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Die Innwirtler

29.10.2020

Serie Mein Wirtshaus: Herbert Karer ist Obmann des Vereins Innwirtler, einer Gemeinschaft von regional engagierten Wirten im oberen Innviertel. Einer ländlichen Region, die auch mit Corona vom Wirtshaussterben nicht bedroht ist

Mein Wirtshaus

Name: Gasthaus Badhaus
Inhaber: Harald und Monika Karer
Seit: 1998
Küchenschwerpunkt: saisonal, regional, traditionell
Sitzplätze: innen 150,
außen 80

USP: Innviertler Küche
Öffnungszeiten: Mi–Sa durchgehend,
So bis 14:30 Uhr
Ruhetage: Mo + Di

Moosstraße 28, 5230 Mattighofen
www.badhaus.at

Hier wird jeder geduzt: „Griaß di, griaß euch!“, schallt es praktisch ununterbrochen durch die große Gaststube. Draußen regnet es in Strömen, der Winter steht in Mattighofen im oberen Innviertel vor der Tür, und die Gäste strömen ins Gasthaus Badhaus und bleiben nicht zu Hause. Der Stammtisch ist gut besetzt.

Baden kann man hier schon seit 1969 nicht mehr. Aber das Ensemble wurde 1852 als Kurhaus an der Mattig eröffnet. 1967 pachtete es der Vater des jetzigen Besitzers und Wirts Herbert Karer. Er leitet den Service, in der Küche steht seine Frau Monika. Beide haben hier eine Oase der Innviertler Gastlichkeit geschaffen. Auf der Karte stehen reichlich Wildgerichte und viel Fisch. Bis auf Wiener Schnitzel, Frittatensuppe und Backhendl fehlen Wirtshausklassiker. Die bekommt man eh überall. Dafür gibt’s im Badhaus Burger vom regionalen Angusrind. Und ein Genussmenü mit drei Gängen für 34 Euro.

Gemeinsam stärker

Überhaupt ist die Liste der lokalen und regionalen Lieferanten auf der Karte lang. Das kommt nicht von ungefähr. Herbert Karer ist auch der Obmann der „Innwirtler“, einer Gemeinschaft von 14 regionalen Wirten, die sich 2011 im Vorfeld der Landesgartenschau in der Bezirkshauptstadt Braunau zusammengetan haben, um die regionale Küche zu fördern. Sie sind seitdem zusammengeblieben und überlegen, weitere Mitglieder aufzunehmen. Bedingung ist, dass der Betrieb inhabergeführt ist. Ansonsten ist die Spannbreite groß: vom klassischen Gasthaus bis zum Restaurant, vom Braugasthof bis zur Szene-Lounge. Wichtig ist die (kulinarische) Verankerung in der Region. 
Dazu zählen ganz entscheidend die Lieferanten. Die Zusammenarbeit der Gastronomie mit der Landwirtschaft und den Direkterzeugern hat man vor drei Jahren im Zuge eines Leader-Folgeprojekts angestoßen. Man arbeitet heute mit 18 Direktvermarktern zusammen, denen man gemeinsam bestimmte Abnahmemengen garantiert und diese wiederum der Gastronomie.
Karer ist ohnehin ein Anhänger von Kooperation statt Konkurrenzdenken. Er ist auch Gründungsmitglied der oberösterreichischen Kultiwirte, die heuer ihr 20-jähriges Jubiläum feiern. Und zur Feier gibt’s ein eigenes Kultibier aus Kaltenhausen. 
Neben der oberösterreichischen Bierkultur pflegt Karer im Badhaus auch die österreichische Weinkultur. Neun verschiedene Weine sind offen im Ausschank.

Gut durch die Krise

Er ist aufgrund seiner regionalen Verwurzelung bislang gut durch die Coronakrise gekommen. „Gott sei Dank sind wir nicht abhängig vom Tourismus“, sagt er. Bei ihm geht das „normale Leben“ weiter. Nebenan tagen während unseres Gesprächs die Kaufleute aus Mattighofen, die über ein neues Einkaufszentrum diskutieren – begleitet von Speis und Trank und natürlich Hygienemaßnahmen.
Auch die Mitarbeitersituation gestaltet sich im Badhaus eher entspannt. Die meisten der zehn Mitarbeiter sind seit Jahren im Badhaus beschäftigt. „Unser einziges Problem ist, dass es im Innviertel keine studentischen Kräfte gibt, die auch mal kurzfristig einspringen können“, sagt er. Aber so sei das halt am Land – nicht nur in Mattighofen. Ansonsten ist er froh, dass er und seine Frau Monika beide im Betrieb arbeiten, so habe man immer einen guten Überblick und können ad hoc eingreifen, wenn etwas nicht funktioniert. 
Auch die Gesamtsituation im oberen Innviertel für die Landgastronomie schätzt er positiv ein: „Außer uns Innwirtler gibt es bei uns natürlich noch weitere ausgezeichnete gastronomische Betriebe.“ Und wenn die Grenzen nach Bayern und Tschechien offen bleiben und es keine Reisewarnungen für Oberösterreich gibt, sieht er auch optimistisch in den Winter.
 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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