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Zum ersten Mal seit 1997 wurde wieder eine umfassende Studie zum Thema Tourismusbewusstsein in Tirol durchgeführt. Die Ergebnisse präsentierten Hubert Siller, MCI Tourismus, LH Günther Platter, Tirol Werbung-GF Florian Phleps und Fachgruppenobmann Mario Gerber (v.l.)

Tourismusstudie Tirol: wichtiger Arbeitgeber mit schlechtem Image

04.12.2019

Seit der letzten Befragung 1997 beinahe unverändert: 98 Prozent der Tiroler schätzen auch 2019 die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für das Land Tirol als hoch ein. Trotzdem gibt es einige widersprüchliche und kritische Aussagen.

Die aktuelle Diskussion um das Megaprojekt Pitztal-Ötztal ist nicht in die neue Studie des MCI Tourismus zum „Tourismusbewusstsein in Tirol“ eingeflossen. Wohl aber zeigt sich, dass die Sensibilität der Tiroler Bevölkerung in punkto Verkehr gestiegen ist. 73 % der Befragten stimmen der Aussage zu, dass der „Verkehr, der durch die Gäste verursacht wird, die Lebensqualität negativ beeinflusst.“ 1997 waren immerhin auch schon 66 Prozent dieser Meinung.

Gesamt betrachtet, blieb die Einstellung der Tiroler zum Tourismus seit der letzten Befragung 1997 unverändert. 98 % der Tirolerinnen und Tiroler schätzen die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus für das Land aktuell als hoch ein. Für 82 % schafft die Branche wichtige Einrichtungen und Infrastrukturmaßnahmen. Zwei Drittel sagen, dass der Tourismus positiv zur Lebensqualität beiträgt. 77 % sind stolz, dass Gäste nach Tirol kommen, um zu sehen, was das Land zu bieten hat. 74 % sind der Meinung, dass die Anzahl der jährlichen Gäste gleichbleiben soll.  

 

Sünden der Vergangenheit

 

Auch der Stellenwert des Tourismus als Arbeitgeber wird positiv bewertet. Zwei Drittel schätzen, dass die Branche Arbeitsplätze bietet. In tourismusintensiven Gemeinden liegt dieser Anteil bei 87 Prozent! Lediglich 35 Prozent halten jedoch das Image der Arbeitgeber im Tourismus für positiv. Aus Sicht von Fachgruppenobmann Mario Gerber würden hier Versäumnisse der Branche aus den 1980er und 1990ern nachwirken. Das Porzellan, das damals zerschlagen wurde, ließe sich schwer kitten. Heute aber hätten die meisten Betriebe verstanden, wie wichtig ein wertschätzendes Umfeld für die Beschäftigten ist und investieren in entsprechende Initiativen wie Mitarbeiterhäuser, Weiterbildung und Freizeitprogramme.

 

Urlaub im eigenen Land

 

Insgesamt ist den Tirolern eine nachhaltige Weiterentwicklung des Tourismus wichtig. Es war zu erwarten, dass die Punkte Arbeitgeberimage, Umgang mit der Natur und Verkehrsaufkommen eher kritisch gesehen werden. Als Fazit aus der Studie gibt es einen klaren Arbeitsauftrag an die Tirol Werbung. Die Wertschöpfung soll weiter steigen: Dass die Gesamtbettenanzahl in Tirol rückläufig ist und die Auslastung gleichzeitig gestiegen ist, zeige, dass die Entwicklung in die richtige Richtung gehe. Das Gleiche gelte bei der Attraktivität der Tourismusberufe. Illegalen Natureingriffen werde das Land Tirol den Kampf ansagen. „Fehlentwicklungen gehören aufgezeigt, da nicht nur die Bevölkerung, sondern die gesamte Branche darunter leidet“, sagte Landeshaupt Günther Platter. Leistbare Angebote zur Nutzung der touristischen Infrastruktur durch Einheimische sollen forciert werden. Zumal die Tiroler so gerne Urlaub im eigenen Land machen wie noch nie: Die Übernachtungen von Einheimischen sind in den vergangenen zehn Jahren um 45 Prozent gewachsen. Massiv geschraubt werde an der Mobilität. Wie Tirol Werbung Chef Florian Phleps betonte, baue man das bereits 2012 entwickelte Projekt „Tirol auf Schiene“ weiter aus. Die täglichen Halte von Fernverkehrszügen in Tirol seien von 70 auf mittlerweile 194 gestiegen.

 

Nicht alle gleich begeistert

 

Eine wichtige Erkenntnis aus der Studie sind die regionalen Unterschiede: „Einwohner von tourismusintensiven Gemeinden haben eine positivere Einstellung zum Tourismus als jene aus weniger tourismusintensiven Gemeinden“, erläutert Hubert Siller, Leiter des MCI Tourismus. „Die Tiroler Bevölkerung hat nach wie vor eine positive Grundeinstellung zum Tourismus, von einer bedingungslosen Befürwortungshaltung kann man aber sicherlich nicht sprechen.“

Autor/in:
Barbara Egger
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