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Großraumdiskotheken leiden unter den derzeitigen Sperrstunden-Bestimmungen.

Nachtgastronomie kämpft für Öffnung

04.06.2020

Die Lokale der Nachtgastronomie haben sich als Verein zusammengetan. Ihr Ziel: Die Abschaffung der Corona-Sperrstunde. Argumente dafür werden demnächst Gesundheitsminister Rudi Anschober präsentiert. 

Die Nachtgastronomen wolle ein Ende der Sperrstunde. Am 15. Juni gibt ein Gespräch mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). "Ziel ist es, dass dann die Sperrstunde wieder fällt", sagt der Sprecher der Nachtgastronomen, Stefan Ratzenberger, im Gespräch mit der APA. Nach aktuellem Stand soll die "Corona-Sperrstunde" Mitte Juni von 23:00 auf 01:00 Uhr verschoben werden.

Die Nachtgastronomen sind ein neu gegründeter eigener Verein (Vereinigung der österreichischen Nachtgastronomen, VÖNG). Anschober soll Maßnahmenkatalog präsentiert werden. Dieser soll "aufgedröselt werden nach verschiedenen Lokalgrößen".

Konzept noch diese Woche

Das Argument: Man könne eine 30-Gäste-Bar nicht mit einer Großraumdisko vergleichen. "Der kleinste gemeinsame Nenner aller Lokaltypen ist, dass die Sperrstunde fallen muss. Denn diese verbietet es, Geld zu verdienen“, sagt Ratzenberger.  Nur ohne einer "Corona-Sperrstunde" könne wieder kostendeckend gearbeitet werden. Dann könnten Gastronomen viel eher entscheiden, ob es für sie Sinn mache, wieder aufzusperren.

Das Gesundheitsministerium erwartet das Konzept "voraussichtlich noch diese Woche". "Anschließend wird es von den Gesundheitsexperten geprüft", teilte das Ministerium auf APA-Anfrage mit. "Wir sind in gutem Dialog mit den Vertreten der Nachtgastronomie und gehen davon aus, dass auch am 15. Juni das Gespräch sehr konstruktiv sein wird", hieß es von einer Anschober-Sprecherin.

Einzelne geplanten Maßnahmen im Konzept der Nachtgastronomen umfassen laut Ratzenberger etwa Abstände zwischen Gästegruppen, die Installierung eines Coronabeauftragten in jedem Lokal und das tägliche Fiebermessen bei den Mitarbeitern. Es müsse auch geschaut werden, dass man vom "Pflichtsitzen" wegkomme, so Ratzenberger, der auch auf die Eigenverantwortung von Gästen verweist.

"Es schmerzt schön langsam richtig", bedauert etwa Martin Ridler, der in Innsbruck den "Tante Emma"-Club mitbetreibt, den aktuellen Zustand gegenüber der APA. "Man gewinnt den Eindruck einer Willkür ausgesetzt zu sein." Er will endlich wieder aufsperren und ist dazu gerne bereit, coronabedingte Maßnahmen umzusetzen. Tanzlokale in der Nachtgastronomie werden wohl sicher die letzten sein werden, die aufsperren dürfen.

Kritik an Wirtschaftskammer

 Die Gründung der eigenen Vertretung hat auch mit einer Enttäuschung von der  Wirtschaftskammer (WKÖ) zu tun. "Die Wirtschaftskammer hat uns bisher sehr stiefmütterlich behandelt", kritisiert Ratzenberger. "Für die Nachtgastronomie hat sie nicht verhandelt." Daher habe man nun nach deutschem Vorbild die Vereinigung der Nachtgastronomen gegründet um eine freiwillige Interessensvertretung zu haben. "Das sitzen wichtige, unterschiedliche Repräsentanten drin: von den Größten wie etwa der Bollwerk-Gruppe, Praterdome oder Empire hin zu kleinen Clubs." Nächste Woche sollte der Verein eingetragen sein, hieß es.

Österreichweit gibt es 2.900 Bars, Tanzlokale und Diskotheken. Alleine in Wien sorgt die Nachtgastronomie laut Branchenangaben für 24.000 Jobs und einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro pro Jahr.

Autor/in:
APA – Austria Presse Agentur / Redaktion
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