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40 Prozent der Beschäftigten im Tourismus von 2019 haben mittlerweile die Branche verlassen.

Warum es im Tourismus an Fachkräften mangelt

05.08.2021

Derzeit werden mehr Mitarbeiter gesucht als vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Anders als vielfach behauptet, ist der Fachkräftemangel nicht direkt auf Corona zurückzuführen. Die Branche ist derzeit zu unattraktiv für Neueinsteiger.

Viele offene Stellen bedeuten normalerweise einen Boom. Laut dem Jobportal karriere.at sind derzeit im Tourismus um 19 Prozent mehr Arbeitsplätze ausgeschrieben als noch 2019. Doch wie jeder weiß, ist in Hotellerie und Gastronomie von Boom keine Rede. Gerade erst aus dem Lockdown gekommen, mangelt es an Mitarbeitern, wohin man blickt.

Wechsel in andere Branchen

Hotellerie und Gastronomie waren stärker als jede andere Branche von einem Mitarbeiterabgang während der Pandemie betroffen. Des einen Leid ist das anderen Freud. So freut sich IV-Chefökonom Christian Helmenstein über ehemalige Tourismus-Mitarbeiter, die es in die Industrie zog. „Auch der Arbeitsmarkt ist ein Markt, es gelten die Grundregeln von Angebot und Nachfrage", so Helmenstein. Es sei legitim, dass Arbeitnehmer versuchen, das Maximale aus ihrer Leistung heraus zu holen. In der Industrie sind der Verdienst und auch die Arbeitszeit vielfach günstiger als im Tourismus.

Werfen wir mal einen Blick auf die aktuellen Zahlen, die das AMS liefert. 2019 gab es etwa 230.000 Beschäftigte in heimischen Tourismusbetrieben. In absoluten Zahlen arbeiten von diesen derzeit nur mehr 132.000 Menschen im Tourismus. Oder anders ausgedrückt: Ganze 40 Prozent verließen die Branche.

Was nach viel klingt, ist im Tourismus aber gar nicht so ungewöhnlich. Laut AMS sind etwa 35.000 sind in andere Branchen gegangen und rund 4000 haben sich selbstständig gemacht, und sind somit in der Branche geblieben. Solche Werte gab es auch in der Vergangenheit. Das eigentliche Problem liegt daran, dass im Moment viel weniger Personen einen Job im Tourismus annehmen als vor der Krise. Derzeit sind es rund 20.000 Stellen, die im Vergleich zu 2019 fehlen.

Krisensichere Jobs?

Und mit dieser Herausforderung gilt es umzugehen. Ein Problem liegt darin, das Gastronomie und Hotellerie durch die ganzen Lockdowns den Nimbus des krisensicheren Arbeitsplatzes verloren haben. Es braucht also eine massive Imagekampagne, wie sich Branchenvertreter auch relativ einig sind. So etwa der Vorarlberger Fachverbandsobmann und Gastronom in Hohenems Mike Pansi: „Wir müssen den Leuten die Vorzüge der Arbeit im Tourismus näher bringen!“

Es wird künftig noch mehr darum gehen, Mitarbeiter Anreize zu geben. Die 5-Tage-Woche und das Thema Arbeitszeiten, Planbarkeit und Vereinbarkeit mit Kinderbetreuung muss ebenso diskutiert werden, wie das Thema Gehalt. Denn letztlich entscheidet der der freie Markt – damit hat IV-Ökonom Helmenstein schon recht.    

Autor/in:
Daniel Nutz
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