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V. l. n. r.: Egon Blümel, Tamara Blümel, Walter Leidenfrost.

Dieser Wirt schneidet seinen Gästen die Haar’

02.05.2019

Die Kombination aus Friseur und Wirtshaus war schon bisher ungewöhnlich, nun krempelt Walter Leidenfrost in Leithaprodersdorf die Küche der „Schneiderei“ um.

Außenbereich der "Schneiderei"
Lachsforelle, kurz gebeizt mit Rhabarberfond, Petersilienöl, karamellisiertem Rhabarber und Baumklee.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein hochdekorierter Koch wie Walter Leidenfrost am Leithagebirge aufschlägt. Nicht auf jener Seite, die dem Neusiedler See zugewandt ist, wohlgemerkt, sondern an der verborgenen Rückseite des burgenländischen „Gebirges“, hart an der Grenze zu Niederösterreich. Das Engagement des Kochs bringt aber einem Konzept Aufmerksamkeit, mit dem Tamara und Egon Blümel bereits vor vier Jahren starteten: das multifunktionale Dorfwirtshaus. „Mittlerweile gehen auch die Männer gern mit zum Friseur“, lacht Blümel, der gelernte Friseur. Denn nebenan gibt es für sie Bier oder den regionalen Espresso von „Two Beans“.

Leidenfrost selbst steht derweil in der Küche und müht sich mit dem Einstandsgeschenk seines Onkels ab, einem Reh, das er „nose to tail“ verarbeitet. „Wir machen alles selbst“, verrät der Koch zwischen Aufsetzen eines Jus und dem Abprasseln der Reh-Nieren als Kostprobe für einen Stammgast. Das Fleisch wandert zu einem großen Teil ins Tagesgericht in der „Schneiderei“. Es gibt Rehbutter-Schnitzel mit Liebstöckel-Püree. Das Öl dafür hat Leidenfrost ebenfalls selbst aromatisiert. Die Kräuterbeete im schmucken Schanigarten der Blümels zeigen bereits erste Neuankömmlinge, die von der Lieblingsgärtnerin des Kochs (Evi Bach) stammen. Denn bis auf ein paar Basis-Gewürze soll weiterhin möglichst viel aus eigener Erzeugung stammen. Die Lieferanten dafür fand der Talent-Scout in eigener Sache auch am Leithaberg: Frisches Lamm kommt von Aslan (Reisenberg), Gemüse von den „Leithaland“-Bauern.

Cola direkt aus der Küche

„Das beste Produkt suchen und möglichst perfekt veredeln“, gibt Leidenfrost als Credo an, das sich nicht nur auf die Küche bezieht. Mittlerweile steht sein auf Eberraute basierendes, wasserklares Cola auf der Schiefertafel zwischen den geschmackvollen Möbeln, die Tamara Blümel für die Gaststube zusammengetragen hat. Dass dieser „shabby chic“ den schlagartig an Leithaprodersdorf interessierten Gastro-Meinungsmachern gefällt, ist klar. Doch auch lokal kommt Blümels schräge Mischung beim ÖGZ-Besuch bestens an: Einen Tisch weiter diskutieren Stammgäste intensiv, ob die neue Limonade mit Rhabarber besser ist als ihr Vorgänger oder doch nicht. Fünf Teenager, alle frisch bedauerwellt, lassen derweil beim hausgemachten Wermut und einem Caffè Latte den Tag ausklingen. Denn immerhin haben die Leithaprodersdorfer jetzt zwei Gründe zum „Wirten“ zu gehen. Oder eine gute Ausrede: „Schatz, ich bin nur schnell beim Friseur …“

Autor/in:
Roland Graf
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