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In der Therme Bad Blumau gehören Personalsorgen der Vergangenheit an.

Wenn der Koch von der Massage schwärmt

10.10.2017

Vor zehn Jahren hatte das Rogner Bad Blumau dieselben Personalprobleme wie jedes andere Hotel auch. Heute nicht mehr. Das verdankt es der radikalen Gleichstellung von Mitarbeitern mit Gästen.

 

Früher habe sie in einem anderen Hotel gearbeitet, erzählt Restaurantfachfrau Amilia Hirmann. Dann habe sie ihr Kind bekommen, Abenddienste waren nicht länger machbar. Sie musste etwas anderes finden: „Mein Sohn ist in Blumau aufgewachsen. Bei mir in der Arbeit.“ 
In der Arbeit? Erklärung: Das Rogner Bad Blumau, kurz Blumau genannt, hat einen hoteleigenen Kinderclub für Kids bis zwölf Jahre, der sechs Tage die Woche geöffnet und für Mitarbeiterkinder gratis ist. Die Arbeitszeit von 8.00 bis 17.30 Uhr war für die junge Mutter machbar. In der Mittagspause hüpfte sie zum Sohn hinüber. Auch wenn er längst keine Betreuung mehr brauchte, sagt Hirmann. In Blumau will sie noch lange bleiben.

Das Thermenhotel macht vieles richtig. Das zeigen die Fakten: 340 Mitarbeiter, ein läppisches Prozent Fluktuation, jede Menge Auszeichnungen für die Personalpolitik. Die Idee dahinter ist so logisch wie einfach: Mitarbeiter sind gleich wichtig wie Gäste.
Beginnen wir bei den ganz Jungen: Wenn es schwierig wird, gute Leute zu bekommen (das war es in Blumau vor zehn Jahren), müssen wir eben eigene Lehrlinge ausbilden, dachte Personalleiter Thomas Scheuchl. Er hatte selbst lange an der Rezeption gestanden und dann eine HR-Ausbildung gemacht. Heute hat Blumau 35 Lehrlinge und keine Nachwuchssorgen mehr. Weil es sich herumspricht, um wie viel mehr als „nur“ die Berufsausbildung sie hier bekommen: Lehrlingstage, an denen sie Eltern, Omas und Opas das Haus zeigen, Frühstücke, Ausflüge und Lehrlingstausch mit Partnern in der Region – alles nicht neu, aber mit großer Wertschätzung durchgeführt. 

Frisch an Bord

„Wir vermitteln Wohlbefinden“, wirbt Scheuchl, „das muss der Gast auch beim Mitarbeiter spüren.“ Daher bekommt dieser dieselbe Aufmerksamkeit: beim Ambiente (gedämpftes Licht, Düfte, Kerzen), bei der Verpflegung (drei Mahlzeiten täglich um 12,50 Euro im Monat (!) –das ist natürlich nicht kostendeckend, ganz gratis will man es aber auch nicht anbieten), beim Umgangston. Die Zimmermädchen kicherten schon mal bei der Arbeit, erzählt Gouvernante Bettina Lang, „dann lachen die Gäste und sagen, ‚so soll es sein‘.“
Früher gab es Küchenmitarbeiter, die nie die Zimmer gesehen hatten. Heute führt Scheuchl jeden an seinem ersten Tag durch alle Bereiche, erklärt Philosophie, Spielregeln und Tools. Nach zwei Monaten gibt es noch eine Schulung und ein Gutscheinheft für die Leistungen des Hauses. Am Ende kennt jeder alles. 
Mit der früheren – verordneten – Fortbildung war der Personalchef gar nicht zufrieden. Resultat gleich null, befand er und erstellte einen Katalog auf Freiwilligkeitsbasis. Der boomt. Manche Kurse müsse er fünfmal aufsetzen, sagt Scheuchl: Kommunikation, Rhetorik, Beschwerdemanagement und Fremdsprachen gingen besonders gut, aber auch Gesundheitsthemen und Kosmetik. Hintergedanke: Was den Gästen angeboten wird, müssen die Mitarbeiter glaubhaft empfehlen können. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Koch dem Gast von der Massage vorschwärmt, weil er sie selbst regelmäßig (und um 40 Prozent verbilligt) in Anspruch nimmt.

Rituale schweißen zusammen

Noch ein „Soft Fact“: Über das Jahr verteilt finden mehrere (großteils von Partnern und über Gegengeschäfte finanzierte) Feste und Anlässe für die Mitarbeiter statt. Warum so viele? „Weil nie alle dabei sein können. Ein Teil ist immer beim Gast.“ 
Die „Hard Facts“ gelten konsequent für alle: idente und offen kommunizierte Gehaltsmodelle mit automatischen Vorrückungen. „Das ist nur fair. Kein Zimmermädchen muss um mehr Geld betteln kommen.“ Seit 2015 sind die Mitarbeiter am Umsatz beteiligt, vergangenes Jahr wurden 130.000 Euro ausgeschüttet. 

Die ungeliebten Teildienste sind schon lange zugunsten von Schichtbetrieb abgeschafft. Vom Praktikanten bis zu Direktorin Melanie Franke stempeln alle minutengenau, „wegen der Fairness“. Und die überwiegend weibliche Belegschaft hat sich Teilzeitmodelle ausgehandelt, wo immer das möglich ist. Das Frühstück muss fertig sein, sagt Scheuchl, wenn der Gast es wünscht. Über alles andere lasse sich reden. 

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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