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Bereit für die Pride?

16.05.2019

Die EuroPride macht Wien im Juni zum Hotspot der lesbisch-schwulen Community (LGBT). Für Touristiker eine besonders attraktive Zielgruppe.

Wie heißt der Event, der die meisten Menschen seit der Euro 2008 nach Wien bringen wird? Nicht alle wissen darauf die Antwort. Fakt ist, dass Wien im Juni zur Europa-Hauptstadt der lesbischen, schwulen, bisexuellen und Transgender-Community (LGBT) wird. Die EuroPride steht an, mit zahlreichen Veranstaltungen, Diskussionen, Partys und der Botschaft der Gleichberechtigung über alle sexuellen Ausrichtungen hinweg. Höhepunkt der Events wird die große Parade am 15. Juni sein. Das Pride Village am Rathausplatz und ein Pride-Park im Sigmund-Freud-Park werden aber schon in den zwei Wochen davor die Treffpunkte der Community sein, heißt es von Wien Tourismus. 
Wien-Tourismus setzt sich mit der LGBT-Zielgruppe schon seit mehr 20 Jahren auseinander. Nachvollziehbarerweise. Laut diversen Erhebungen handelt es sich um eine besonders reiseaffine, kulturinteressierte und auch kaufkräftige Gruppe. Eine Million Besucher erwartet man im Juni bei den Veranstaltungen, die Hälfte davon sind Touristen. Die Statistik der letzten EuroPride in Stockholm zeigt, dass der durchschnittliche Besucher 700 Euro ausgab. Robert Seydel, der bei Wien-Tourismus die LGBT-Themen betreut: „Von der Gäste-Anzahl ist die EuroPride mit der Euro 2008 vergleichbar, wobei rein ökonomisch gesehen die Pride-Zielgruppe mehr Geld ausgibt.“ Dennoch, im Vergleich zur Fußball-EM vor elf Jahren geht die EuroPride beinahe unbemerkt an vielen Hotels, Bars und Restaurants vorbei. 

Zielgruppe finden

Manche Betriebe haben sich schlichtweg kaum mit der Zielgruppe auseinandergesetzt. Durchaus ein Versäumnis, so Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wiener Wirtschaftskammer (WKW). „Nicht jedes Wiener Hotel muss eine Regenbogenfahne aufhängen, um Akzeptanz zu symbolisieren, sondern Akzeptanz muss einfach gelebt werden. Und der Wirtschaftsfaktor ist definitiv nicht zu unterschätzen.“

Doch was kann man als Hotel machen, um die LGBT-Community gezielt anzusprechen? Man kann sein Haus als gay-friendly etc. positionieren. Eine hilfreiche Anlaufstelle hierfür ist die International Gay & Lesbian Travel Association (IGLTA) oder Servicesites wie beispielsweise www.gayinvienna.com, die „gay-friendly“-Hotels empfehlen. 

Gezielte Angebote

Die ÖGZ hat einige LGBT-freundliche Hotels durchgerufen (siehe dazu auch Umfrage Seite 16). Die Aktivitäten sind dabei sehr unterschiedlich: Das 25hours ist etwa sehr stark in die ganze Veranstaltung integriert. Es dient als Nächtigungshotel für die DJs und Künstler der EuroPride. „Darüber hinaus bieten wir unseren Gästen mit einem Buchungscode Rabatt an. Außerdem arbeiten wir mit dem Wiener Tourismusverband für Presse und Influencer zusammen. Das machen wir als Hotel aber ganzjährig und nicht nur zur EuroPride“, sagt Sales-Manager Roland Eggenhofer. 

Das Hotel Wild im achten Wiener Gemeindebezirk hat dagegen gar keine besonderen Angebote geschnürt. „Wir haben lediglich versucht, die Zimmer nur direkt an Interessenten zur EuroPride zu vermieten und nicht im Internet über Buchungsplattformen anzubieten“, sagt Geschäftsführer Peter Wild. Auch das funktioniert, wenn man in der Szene einen Namen hat. Das Haus ist seit vergangenem Herbst ausgebucht. 

Und was kann man als durchschnittliches Haus, ohne Erfahrung mit der Zielgruppe, für seine Gäste aus der LGBT-Community tun? Es empfiehlt sich, Folder über das LGBT-Programm von Wien (gibt es bei Wien-Tourismus) aufzulegen. Ansonsten kann man der Devise „Leben und leben lassen“ folgen. Zumindest während der EuroPride haben die Gäste wohl schon einen fixen Plan, was sie tun wollen. 

Autor/in:
Daniel Nutz
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