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Einst ein arroganter Sack. Jetzt will er die Welt zum Guten verändern: Bodo Janssen.

Der Systemveränderer

09.05.2019

Bodo Janssen, Chef der deutschen Upstalsboom-Hotels, machte sich mit seiner radikalen Mitarbeiterfürsorge einen Namen und erntete Bewunderung und Verwunderung. Jetzt will der Philanthrop mehr: Er will das System verändern. Wie, das hat die ÖGZ bei seinem Wien-Besuch erfragt.

Kaum zu glauben, dass der Mann gegenüber einst Unterhosenmodel war. Im Internet kursieren noch Fotos aus Bodo Janssens Modeljahren. Anfang zwanzig war er da, ein reicher Schnösel, arrogant, Muckis, Tschik in der Hand. Fesch ist der Chef der Upstalsboom Hotel- und Ferienwohnungskette mit 44 Jahren immer noch, aber der Ausdruck in seinem Gesicht ist anders als einst. Nachdenklich, fast traurig. Er wirkt uneitel, beseelt von seiner Mission.
Heute hält er einen Vortrag an der WU Executive Academy. Thema: „Personalentwicklung als Kernprozess der Unternehmensführung“. Zehn Vorträge macht er pro Jahr, mehr nicht. „Um kein Ungleichgewicht in seiner inneren Präsenz zu schaffen“, sagt er. Und dass er „seinem Ego nicht nachgeben will“.

Um die Metamorphose des Bodo Janssen zu verstehen, müssen wir seine Geschichte kennen. Millionärssohn, Student, entführt mit 24 Jahren. Einer der Täter war sein eigener Freund. Acht Scheinhinrichtungen während der Lösegeldverhandlungen, traumatisiert kam er frei. Brach das Studium ab und stieg im Familienbetrieb ein.

2010 erhoben sich seine Leute gegen ihn. Sie fühlten sich missachtet, kleingemacht, ausgenutzt. Janssen verstand, dass er sich ändern musste, und ging ins Kloster. Pater Anselm Grün, mit dem er auch ein Buch schrieb, brachte ihm das Meditieren bei und die Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich will glückliche Mitarbeiter, erkannte Janssen, die sich mit meiner Hilfe selbst verwirklichen. Sind die Mitarbeiter glücklich, machen sie auch die Gäste froh. Der Erfolg kommt dann ganz von selbst.

Wie im Märchen 

„Meint er das wirklich so?“, fragt so mancher hartgesottene Betriebswirt. Ja, er meint es wirklich so. Nach seiner Rückkehr gab Janssen die kaufmännische Führung ab und widmete sich vordergründig der Transformation seiner Kette in einen Hort der Mitarbeiterglückseligkeit. Die vergangenen fünf Jahre zog er als sein eigener Botschafter durch die Lande. In bester Storytelling-Manier (die Geschichte lässt sich auch gar so schön erzählen). Gibt es ein besseres Marketing?

Wie jede Story braucht auch diese gelegentlich ein Update, sonst nutzt sie sich ab. Der Kulturwandel ist vollzogen, erzählt Janssen. Wo sonst die Mitarbeiter das Mittel zum Zweck sind, ist der Zweck seines Unternehmens, sie zu stärken. Was begann als „Bei-uns-darf-jeder-arbeiten-und-lernen-was-er-will“ mündete in ein Bildungsprofitcenter, das zur Hälfte auch externe Teilnehmer frequentieren. Die finanzieren das Profitcenter und tragen seinen Spirit in die Welt hinaus. Eine Schule, in der „Kinder als Persönlichkeiten respektiert werden“, baut er auch gerade.

Ein Netzwerk soll entstehen

Projekt eins, das Bildungsprojekt, läuft also. Jetzt sind Projekte zwei und drei dran. Hier geht es um keinen Kulturwandel mehr, sondern um den des Systems. Weil das herrschende politisch-gesellschaftliche System Schwächen hat, konkret in der Gesundheits- und Altersvorsorge. Zur Gesundheitsvorsorge hat Janssen ein Beispiel mitgebracht (Storytelling, Sie erinnern sich?). Einem seiner Mitarbeiter attestierte ein ärztlicher Befund den Verdacht auf ein Blasenkarzinom. Nächster MRT-Termin: in drei Monaten. Das muss schneller gehen, insistierte Janssens Frau, eine Psychiaterin, beim MRT-Institut. Etliche Diskussionen später kam man überein: Man würde gemeinsam ein Gesundheitszentrum auf die Beine stellen, das Upstalsboomer ohne Wartezeit behandelt und Therapien anwendet, die das öffentliche System verwehrt – im Gegenzug können die Institutsmitarbeiter in Janssens Bildungscenter Angebote wie die Upstalsboomer wahrnehmen. Prinzip verstanden?

Janssen zieht ein Netzwerk von Unternehmen hoch, die sich seiner Mission anschließen und gemeinsam die Schwächen des öffentlichen Systems ausgleichen.
Genauso sollen auch die Häuser funktionieren, die seinen „Mitarbeitern die Angst vor dem Alter nehmen“. Kein Upstalsboomer soll sich vor Unversorgtheit im Alter fürchten, sagt Janssen. Das erste Gebäude hat er schon.
Dass vor lauter Philanthropie das Geschäft auf der Strecke bleibt, ist nicht zu befürchten. Erstens, die Mitarbeiter verzichten für die Sozialleistungen auf einen „kleinen“ Teil ihres Gehalts. Zweitens, die 60 Hotels und 650 Ferienwohnungen machen 65 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Kürzlich sperrte Janssen ein neues Haus auf einer entlegenen Ostseeinsel auf, wo man normalerweise keine Mitarbeiter findet. 140 Jobs hatte er zu vergeben. 4.000 Bewerber meldeten sich. Gibt es ein besseres Marketing?

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