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Kommentar: Unpopulär, aber richtig

07.03.2018

Die Rücknahme der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Übernachtungen - ein Steuergeschenk? 

Nach all dem Geeiere um die in österreichischen Gaststätten offenbar wichtigste Nebensache der Welt – nicht der Fußball, sondern das Rauchen – möchten wir hier noch einmal auf eine mutige, weil durchaus unpopuläre Entscheidung der amtierenden Regierungskoalition hinweisen: die Rücknahme der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Übernachtungen. 

Die SPÖ schäumt. Wirtschaftswissenschaftler rechnen (siehe hier). Die Branche jubelt. Der gemeine Österreicher reibt sich verwundert die Augen. Aus seiner Sicht ist das ein völlig unnötiges Steuergeschenk an eine eh sehr gut verdienende Branche. 
Natürlich irrt hier der gemeine Österreicher. Aber das wissen vermutlich nur Brancheninsider: dass trotz Nächtigungsrekorden bei den meisten Hoteliers immer weniger in der Kasse übrig bleibt. Das haben auch lange die meisten hiesigen Politiker nicht verstanden oder verstehen wollen. Oder es war ihnen zu unpopulär, einer Branche unter die Arme zu greifen, die ihre Wähler eh für gestopft halten. Der umgekehrte Weg schien leichter.

Einen dreistelligen Millionenbetrag habe die Erhöhung der Umsatzsteuer Österreichs Hotellerie gekostet, sagt die ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer. „Das war unser Riesenbeitrag zur Lohnsteuersenkung für unsere Mitarbeiter. Aber dieser Wettbewerbsnachteil kostet natürlich Arbeitsplätze und Investitionen in Österreich. Es ist wichtig, dass das jetzt wieder wegfällt.“ 

Das versteht nicht jeder. Es ist aber trotzdem richtig. Ein Hotel zu besitzen ist eine teure Angelegenheit. Gleichzeitig steht man in einem beinharten Preiswettbewerb. Um mithalten zu können, ist jede Hilfe willkommen. Drei Prozent weniger Steuern helfen gegenüber dem ausländischen Mitbewerb, wo die Steuern auch gesenkt wurden. Dass die Politik ihren Fehler jetzt korrigiert, ist einer veränderten politischen Konstellation und einer beharrlichen Lobbyarbeit zu verdanken. Die sich nicht aufs Jammern oder, noch schlimmer, Polemisieren verließ, sondern ihre Forderungen mit immer neuem Zahlenmaterial unterfütterte. Das macht Arbeit, hat sich aber ausgezahlt.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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