourismus ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck, damit es uns allen gut geht“, meint Lukas Krössl-huber, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Wilder Kaiser, der das Projekt initiiert hat. „Eine erfüllende, gut entlohnte Tätigkeit ist für die eigene Lebensqualität ebenso wichtig wie eine gesunde Umwelt, Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Mobilität oder ein soziales Netzwerk. Wir stellen uns gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung der Herausforderung, die verschiedenen Interessen bestmöglich unter einen Hut zu bringen. Denn wir sind überzeugt, Tourismusqualität bringt Lebensqualität – und umgekehrt.“ Die Auftaktphase des Projekts „Lebensqualität am Wilden Kaiser“ gibt Schwung für die genannten Folgeprojekte. 

Um die Koordination und Vernetzung der Lebensqualitätsprojekte kümmert sich die dafür neu angestellte TVB-Mitarbeiterin Christine Mitterer. 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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