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Fisch aus der Aquaponik-Anlage: Stefan Koprax (Sous-Chef „Heuer“), Bernhard Zehetbauer, Michael Berlin, Stefan Bauer und Lukas Stagl (Junior-Sous-Chef „Heuer“).

Wels und Barsch aus dem Glashaus

15.05.2018

Das Wiener Start-up Blün betreibt Österreichs erste Aquaponik-Anlage. Dort können jährlich zwölf Tonnen Fisch und zehn Tonnen Gemüse produziert werden.

 

Fischzucht und Gemüseanbau – vereint in einem geschlossenen Kreislauf.

Österreicher sind nicht gerade verrückt nach Fisch. Das legen zumindest jene Zahlen nahe, die Blün-Mitgründer Gregor Hoffmann nennt: Hierzulande würden 7,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr verzehrt. Der weltweite Pro-Kopf-Verbrauch liege allerdings bei 17 Kilogramm. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt Hoffmann.

Er und drei weitere Land- und Forstwirte aus Wien haben im Jahr 2017 Österreichs ersten Aquaponik-Betrieb gegründet. Blün beliefert mittlerweile auch namhafte Wiener Gastronomen –etwa das Heuer am Karlsplatz oder das Palais Coburg – mit Wels und Barsch aus eigener nachhaltiger Zucht.

So funktioniert’s

Aber was ist Aquaponik, und warum ist sie nachhaltig? Blün-Mitgründer Michael Berlin: „Nachhaltige und lokale Produktion, effizienter Einsatz von Ressourcen und die Produktion von gesunden Lebensmitteln waren die gemeinsamen Ziele. Das sind auch die Eckpunkte einer Kreislaufwirtschaft wie der Aquaponik.“ Dabei handelt es sich um ein Verfahren, das Techniken der Aufzucht von Fischen in Aquakultur und die Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur verbindet. Eine Aquaponik-Anlage kombiniert eine geschlossene Kreislaufanlage zur Fischproduktion und eine Hydroponikanlage zur Pflanzenzucht, zum Beispiel für Gemüse und Kräuter. Vereinfacht gesagt: Mit dem Abwasser der Fische wird das Gemüse gedüngt. Die Fisch- und die Gemüseproduktion werden zusammengeschlossen und bilden somit einen Kreislauf. Und weil die Fische in Becken im Glashaus gehalten werden – für ausreichend Platz ist übrigens gesorgt – sind sie auch nicht bio, denn dazu müssten sie im Freien gezüchtet werden, was bei einer Aquaponik-Anlage nicht möglich ist.

Die Wiener Barsche (Schlachtgewicht 500 Gramm) und die Wiener Welse (Schlachtgewicht 1,3 Kilogramm) werden in getrennten Becken gehalten, denn Welse brauchen mehr Ruhe und Dunkelheit als Barsche. Die Fische leben sechs bzw. neun Monate in einem separaten Raum in der Blün’schen Gärtnerei in der Stadlau, bis sie geschlachtet werden können. Der Wels wird übrigens in Filet-Form angeboten, den Barsch gibt’s im Ganzen. 

San Marzano & Co

Im 400 Quadratmeter großen vegetarischen Teil der Anlage kultiviert das Blün-Team Melanzani, Gurken, San-Marzano-Tomaten, Paprika und Chili. Diese Kulturen brauchen ähnliche Temperaturen und können in einem geschlossenen System sehr gut parallel angebaut werden. An 35 Wochen im Jahr kann geerntet werden. Die Erntemenge pro Jahr beträgt etwa zehn Tonnen Gemüse. Das gefilterte Wasser aus den Fischbecken wird dabei zum Gießen, die aufbereiteten Exkremente der Fische als natürlicher Dünger verwendet. Der Einsatz von Herbiziden und Fungiziden ist daher nicht notwendig. Und weil dem Blün-Team der Kreislaufgedanke wichtig ist, werden unverkaufte Tomaten nicht wie üblich kompostiert, sondern zu Ketchup verarbeitet. Das ist vor allem im Hochsommer, bei starker Produktion, ein Thema.
Blün-Produkte können ab Hof (Donnerstag bis Samstag) bezogen werden oder sind über ausgesuchte Handelspartner (z. B. Meinl am Graben) erhältlich. Für Gastronomen gibt es auch die Möglichkeit der Zustellung (Webshop).www.bluen.at

Autor/in:
Alexander Grübling
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