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Die Mutter aller Radwege

03.07.2019

Auf ihn schauen alle Radtouristiker: der Ciclovia Alpe Adria Radweg. Vorbildlich ausgebaute 402 Kilometer von Salzburg bis Grado. Wir sind ihn auf Einladung des Tourismusverbandes Friaul Julisch Venetien abgefahren. Und es war weniger anstrengend als befürchtet – wenn die Hitze nicht gewesen wäre.

Dieser Radweg ist vermutlich die Mutter aller Radwege im mitteleuropäischen Raum. Das österreichisch-italienische grenzüberschreitende Vorzeige-Projekt war der gemeinsame Wunsch dreier Regionen: Friaul Julisch Venetien, Kärnten und Salzburger Land, die hier mit der Provinz Udine, der Kärnten Werbung und dem Salzburger Land Tourismus zusammenarbeiten. Er sollte die Alpen von Norden nach Süden überwinden und das mitteleuropäische Radwegenetz mit der Adria verbinden. 2008 ging das Projekt in die Vorbereitungsphase, 2012 war er weitgehend fertig. Jetzt wird weiterhin mit einer EU-Kofinanzierung an den letzten Teilstücken und weiteren Marketingmaßnahmen gearbeitet: als Teil des Interreg-Projektes „BIKE NAT – Radrouten zur Verbesserung des Natur- und Kulturerbes“, mit weiteren Projektpartnern.

Radler unter sich

Der Weg läuft großteils auf gut ausgebauten Radwegen entlang des Salzachtals, der Möll, der Drau und der Gail. Ab Tarvisio fährt man auf einer ehemaligen Bahntrasse, zweispurig und asphaltiert. Bei Moggio Udinese existiert noch eine kleine Lücke, die gerade geschlossen wird. Hier muss auf die Bundesstraße ausweichen. Danach verläuft die Route auf Nebenstraßen, Feldwegen und ausgebauten Radwegen. Ab Palmanova fährt man auf einem neuen Radweg entlang der Via Julia Augusta bis Grado. Autos bekommt man eher selten zu Gesicht – oder nur von der Ferne.

Full Service

Überraschenderweise verläuft der Weg fast immer eben, in Italien sogar fast durchgehend leicht bergab. Dennoch kommt man auch in Richtung Süden auf insgesamt 2.471 Höhenmeter bergauf und 2.842 Meter bergab. Steil bergab geht es nach der Tauernschleuse von Mallnitz nach Obervellach, steil bergauf das letzte Stück vor Bad Gastein und ein kleines Stück vor Gemona. Aber mit einem E-Bike sind auch diese Passagen problemlos zu bewältigen.

Oder man macht es wie wir: Um Zeit zu sparen und die Tour in vier statt sechs bis sieben Tagen bewältigen zu können, haben wir immer wieder einen Shuttle benutzt. So einen Kleinbus, in Italien nennt man sie „Bici-Bus“ mit Radanhänger, stellen viele Radreiseveranstalter entlang der Route zur Verfügung. Es gibt sie auch im Linienverkehr zwischen Grado und Udine.+ Die fahren einem auf Wunsch auch das Gepäck hinterher. Man kann über die Veranstalter auch Unterkünfte buchen. Man kann sich die Räder in Salzburg mieten und in Grado abgeben oder sich mit den eigenen Rädern zum nächstgelegenen Bahnhof chauffieren lassen.

Wem unterwegs die Puste ausgeht oder wer einem Gewitter ausweichen will, kann jederzeit ein Taxi rufen, das auf den Transport von Rädern eingestellt ist. Außerdem verläuft die Route vor allem im österreichischen Teil immer entlang einer Regionaleisenbahnlinie mit vielen Zusteigemöglichkeiten.

Kulinarische Begleitung

Das Faszinierendste am Radweg ist der Wechsel der Landschaften und Speisen: An der Salzach und der Drau zwitschern die Vögel im Gebüsch der Auen, in Italien hört man überall die Zikaden zirpen: The Sound of Summer! Salzburger Spezialitäten werden von Pongauer Kasnocken und Kärntner Kasnudeln abgelöst. Überall sieht man Hinweisschilder zum nächstgelegenen Gasthaus – im Pongau und im Tennengau könnte man das allerdings noch ausbauen.

