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Die zu freundlichen Restaurantkritiker

02.03.2016

Sind Foodblogs und Bewertungsportale im Internet gerade dabei, die klassische Restaurantkritik zu verdrängen? Wenn man zu beinahe jedem Lokal Bewertungen im Netz finden oder darüber in Foodblogs lesen kann? Dieser Frage ist man bei einer Podiumsdiskussion des FFI-Forums in Wien nachgegangen.

Sie schießen wie Pilze aus dem Boden und sind immer up-to-date. Um einen Foodblog online zu stellen, bedarf es lediglich einiger Klicks. Auf anderen Plattformen können jederzeit von jedermann Restaurants bewertet werden. Jeder ist heute ein Kritiker. 
Sind Foodblogs und Bewertungsportale im Internet gerade dabei, die klassische Restaurantkritik zu verdrängen? Wenn man zu beinahe jedem Lokal Bewertungen im Netz finden oder darüber in Foodblogs lesen kann? Dieser Frage ist man bei einer Podiumsdiskussion des FFI-Forums in Wien nachgegangen.

Für Mario Plachutta, einem der Teilnehmer, sind es zwei getrennte Welten: Für ihn unterscheidet sich die neue Form der Bewertung im Internet von der klassischen Restaurantkritik. Die Restaurantkritiker hätten ein „profundes Wissen“. Das hätten Blogger meist nicht. Weil die meisten Blogger auch gar keine Kritiker sein wollen. Ein Foodblog soll in erster Linie Lust auf Essen machen. Die Foodbloggerinnen Anna Zora und Esa Lotte (eingebrocktundausgeloeffelt.com) wollen nicht kritisieren, sondern „Konsumenten schulen“. Das tun sie unentgeltlich, weil Geld wirft ihr „Geschäftsmodell“ (noch) keines ab. Wer sollte sie auch bezahlen? Die Leser im Gratis-Netz? Das Restaurant? Plachutta berichtet von Agentur-Angeboten, wo Blogger um bis zu 40.000 Euro „gekauft“ werden können.

Vor solchen Angeboten sei auch der Journalismus nicht gefeit, sagt Gastrokritiker Severin Corti. Foodblogs hätten aber die Chance, „ein richtiges Schandmaul zu sein und zu sagen, was überhaupt nicht gut ist an Restaurants“. Für ihn sind Gastrokritiker in Österreich „zu freundlich“. Weil verhabert? Aber wenigstens steht hinter ihnen ein Redakteur, der gegenliest und ihnen den größten Blödsinn (hoffentlich) rausstreicht. So eine letzte Instanz gibt’s bei den Lust machenden Bloggern nicht. Embedded Blogger oder „unabhängige“ Kritik? Beides hat seine Daseinsberechtigung, beides wird bestehen. Nebeneinander, eher nicht miteinander.

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Autor/in:
Alexander Grübling
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