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Höllerersee: Kleine, meist nur lokal bekannte  Gewässer standen Pate für den ersten Wortteil von Seelentium.

Zehn Jahre Seelentium: Stille Nacht in himmlischer Ruh'

10.11.2016

Dort, wo Oberösterreich, Salzburg und Bayern aufeinandertreffen, ist eine grenzenlose Urlaubsregion entstanden.

Wolfgang Reindl, Sprecher von Seelentium

„Ein Großverband könnte nicht mehr auf die Bedürfnisse der kleinen Gemeinden eingehen, die Folge wäre eine deutliche Reduktion des lokalen Angebots.“

 

Wolfgang Reindl, 
Seelentium-Sprecher

In den 1970ern zählte der Holzöstersee zu Österreichs beliebtesten Sommerurlaubs-Destinationen. Ein kleiner, warmer See im oberen Innviertel, drumherum sehr viel Natur. 1978 logierte sogar Sophia Loren hier, während der Dreharbeiten zum US-Thriller „Brass Target“ (Deutscher Titel: „Verstecktes Ziel“) wohnte die italienische Filmschönheit beim Seewirt in Holzöster, einem Ortsteil der Gemeinde Franking. Ein Jahr später, 1979, entstand das Lerncamp, wo seither Generationen von Schülern ihre Sommerferien mit Büffeln für eine Nachprüfung im Herbst verbrachten. Und zwischendurch im See schwimmen durften.  
Die 1970er sind lange vorbei, die Zeiten, in denen Gäste drei Wochen Badeurlaub an einem kleinen Moorsee im Innviertel machten, ebenso. Die Region im Dreiländereck Oberösterreich/Salzburg/Bayern rutschte zusehends ins touristische Abseits, die Nächtigungszahlen gingen kontinuierlich zurück.

Was tun?

Ein neues Konzept musste her. Vor zehn Jahren, 2006, fand man eins. Der Tourismusort Franking, auf dessen Gemeindegebiet der Holzöstersee liegt, und sieben Umlandgemeinden schufen die „Wohlfühlregion Seelentium“. Seelentium ist eine Verschmelzung aus dem deutschen Wort See und dem lateinischen Silentium (Deutsch: Stille, Ruhe). Der Name ist seither Programm. Ruhe, Entspannung, Erholung sind die wichtigsten Werbebotschaften, mit denen Kleingruppen und Individualgäste angesprochen werden. Die kleinen, meist nur lokal bekannten Gewässer standen Pate für den ersten Wortteil von Seelentium. Holzöstersee, Heratinger See, Höllerersee und die nicht für den Badebetrieb geöffneten Huckinger Seen und der Seeleitensee bilden die Oberinnviertler Seenplatte. Auf der anderen Seite der Salzach in Bayern liegen der Wöhrsee und der Leitgeringer See. 

Ibmer Moor

Seelentium beginnt nicht nur mit „See“, sondern auch mit „Seele“: Das soll für sanften und nachhaltigen Tourismus stehen. „Die Seele auf Abenteuerurlaub in der Natur!“ ist ein Slogan. Ein zentraler Punkt sind Führungen durch das Ibmer Moor, das größte zusammenhängende Moorgebiet Österreichs. „Irrlichter und Moorgeister“ heißt eine Tour, bei der nach Einbruch der Dunkelheit mit Laternen durch die sagenumwobene Urlandschaft gewandert wird. Weitere Schwerpunkte sind Radfahren, Wanderungen und – natürlich – Baden in den verschiedenen Seen.
Längst ist Seelentium mehr als Moor und See, mittlerweile gehören Gemeinden aus Salzburg, Bayern und dem oberösterreichischen Bezirk Braunau zum Verein: Burghausen und Tittmoning in Bayern, St. Georgen und Lamprechtshausen in Salzburg sowie Eggelsberg, Franking, Geretsberg, Haigermoos, Hochburg-Ach, Mattighofen, Moosdorf, Ostermiething, St. Pantaleon, St. Radegund und Tarsdorf (mit dem über die Grenzen bekannten Ortsteil Fucking) in Oberösterreich. Im November kommt Feldkirchen bei Mattighofen als 16. Gemeinde dazu. 
Die geografische Ausdehnung brachte eine thematische Verbreiterung mit sich. Die deutschen Salzach-städte Burghausen und Tittmoning locken mit ihren Burgen und historischen Stadtkernen, die ehemalige Bergbau-Zentrale Trimmelkam (Gemeinde St. Pantaleon) mit dem „Weg der Braunkohle“. Zudem positioniert sich Seelentium als „Stille Nacht“-Region. 

Stille Nacht, heilige Nacht

Franz Xaver Gruber, der das berühmteste Weihnachtslied der Welt komponierte, stammt aus der Seelentium-Gemeinde Hochburg-Ach. Gemeinsam mit dem Texter Joseph Mohr stellte er „Stille Nacht, heilige Nacht“ im Jahr 1818 in Arnsdorf, das zur Seelentium-Gemeinde Lamprechtshausen gehört, fertig.
Trotz dieser zehnjährigen Erfolgsgeschichte blickt Seelentium-Sprecher Wolfgang Reindl mit Sorge in die Zukunft. Grund dafür sind die Pläne für das neue oberösterreichische Tourismusgesetz: Das Land will die Strukturen straffen, die Zahl der Tourismusverbände von derzeit 104 auf rund 20 senken. „Ein Großverband könnte nicht mehr auf die Bedürfnisse der kleinen Gemeinden eingehen, die Folge wäre eine deutliche Reduktion des lokalen Angebots – und genau das macht unseren sanften Tourismus so einzigartig und sichert unsere touristischen Arbeitsplätze“, sagt Reindl. Grundsätzlich stehe, so Reindl, Seelentium hinter der Entscheidung, die vielen kleinen Tourismusverbände zu bündeln. Jedoch mit Maß und Ziel: „Damit nicht die jahrelange intensive Aufbauarbeit zerstört wird.“

 

Autor: Josef Schmidt
 

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