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Noch immer steckt die E-Mobilität in den Kinderschuhen – der Tourismus als Early User könnte ihr zum Durchbruch verhelfen.

Touristische Wege der Zukunft

24.05.2017

Nachhaltiges Reisen ist zwar in aller Munde. Aber in Österreich kommen immer noch rund drei Viertel aller Gäste mit dem eigenen PKW an. Das soll sich bald ändern.

 

Ulli Retter, Hotelière: „Elektrofahrräder  werden meist nur bei Schönwetter ausgeborgt.“

Der Pkw ist nach wie vor das beliebteste Verkehrsmittel der Österreich-Urlauber. Im Schnitt entscheiden sich 74 Prozent für die Anreise mit dem eigenen Auto. Ein Grund dafür ist einerseits, dass die Herkunftsgebiete der Gäste zum Großteil in einem Einzugsbereich von 500 bis 1.000 Kilometern liegen – man ist also relativ rasch am Ziel. Andererseits ist durch das eigene Auto auch die Mobilität vor Ort gewährleistet. Viele heimische Urlaubsregionen sind zwar an den öffentlichen Verkehr angebunden, aber was die Mobilitätsangebote am Ferienort selbst angeht, gibt es oft noch gravierende Defizite. In der von der TU Wien durchgeführten und vom Wirtschaftsministerium beauftragten Studie „Tourismusmobilität 2030“ wurden bereits vor vier Jahren die zentralen Aspekte einer nachhaltigen Mobilität im Tourismus formuliert: Die Destinationen müssen ohne ökologische oder soziale Belastungen und ohne Behinderung anderer Verkehrsströme gut erreichbar sein. Außerdem müsse vor Ort ein Mobilitätsangebot geschaffen werden, das deutliche Vorzüge vor dem eigenen privaten Pkw aufweist und insbesondere die aktive Mobilität – zu Fuß gehen, Rad fahren – fördert. So weit, so theoretisch. Aber wie sieht es in der Praxis aus?

Das Seminarhotel Retter in Pöllauberg ist zwar öffentlich erreichbar, aber die letzten 15 Kilometer müssen per Shuttle-Service bewältigt werden. Für die Mobilität vor Ort stehen Elektroräder zur Verfügung, aber „die werden meist nur bei Schönwetter ausgeborgt“, sagt Hoteldirektorin Ulli Retter. „Wir überlegen jetzt, ein Elektroauto zum Verleihen anzuschaffen“, meint die Hotelière. Elektrotankstellen gibt es im Pöllauberger Seminarhotel bereits, aber „die Nachfrage ist noch etwas verhalten“. 

Teilen statt besitzen

Mehr Zuspruch herrscht hingegen bei E-Car-Sharing-Modellen in der Hotellerie. So zum Beispiel im Hotel Trattlerhof in Bad Kleinkirchheim. „Bei uns können E-Bikes und ein Elektro-Mercedes getestet werden. Wir haben jede Woche bis zu zwei Testfahrten mit dem E-Auto, und auch die E-Bikes kommen sehr gut an“, sagt Hotelchef Jakob Forstnig. Die insgesamt fünf E-Tankstellen – darunter zwei Tesla-Schnelllader – können von den Trattlerhof-Gästen kostenlos genutzt werden. In dem Kärntner Vier-Sterne-Urlaubsresort wird das Thema Nachhaltigkeit seit Jahren mit großem Engagement verfolgt. Das bringt nicht nur Auszeichnungen wie den „Greenleader Award in Platin“, sondern auch „einen Imagezuwachs. Wir gehören mit unseren Aktivitäten bezüglich E-Mobility und Umweltschutz sicherlich zu den Vorreitern in unserer Region“, meint Forstnig. 

Mobilitätsanbieter im Tourismus

Mittlerweile gibt es zahlreiche Unternehmen, die auf sanfte Mobilität in der Hotellerie spezialisiert sind. Dazu zählt das Wiener Start-up Greenmove mit seinem standortzentrierten E-Carsharing-Modell. Momentan stehen zehn E-Autos zum Verleih. Im kommenden Jahr soll sich die Zahl verdoppeln. „Wir bieten unseren Kunden E-Carsharing zu einem Fixpreis pro Monat und kümmern uns dafür um die Infrastruktur, die Software und den Service der Fahrzeuge“, sagt Martin Mai, Greenmove-Geschäftsführer. Die Kunden von Greenmove sind Gemeinden, Städte, KMUs, aber auch Hotels. Letztere können E-Cars z. B. in einem Übernachtungspackage integrieren. Mit dem Hotel Zeitgeist in Wien hat Greenmove momentan eine Kooperation am Laufen. Auch die Ferienhotellerie soll künftig ins Boot geholt werden. 

Dieses Ziel verfolgt auch das Tiroler Start-up Greenstorm. Neben dem Verkauf von fast neuwertigen E-Bikes und gebrauchten Elektroautos werden diese auf Basis von Gegengeschäften auch verliehen: Hotels können ihre leerstehenden Zimmerkontingente, Seilbahn- und Skiliftbetreiber ihre Tagesskipässe gegen ein oder mehrere Elektrofahrzeuge ihrer Wahl tauschen: vom E-Bike, E-Roller, E-Quad bis zum Tesla Model S und X. In Kooperation mit dem österreichischen Ladeinfrastruktur-Betreiber Smatrics errichtet Greenstorm momentan ein Ladenetz bei Hotels und in Skigebieten. 

Gebündeltes Know-how

Ende April fand zum Thema „E-Mobility on Stage“ eine Informationsveranstaltung in der steirischen Thermenregion statt. Organisiert wurde der Event von der branchenübergreifenden Allianz „Austrian Mobile Power“ – der Plattform zur Förderung von Elektromobilität in und aus Österreich. Gezeigt wurde, wie nachhaltige Mobilität heute schon im Gästeservice, im Wirtschafts- und Personenverkehr berücksichtigt werden kann. Ein zentraler Aspekt der Veranstaltung war, dass E-mobile Angebote zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Tourismusorte werden können. Das „Praxisforum“ in Stegersbach zeigte außerdem den Einsatzbereich und die Herausforderungen von E-Mobilität im Tourismus sowie die Möglichkeiten, Produkte und E-Mobile-Services, die heute schon zur Verfügung stehen. 

Autor/in:
ute.fuith
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