Direkt zum Inhalt
TikTok: Braucht man das, oder kann das weg?

Funktioniert TikTok im ­Tourismus?

11.11.2021

Sucht man auf TikTok nach dem Begriff „Hotel“, ist einer der ersten Treffer das „Hotel Hubertus“ im Pustertal. Die erfolgreichsten Videos wurden zwei Millionen Mal angesehen. Die ÖGZ hat mit Geschäftsführer Markus Gasser über die Chancen von TikTok im Tourismus gesprochen

Was steckt hinter dem Trend TikTok?

TikTok ging aus der vor sechs Jahren gelaunchten App Musical.ly hervor. Auf der Social-Media-Plattform kann man bis zu 60 Sekunden lange Videos, unterlegt mit Musik und mit grafischen Effekten, veröffentlichen. Heute ist TikTok mit mehr als 800 Millionen Userinnen und Usern weltweit eine der am schnellsten wachsenden Social-Media-Plattformen, vor allem aber eine der jüngsten: 69 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer sind zwischen 16 und 24 Jahre alt. Für Touristikerinnen und Touristiker kann TikTok durchaus zum Marketing-Tool werden. Unter dem Hashtag ­#tiktoktravel sind bereits Destinationen wie Dubai, Japan, Seoul oder Thailand aktiv, in Österreich zählt Innsbruck Tourismus zu den TikTok-Pionieren.

Hatte „Zeit im Bild“-Anchor Armin Wolf recht, als er sagte, dass keiner über 25 TikTok kennt?
Markus Gasser: Ich bin 26 (lacht). Zwischen TikTok „kennen“ und tatsächlich „nutzen“ muss unterschieden werden. Ich glaube, dass TikTok jedem Menschen ein Begriff ist, der auch Facebook und Instagram nutzt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auch alle nutzen. Aussagen von Personen, die behaupten, dass Social-Media-Plattformen nur von der jüngeren Generation benutzt werden, haben mich zuletzt 2014 beschäftigt, als es noch hieß, dass Facebook und Instagram nicht als Marketing-Instrument für ein Unternehmen/Hotel benutzt werden können. Heute sind diese Plattformen das Marketinginstrument Nummer eins.
 
Wann haben Sie mit TikTok begonnen?

Wir haben im Dezember 2019 mit TikTok gestartet. Grund war der Austausch mit einigen Personen aus der TikTok-Szene. Unsere Social-Media-Kanäle habe ich selbst aufgebaut. 

Haben Sie ein Konzept für Ihre TikTok-Beiträge?
Es muss spannend sein und faszinieren. Die Nutzer müssen das Video fertig schauen und im besten Fall interagieren, sodass der 
TikTok-Algorithmus dem Video eine „Chance“ gibt. Nur so (und mit etwas Glück) kann ein Video erfolgreich werden.
 
Welche Chancen räumen Sie TikTok in der Tourismusbranche ein?
Ich bin der Meinung, dass TikTok im Vergleich zu Instagram ein Medium ist, bei dem viel schneller konsumiert wird. Es geht weniger darum, jemandem zu folgen (ein Fan werden und den Fortschritt begleiten), sondern darum, viel Neues in kurzer Zeit zu konsumieren. Von wem das Video kommt, spielt keine große Rolle. 
 
Merken Sie einen Effekt, seit Sie TikTok machen? 
Bei TikTok ist der Vorteil, dass Videos extrem viral gehen können – unabhängig davon, wer sie postet. Der Impact eines solchen Videos ist bei Weitem nicht vergleichbar mit Instagram, TV oder jedem anderen Medium. Wenn bei uns ein Video auf TikTok viral geht oder jemand ein Video über uns postet, das funktioniert, sind bis zu dem Zeitpunkt, wo TikTok entscheidet, das Video wieder zu bremsen, alle Kanäle überlastet. Das dauert in der Regel bei einem einzelnen Video vier bis sechs Tage.
 
Welcher Social-Media-Plattform räumen Sie die größte Wichtigkeit ein?
Instagram ist für mich im Moment die Plattform mit der größten Wichtigkeit. Warum? Instagram ist nicht so „schnell“ wie TikTok – es gibt uns bessere Rahmenbedingungen, Gäste persönlicher zu erreichen und zu binden. Aber wer weiß, wie die Situation in einem Jahr ausschauen wird.
 
Wie wichtig ist es generell für ein Hotel, auf Social Media sichtbar zu sein?
Von 1 bis 10 würde ich mit Stand von heute 10 behaupten. Besser um-
schrieben: Auf Social Media nicht präsent zu sein wäre so, wie wenn ein Hotelbetrieb vor zehn Jahren keine eigene Website gehabt hätte.
 
Ihr Tipp für Hotelkollegen, die auch mit TikTok beginnen wollen?
Aufgrund der vielen unterschiedlichen Plattformen ist es für viele Hotelbetriebe ohne „jüngere Generation“ schwierig, sich in diese Plattformen zu integrieren. Verständlich. Deshalb empfehle ich, in eine junge, verantwortungsbewusste Person, die diese Aufgabe übernimmt, zu investieren. Für (bezahlte) Werbung auf Social Media empfehle ich eine lokale, spezialisierte Agentur.

Autor/in:
Jasmin Kreulitsch
Werbung

Weiterführende Themen

40 Prozent der Beschäftigten im Tourismus von 2019 haben mittlerweile die Branche verlassen.
Gastronomie
05.08.2021

Derzeit werden mehr Mitarbeiter gesucht als vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Anders als vielfach behauptet, ist der Fachkräftemangel nicht direkt auf Corona zurückzuführen. Die Branche ist ...

Sche, so a Chalet: Die Zahl der Projekteinreichungen in der Corona-Zeit ist noch einmal deutlich gestiegen. Jetzt zieht Lech die Notbremse.
Hotellerie
08.07.2021

Die Maßnahme gilt zunächst für die Dauer von zwei Jahren und soll den Chalet-Wildwuchs eindämmen. Bürgermeister Jochum: "Schieben Ausverkauf unserer Heimat Riegel vor".

Weinerlebnis-Führungen sind wieder möglich, mittels 3D-Hologrammen wird die Vielseitigkeit der Weine präsentiert.
Wein
29.06.2021

Nach über sechs Monaten Lockdown freut sich das Team der Sandgrube 13 auf Besucher. Und es gibt Neuigkeiten.

v.l.n.r.: Berndt Querfeld, Doris Ploner, Petra Stolba, Ulrike Glatt.
Tourismus
24.06.2021

Eine neue Studie zeigt: Die Österreicher akzeptieren mehrheitlich vorgeschriebene Maßnahmen wie Masken, Händedesinfektion & Co. Aber: Sie besuchen die Gastronomie auch seltener. Und sie suchen ...

Tourismus
15.06.2021

Verlängerte Wirtschaftshilfen sollen Betrieben mit massiven Umsatzeinbrüchen Luft zum Atmen geben. 

Werbung