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Nicht jeder (Stamm-)Gast hat das strenge vegetarische Konzept verstanden – aber nach einem Jahr hat es sich doch durchgesetzt.

Ein Hotel ohne Fisch und Fleisch

28.11.2018

Am Ufer des höchstgelegenen Badesees der Alpen kommt nur fleisch- und fischlose Küche auf den Tisch. Das macht den Weissenseerhof in Kärnten zum ersten vegetarischen Hotel Österreichs.

Die Verkaufsschlager sind der Burger und der Kaiserschmarren. Doch während der Schmarren traditionell zubereitet wird, kommt der Burger mit einem Veggie-Laibchen auf den Teller. Seit einem Jahr wird im „Weissenseer-
hof“ in Kärnten bewusst auf Fleisch und Fisch verzichtet. Das macht das Haus zum ersten vegetarischen Vier-Sterne-Hotel Österreichs. Grund dafür war die Übernahme des Tian-Gründers Christian Halper, der seit 2010 mit seiner vegetarischen Küche die Gastroszene Österreichs aufmischt. Heute ist der Mann fast so etwas eine Marke, mit Restaurants in Wien, München – und seit Oktober 2017 auch direkt am Ufer des Weissensees.

Durchwachsene Reaktionen

Die Umstellung eines Traditionsbetriebes von fleischlastiger auf fleisch- und fischlose Küche war allerdings keine leichte. Während die Mitarbeiter mit Schulungen an die neue Situation gewöhnt wurden, waren die Reaktionen der Gäste und Mitbewerber durchwachsen. „Viele halten die Umstellung auch heute noch für sehr gewagt. Wir sind aber überzeugt davon und wissen auch nach einem Jahr, dass es eine gute Entscheidung war“, sagt Stefanie Pfeifer, Geschäftsführerin des Weissenseerhofs. „Die größte Herausforderung waren definitiv die Gäste.“ Vor allem Stammgäste reagierten durchwachsen auf das neue Gastro-Konzept: „Teilweise hatten wir an der Rezeption heftige Reaktionen. Andere Gäste wiederum waren total begeistert, dass wir diesen Schritt in Richtung Zukunft setzen.“ Dieser beinhaltet heute auch mehr Flexibilität. „Früher gab es bei uns nur Zimmer mit Halbpension. Seit der Umstellung kann man auch Zimmer mit Frühstück buchen und an einzelnen Tagen als À-la-carte-Gast essen gehen.“

Dass sich das Label Tian nicht eins zu eins auf einen Hotelbetrieb übertragen lässt, spürte auch Küchenchef David Regenfelder bei der Ausarbeitung der Speisekarte im hoteleigenen Bio-Restaurant „Liebstöckl“. „Hier am Weissensee sind wir ein Hotel und müssen auf andere Dinge achten als ein reiner Restaurantbetrieb. Unsere Gäste essen teilweise jeden Tag in unserem Hotel, darum gibt es ein täglich wechselndes Menü. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, unsere eigenen Weissenseerhof-Gerichte zu kreieren.“

Viele neue Gäste

Ein Jahr nach der Umstellung hat sich auch die Gästestruktur verändert. „Wir haben sehr viele neue Gäste, die selbst Vegetarier, Veganer oder aber auch sogenannte Flexitarier sind. Auch ein großer Teil unserer Stammgäste schätzt die neue Ausrichtung der Küche und ist nach wie vor bei uns zu Gast“, so Stefanie Pfeifer. Früher kamen Urlauber vor allem aus Österreich und Deutschland, seit der Umstellung haben auch italienische Gäste das Hotel für sich entdeckt. Die Buchungslage hat sich allerdings verschoben: „Die Buchungen im Hotel haben ein wenig abgenommen, dafür haben wir mehr Buchungen in unseren Appartements. Ich denke, dass sich dieses Konzept beweisen wird und die Auslastung sich auf jeden Fall steigern wird. Teilweise sieht man dies schon an den Vorbuchungen für 2019.“ 

Das Farm-to-Table-Konzept und die haubengekrönte Naturküche wurden jedenfalls vom Gault Millau 2019 belohnt: Das Bio-Restaurant „Liebstöckl“ hat sich um einen Punkt verbessert.

Autor/in:
Jasmin Kreulitsch
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