Besonders gut klappt das im italienischen Teil. Entlang der ehemaligen Bahntrasse hat man in den letzten Jahren viele alte Bahnwärterhäuschen zu einfachen Lokalen revitalisiert, manchmal kann man hier sogar übernachten, wie in Chiusaforte, wo uns ein schlichtes, aber umso köstlicheres Dreigangmenü serviert wurde. Nicht nur die italienischen Teilnehmer unserer Gruppe waren erleichtert, dass man die manchmal doch monothematische Schnitzelzone verlassen hatte. Die einheimischen Wirtsleute betreiben das Lokal seit sieben Jahren, die Geschäfte mit den Radlern laufen jedes Jahr besser. Überhaupt ist in dieser eigentlich sehr abgelegenen Region der Radtoursimsu praktisch die einzige ernsthafte Einnahmequelle. Das gilt aber auch für andere Orte entlang der Strecke. Unsere Gastgeberin Tina Mosser vom Hotel Mosser in Villach lebt im Sommer überwiegend von Radlern und ist voll auf sie eingestellt – sie kann alles rund um die Tour organisieren und radelt selbst für ihr Leben gern. Man zählt auf dem Alpe-Adria-Radweg mehr als 100.000 Radler im Jahr, heuer waren es bis Juni schon 60.000. darunter auch viele Tagesausflügler. Mehrtägige Touren unternehmen rund 10.000 Radtouristen im Jahr – zumindest nutzen so viele die Tauernschleuse, einen Rad-Auto-Zug, der in einem zehn Kilometer langen Tunnel die Hohen Tauern zwischen Salzburg  und Kärnten überwindet.

Die Strecke zwischen Tarviso und Venzone bietet jede Menge spektakuläre Tunnel und Viadukte. Manche Tunnel sind so lang und finster, dass man schon allen Mut zusammennehmen muss, um in sie hineinzufahren: Stehenbleiben gilt nicht, sonst wird man von hinten gerammt! Immerhin bieten sie zur Abwechslung etwas Kühle.

Rund um Udine fährt man durch wunderbare alte Dörfer mit vielen für die Region typischen Steinhäusern. In Venzone und Gemona kann man nur bewundern, wie man es hier nach den furchtbaren Verwüstungen der Erdbeben von 1976 geschafft hat, die Orte wiederaufzubauen. Ab Aquileia hat man dann den Duft des Meeres in der Nase, das man vor der langen Brücke rüber nach Grado endlich auch zu Gesicht bekommt – um wenig später in 27 Grad warmen Wellen zu planschen. Die erhoffte Abkühlung ist das nicht, aber trotzdem schön.

Zeit für Abstecher einplanen

Wir sind insgesamt in vier Tagen 250 Kilometer mit dem E-Bike geradelt. Die steileren Stücke und die zehn Kilometer der Tauernschleuse haben wir uns fahren lassen. So schafft man täglich 50 bis 70 Kilometer und hat genügend Zeit zum wiederholten Einkehren oder kleinen Ausflügen. An Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke herrscht kein Mangel: Schloss Hellbrunn mit seinen faszinierenden Wasserspielen, ein Spaziergang zu den Gollinger Wasserfällen, die Greifvogelflugschau auf Burg Hohenwerfen, der „schiefe“ Dom von Gemona, die uralten Mosaike in der Basilika von Aquileia, ein Bummel durch Udine oder ein Bad in einem der Kärntner Seen. Leider kann man in den Flüssen, an denen man so ausgiebig entlangradelt, so gut wie nie baden, dazu sind sie einfach zu reißend.

Nahe dran an Land und Leuten

Man lernt unterwegs tolle Leute kennen, zum Beispiel Mitglieder eines Vereins, die an der Drau bei Lansach/Feffernitz den traditionellen Fährbetrieb reaktiviert haben und uns (auf Vorbestellung) eine wunderbare Jause mit heimischen Produkten servieren. Oder ein Pärchen aus Rimini, beide weit über 60, die den italienischen Teil der Strecke in beide Richtungen mit eigenen Rädern abfahren. Immer nett sind auch die leicht höhnischen Zurufe der „traditionellen“ Radler, wenn sie von uns überholt werden: „Achtung, jetzt kommen wieder die Elektromaschinen!“

Ob mit oder ohne elektronische Hilfe: das Fahrrad ist das optimale Verkehrsmittel, um eine Landschaft wirklich zu erleben. Wie oft sind wir mit dem Auto durch Friaul gefahren oder durchs Kanaltal südlich von Tarvisio – ohne die wirklichen Schönheiten dieser Gegenden mitzubekommen.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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