Finanzierung

Die Grüne Welle rollt durch das Hotelgewerbe

Top-Artikel
06.07.2023

5. Tourismus-Symposium für Banken: Nachhaltigkeit wird zum neuen Standard. Doch es lauern auch Gefahren.
Michael Jelencsits, Drees & Sommer Österreich, am Podium des 5. Tourismus-Symposium für Banken mit Nadja Blumenkamp (Biohotel Rupertus), Patricia Kuhn (Erste Group Bank AG) und Stephanie Zorn (Kohl & Partner).

Bild oben: Michael Jelencsits, Drees & Sommer Österreich, am Podium des 5. Tourismus-Symposium für Banken mit Nadja Blumenkamp (Biohotel Rupertus), Patricia Kuhn (Erste Group Bank AG) und Stephanie Zorn (Kohl & Partner).

Der Achensee bildete die Kulisse für ein Symposium, das auf Veränderungen in der Hotelbranche aufmerksam machte. Die Botschaft war klar: Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit ist nicht mehr nur ein Alleinstellungsmerkmal, sondern wird zunehmend zur Selbstverständlichkeit für Investoren und Gäste.

Auf dem 5. Tourismus-Symposium für Banken äußerte Michael Jelencsits von Drees & Sommer Österreich die Überzeugung, dass nachhaltige Hotelimmobilien bald das "neue Normal" sein werden.

Früher wurden Hotels hauptsächlich aus Gründen wie hohen Betriebskosten, sinkenden Mieteinnahmen oder veralteten Konzepten saniert. Doch in einer Zeit, in der immer mehr Gäste bei der Buchung Wert auf Nachhaltigkeit legen, kann ein glaubwürdiges grünes Konzept nicht nur neue Kundengruppen erschließen, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit steigern.

Die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards ist jedoch nicht mehr nur eine Option, sondern wird zunehmend zur Pflicht. Investoren, die auf Sanierungsmaßnahmen angewiesen sind, werden den UN-Klimazielen, dem Green Deal und den ESG-Richtlinien entsprechen müssen, warnt Jelencsits.

Achtung: Preisabschläge bei Immobilien

Finanzinstitute haben begonnen, Nachhaltigkeitskriterien in ihre Kreditvergabeprozesse einzuführen. Die Europäische Zentralbank verlangt nun, dass Banken nicht nur die Rentabilität eines Projekts überprüfen, sondern auch dessen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft. Die Zinssätze für Finanzierungen können aufgrund dieser ESG-Bewertungen variieren, und Immobilien, die diesen Kriterien nicht gerecht werden, könnten mit erheblichen Preisabschlägen auf den Markt kommen.

Die Anpassung an diese neuen Bedingungen ist jedoch nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance. Jelencsits betont die Möglichkeit, den Energieverbrauch durch energetische Sanierungen und den Einsatz effizienterer Technologien zu reduzieren. Aber auch in der Nutzungspraxis von Hotelbereichen - wie der Beleuchtung, der Klimatisierung von Zimmern und Spa-Bereichen - sieht er Optimierungspotenzial. Um die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen zu erreichen, könnten beispielsweise Heizungsanlagen ausgetauscht und Wärmepumpen, Biomasse und Solarthermie eingesetzt werden.

Doch wie können diese Veränderungen umgesetzt werden? Jelencsits betont die Bedeutung einer umfassenden Bestandsaufnahme und entsprechender Daten. Auf dieser Basis kann dann ein nachhaltiges Konzept entwickelt werden, das auch im laufenden Hotelbetrieb umgesetzt werden kann.

Für Sanierung, gegen Neubau

Trotz der möglichen Herausforderungen spricht sich Jelencsits für Sanierungen und gegen Neubauten aus. Ein Neubau erfordere umfangreiche Genehmigungen und biete aufgrund des Mangels an Arbeitskräften und Ressourcen sowie der komplexen technischen Anforderungen und der begrenzten Verfügbarkeit von Grundstücken zahlreiche Hürden. Vor allem aber sei eine Sanierung potenziell immer nachhaltiger als ein Abriss und Neubau.

Es ist klar, dass die Hotelbranche sich inmitten einer grünen Revolution befindet. Und wie bei allen Veränderungen wird es Gewinner und Verlierer geben. Diejenigen, die sich anpassen und auf Nachhaltigkeit setzen, werden jedoch am Ende die größten Chancen haben, in diesem sich rasch verändernden Markt zu überleben.