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Geplante Skipiste (rot) mit Mittelstation (blau) am Mittelbergferner Gletscher - laut WWF auf Grundlage der eingereichten Unterlagen.

Deutliche Mehrheit gegen Skigebietszusammenschluss. Ein Kommentar

07.01.2020

Umweltverbände laufen seit Monaten Sturm gegen die geplante Verbindung der Skigebiete am Ötztaler und Pitztaler Gletscher – und schrecken dabei auch nicht vor teilweise maßlosen Übertreibungen zurück. Seilbahner und Touristiker verweisen auf die Notwendigkeit im internationalen Konkurrenzkampf weiter in Skigebiete zu investieren. Und damit auch dem Pitztal einen dringend benötigten neuen touristischen Schub zu geben. Es könnte aber sein, dass sie in diesem Konflikt unterliegen werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Interessenslagen von Anwohnern, Wirtschaftstreibenden und Naturschützern scheinbar unversöhnbar aufeinanderprallen. Am Pitztaler/Ötztaler Gletscher scheint sich aber der Konflikt zuzuspitzen. Das mag auch an einer gestiegenen Sensibilisierung der Bevölkerung in Zeiten von Klimawandel und Overtourismus liegen. In einer von der Tiroler Tageszeitung in Auftrag gegebenen Umfrage unter 600 Tirolerinnen und Tirolern haben sich 70 Prozent gegen einen Ausbau des Skigebiets am Ötztaler/Pitztaler Gletscher ausgesprochen.

Deutliche Absage

Das ist deutlich. Und geht quer durch alle politischen Lager. Nur noch 13 Prozent sind für Skigebietszusammenschlüsse und andere wichtige touristische Infrastrukturmaßnahmen. Olympia haben die Tiroler ebenfalls abgelehnt. Obwohl sie sich in einer Umfrage des MCI Tourismus kürzlich mit noch größerer Deutlichkeit (98 Prozent) zur hohen wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus bekannt haben. Aber eben nicht mehr zu jedem Preis. Zwei Drittel sagten in dieser MCI-Umfrage, dass der Tourismus positiv zur Lebensqualität beitrage. Aber ein Drittel war eben auch der Ansicht, dass dies nicht (mehr) der Fall ist.

11.200 Seiten für Umweltverträglichkeitsprüfung

In die Projektplanung für die Verbindung der Skigebiete am Pitztaler/Ötztaler Gletscher sowie für die Vorbereitung der Umweltverträglichkeitsprüfung wurden bisher drei Millionen Euro investiert. Die Kosten der Gletscherehe werden derzeit mit 132 Mio. Euro beziffert. Drei Seilbahnen, ein Skitunnel, 64 Hektar Pisten (davon 58 Ha auf längst als Skipiste freigegebenen Flächen am Gletscher) und ein Speicherteich sollen die Verbindung der Skigebiete ermöglichen.

Seit Dezember liegt das Umweltverträglichkeitsgutachten vor, das die Stellungnahmen von 45 Sachverständigen zusammenfasst. Es wartet mit einem differenzierten Gesamtbild auf. Die Konsequenzen auf die Bereiche Boden, Wasser, Luft, Klima sowie Verkehr werden als geringfügig bis vertretbar eingestuft. Bei den Schutzgütern Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume sieht es anders aus: Hier beschreiben die Gutachter "wesentliche" Auswirkungen. Bei den Themen Landschaftsbild und Erholungswert werden sie sogar als „untragbar“ eingestuft.

Untragbare Auswirkungen auf Erholungswert

„Untragbare“ Auswirkungen auf den Erholungswert? Das ist für ein touristisches Projekt eine vernichtende Einschätzung. Am 22. Jänner kommt es zur mündlichen Verhandlung der Umweltverträglichkeitsprüfung. Die übrigens 11.200 Seiten umfasst mit 700 Plänen. Da fragt man sich auch, ob das noch nachhaltig ist.

Nichtsdestotrotz ist der Tourismus endgültig an einem Wendepunkt angekommen. Schneller, höher weiter wollen nur noch Shareholder der „Tourismusindustrie“, die Bevölkerung nicht. Zumindest die vor Ort. Obwohl die am meisten davon profitiert. Aber halt auch nicht alle. Und eben auch nicht mehr um jeden Preis. Diesen Zwiespalt aufzulösen ist die Aufgabe der Tourismusverantwortlichen in den nächsten Jahren.

Es muss auch kleiner gehen

Tourismus gegen die Bevölkerung geht gar nicht. Da bleiben dann auch die Touristen weg. Wie Tourismus anders geht und wie man mit ihm trotzdem noch Geld verdient, das ist die spannende Frage, auf die momentan noch niemand wirklich eine Antwort hat. Über die aber viel nachgedacht und diskutiert wird. Vielleicht kann man ja einige dieser neuen Ideen auch schon im Pitztal realisieren. Und sich von einigen hochfliegenden Plänen wieder verabschieden. Vielleicht muss man doch nicht eine Bergkuppe um 36 Meter verkleinern, um Platz zu schaffen für eine neue Mittelstation. Zum Beispiel.

 

Siehe auch: https://www.gast.at/gast/ueberraschung-verwaltungsgerichtshof-bremst-umstrittene-schmitten-erweiterung-191715

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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