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Glosse: Außer-Haus in zehn Jahren

23.09.2020

Das große Lokalsterben der Jahre 2020 bis 2022 hat dazu geführt, dass Betriebe von internationalen Investoren aufgekauft wurden.

Die haben von Insolvenz bedrohten Gasthäusern, Bars und Kaffeehäusern Angebote gemacht, die immer niedriger wurden. Im Sommer 2021 konnten viele Betriebe ihre gestundeten Schulden und Abgaben nicht mehr bedienen und standen vor der Alternative: schließen oder billig verkaufen.
Die Investoren haben ihre günstig erworbenen Lokale an Franchisegeber verkauft oder verpachtet. Und damit immer mehr Restaurantketten geschaffen, die ihre Kosten durch Convenienceprodukte (selbst produziert, oft im günstigeren Ausland in Mittel- und Südosteuropa), gemeinsam genutzte Ressourcen (Marketing, Personalverwaltung, Digitalisierung) und gedrückte Lohnkosten (Hire & Fire bei gleichzeitigem Entrepreneur-Branding mit sektenartigen Techniken) senken konnten.
Die verbliebenen unabhängigen Lokale setzen hochpreisig auf Nischenmärkte: vegan, vegetarisch, hochqualitatives Fleisch, Erlebnisgastronomie, gesundes Essen, alkoholfrei, alles selbstgemacht. Ihre Stärke: Hardcore-Stammkundschaft. Der Besuch bestimmter Lokale ist zu einem Must in zahlungskräftigen Kreisen geworden. Tischreservierungen sind nur Wochen im Voraus möglich.
Am Land gibt es praktisch nur noch die Pseudogastronomie. Manche Gemeinden subventionieren das letzte örtliche Gasthaus oder betreiben es gleich selbst. 
Homedelivery boomt. Die Leute haben keine Lust mehr, essen zu gehen. Entweder können sie es sich nicht leisten oder sie mögen die uniformen Kettenlokale nicht. Wenn überhaupt, gehen sie in Supermärkten oder Einkaufszentren essen, weil dort die Gastronomie als Frequenzbringer subventioniert wird. 
 

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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