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Laut Studie ist das Skigebiet Sölden besonders umweltbelastend. Im Bild: Blick auf Ice Q am Gaislachkogel

Zerstört der Skitourismus die Alpen?

15.03.2017

Eine aktuelle Studie kritisiert die massive Naturbelastung durch den Betrieb und Ausbau von Skigebieten. Doch stimmen die Ergebnisse überhaupt? Darüber ist ein Streit entflammt

Die Skigebiete der Alpen belasten in einer massiven Weise den alpinen Naturraum. Diese Erkenntnis liefert eine Studie des  bayerischen Landschaftsökologen Alfred Ringler, welche die Umweltschutzorganisationen WWF und der Alpenverein zum Anlass nahmen, einen Ausbaustopp bei hochalpinen Skigebieten zu fordern.

Jedes zweite Projekt in Österreich

1.000 Skigebiete wurde untersucht. Ringler bewertete die Skigebiete mittels Eingriffsindex, also unter anderem Flächenverbrauch, Rodungen, Planierungen, Erosionsflächen und Beschneiung. Besonders schlecht schnitten Skigebiete in Österreich und Frankreich ab. Das Tiroler Skigebiet Sölden hat sogar den schlechtesten Wert.

Wenn die alpinen Ökosysteme nicht über kurz oder lang zusammenbrechen sollen, brauche es Endausbaugrenzen für den Skitourismus, argumentiert der WWF. Derzeit seien alpenweit 164 neue Liftprojekte in hohen und sensiblen Lagen geplant. Die Hälfte davon in Österreich.

Der Alpenverein sieht darin ein Dilemma: Gerade kleinere Skigebiete in Talnähe, die meist nachhaltiger wirtschaften und einen geringeren ökologischen Fußabdruck haben, werden aufgrund des Konkurrenzdrucks und mangelnder Schneesicherheit häufiger aufgegeben, während die besonders landschaftsschädlichen Groß-Skigebiete in empfindlichen Alpenhochlagen stetig expandieren.

Hörl: Studie von Gegnern motiviert

Der Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer, Franz Hörl, reagierte in einer ersten Stellungnahme erbost. Er unterstellt dem Studienautor sogar eine „politische Motivation“ hinter den Ergebnissen.

Auch Jakob Falkner, Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, hat an der Studie seine Zweifel. Er mokiert, dass die zur Berechnung herangezogenen Hektarangaben seines Skigebietes nicht den tatsächlichen Werten entsprächen.

Studienautor verteidigt sich

Auf ÖGZ-Anfrage verteidigt sich Studienautor Alfred Ringler und stellt klar: „Grundlage meiner Erhebung waren alle vom Skitourismus beeinflussten Flächen, nicht nur die Ausmaße des tatsächlichen Skigebiets.“ Daher komme er im Fall Söldens auf rund 3000 Hektar. Ringler gesteht aber zu, dass jede Messmethodik bis zu einen gewissen Grad subjektiv sei und man man über gewisse Details seiner Erhebung diskutieren könne. Seine Kritiker lädt er zu einem Diskurs ein.        

 

Link zur Information des WWF mit vielen Details aus der Studie

 

Worum es geht: Das Ranking

Hier die Liste der heimischen Skigebiete nach Bundesländern, wie sie von WWF und Alpenverein veröffentlicht wurden. Je höher der Eingriffsindex (Zahl in Klammer) eines Skigebiets, desto größer ist seine Landschaftsbelastung. Die vorangestellte Zahl gibt den Platz im alpenweiten Ranking wieder. 

Tirol
1. Sölden (120)
3. Ischgl (105)
13. Obergurgl-Hochgurgl (95)

Salzburg
27. Leogang-Saalbach Hinterglemm (85)
43. Kaprun-Kitzsteinhorn (80)
44. Schmittenhöhe (80)

Kärnten
21. Innerfragant (88)
35. Kleinkirchheim/ St.Oswald (84)
93. Naßfeld (64)

Steiermark
12. Schladming-Skischaukel (95)
83. Galsterbergalm (66)
115. Spital am Semmering (63)

Vorarlberg
71. Hochkrumbach-Arlberg-Zürs (70)
178. Gaschurn-Gallenkirch (56)
179. Schruns/ Sennigrat (56)

Oberösterreich
74. Obertraun/ Krippenstein (69)
108. Grünau/ Almtal (63)
131. Hintertal/Gosau (60)

Niederösterreich
130. Unterberg (60)
162. St. Corona am Wechsel (57)
163. Mönichkircher Schwaig (57)

Autor/in:
Daniel Nutz
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