Direkt zum Inhalt

Der Schmäh mit der Regionalität

24.05.2018

Kommentar von Daniel Nutz.

40 ist das neue 30, Gemüse ist das neue Fleisch und Regional ist das neue Bio. Klingt irgendwie super, kommt einem leicht über die Lippen, ohne dabei weiter darüber nachzudenken. Da scheinen Lifestyle-Soziologen, Werbetexter oder Bauernvertreter volle Arbeit geleistet zu haben. Ändert aber nichts daran, dass vor allem letztere Aussage schlichtweg Unsinn ist. 

Die Gleichsetzung von Regional mit Bio ist populär, wenn es um den vielstrapazierten Nachhaltigkeitsbegriff geht. Stimmt schon, regionaler Einkauf fördert die lokale Wirtschaft und reduziert im günstigsten Fall Transportwege. Andererseits sagt Regionalität genau nichts über die Herstellbedingungen aus. Das Schnitzel aus dem 10.000 Schweine fassenden Mastbetrieb ist klarerweise ein anderes Produkt als die Bio-Sau. Der Bio-Standard definiert klare Regeln hinsichtlich des Tierwohls (etwa Haltungsbedingungen) und ist verlässlich pestizidfrei, ohne chemisch-synthetische Spritzmittel und schont so die Böden und das Trinkwasser. 

Die negativen Auswirkungen des landwirtschaftlichen Einsatzes von Pestiziden hat nun der Wiener Boku-Professor Johann Zaller im Buch „Unser täglich Gift“ zusammengefasst. Er schreibt von 12.900 Tonnen Spritzmittel, die jährlich in Österreich aufgewendet werden – einem 1,5-LiterGiftcockatil pro Einwohner und Jahr. Zaller fordert darum ein Verbot von Spritzmitteln. Doch geht das? Seine – letztlich sicher nicht unumstrittene – These: Ein kompletter Umstieg auf eine Bio-Landwirtschaft wäre ökonomisch möglich, wenn man gleichzeitig die Lebensmittelverschwendung eindämmen würde. 
Dahin ist es sicher noch ein weiter Weg. Wir sollten aber einmal damit anfangen, uns nicht selbst anzulügen. Regional ist gut. Aber nur in der „Ökodreifaltigkeit“ mit „saisonal“ und „biologisch“ gemeinsam sind Lebensmittel dann wirklich für Natur und Gesundheit unbedenklich.

 

Autor/in:
Daniel Nutz
Werbung

Weiterführende Themen

Strahlten um die Wette: Amuse-Bouche-Macherin Piroska Payer (Mitte) und „ihre“ Top-Lehrlingsteams. Die Siegerehrung findet am 27. November im Arcotel Wimberger in Wien statt. 600 Gäste werden erwartet.
Hotellerie
05.09.2019

Bei der Vorausscheidung des „12. Wettkampfs der Top-Lehrlinge“ qualifizierten sich neun Top-Lehrlings-Teams der Spitzenhotellerie für das Finale.

 

Karin Kaufmann
Gastronomie
05.09.2019

Küchenmeisterin und Buchautorin Karin Kaufmann sprach mit der ÖGZ über die Vorzüge der regionalen Küche, warum Salz ein zentrales Gewürz ist und was ihr am gastronomischen Angebot fehlt.

Das Restaurant im Vier-Sterne-Hotel „Der Kaiserhof“ wird neu verpachtet.
Gastronomie
05.09.2019

„Der Kaiserhof“ liegt zentral am Marktplatz in Ried und hat eine Gesamtfläche von 300 m².  

Sake und Maki: immer eine gute Kombination.
Gastronomie
29.08.2019

Sake ist das Nationalgetränk Japans. Schlicht aus Wasser und Reis hergestellt, ist Reiswein eines der natürlichsten und reinsten Getränke der Welt – und wird seit kurzem als exotischer Trend von ...

Setzen sich gemeinsam für die Artenvielfalt ein: Konrad Steiner (wissenschaftlicher Berater von Woerle), Gerrit Woerle (Geschäftsbereichsleiter Strategie) und Heumilchbauer Wolfgang Eibl aus Henndorf.
Thema
26.08.2019

Der Henndorfer Familienbetrieb Woerle nimmt schon seit jeher seine Verantwortung im Sinne von nachhaltigem Wirtschaften ernst. Dazu gehört auch ein sensibler Umgang mit den Ressourcen und der ...

Werbung