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Das Feriendorf „Zum Störrischen Esel“ wurde vom Dornbirner Alpenverein gegründet. Heute gehört es Rhomberg Reisen.

Nicht perfekt, aber lustig

29.05.2019

Aktivurlaub im „Störrischen Esel“ auf Korsika - oder so funktionierte Tourismus früher: Wie der Dornbirner Alpenverein ein ungewöhnliches Feriendorf auf die Beine stellte.

 

Co-Gründer Kurt Müller ist auch mit seinen 83 Jahren noch oft im „Esel“ anzutreffen.

Die Geschichte lässt sich gar so schön erzählen. 1959 war es, vor genau 60 Jahren, als ein paar Busse des Vorarlberger Alpenvereins gen Süden aufbrachen. Ziel war die perfekte Sichelbucht von Calvi im Nordwesten Korsikas. Die hatte Wilhelm „Willi“ von Doderer (richtig, aus der Schriftstellerfamilie) im Jahr davor entdeckt, spontan drei Hektar gepachtet und flugs im Dornbirner Bezirksblatt inseriert: „Turnusreisen an den schönsten Sandstrand Korsikas mitten im Pinienwald“. Dutzende folgten ihm, eingepfercht in Busse voller Zelte, Matratzen und Lebensmittel. Quartiere gab es keine.
Wie die überladenen Busse nach Korsika kamen, an überraschten Zöllnern vorbei, auf eine Fähre, auf die sie mit Kränen gehoben werden mussten, das ist eine andere Geschichte. Mit an Bord war der Dornbirner Grundschullehrer Kurt Müller, heute 83, damals ein Kollege Doderers. Die beiden gründeten das Feriendorf „Zum störrischen Esel“, bei den Korsen bekannt als Club Alpin Autrichien. Doderer ist längst verstorben, Müller noch immer geachteter Patron des „Esels“. Er und Doderer ergänzten sich gut, erzählt Müller, auch wenn „meine Nerven manchmal blank lagen“. Doderer, der Abenteurer, Bergsteiger, Tausendsassa mit dem Kopf voller Ideen; Müller, der zahlenaffine, besonnene Praktiker. Es müssen die Fetzen geflogen sein.

Wehleidig durfte man nicht sein. „Wenn es regnete“, erinnert sich Müller, „wurde man halt nass. Hauptsache, man war am Meer.“ Käfer im Zimmer „waren ja nicht so schlimm“, und „Kaltduschen ist gesund.“ Streikten die korsischen Köchinnen, kochten eben die Vorarlbergerinnen. Der „Störrische Esel“ aber gedieh. Aus den Zelten wurden Baracken, aus den Baracken feste Bungalows.

Zeitsprung

60 Jahre später sind die Bungalows dicht und das Duschwasser heiß. Das Konzept heißt „qualifizierte Einfachheit“. Soll heißen: „Zelt ist okay, aber Loch darf es keines haben.“ Die 147 Bungalows und Wohnzelte sind klein, schlicht und blitzsauber. Fernsehen und WLAN gibt es nur in der „Spelunka“, einem gemütlichen Schutzhaus, in dem Kastanienbier (Pietra) und Myrtenschnaps serviert werden. Die Gäste, mehrheitlich Österreicher, grundsätzlich deutschsprachig, kommen ohnehin nicht wegen der Zimmer. Sie wollen draußen im Garten sein und sich mit anderen unterhalten. Man kommt leicht ins Reden.

Kochen müssen sie auch nicht mehr selbst. Gerade hier lässt man sich nicht lumpen, Stichwort qualifiziert. Franz Hintermaier, der im „Albona Nova“ in Zürs zwei Hauben erkochte, zaubert überschaubare, aber köstliche Frühstücks- und Abendbuffets und zu Mittag einfache Sattmacher. Das nennt sich erweiterte Halbpension, weil die Gäste zu Mittag ohnehin unterwegs sind, am Strand oder in den Bergen.

Was uns zu einer weiteren Besonderheit des „Esels“ führt: den Bergtouren. Korsikas Berge sind gefährlich. Von 500 bis 2.700 Meter hoch, sind die Wanderwege selbst im einfachen Schwierigkeitsgrad kaum zu erkennen. Die Österreicher bemühen sich nach Kräften, sie in Alpenvereinstradition in Schuss zu halten, aber die Macchia, das mediterrane Hartlaubgebüsch, wuchert sie rasch wieder zu. Ohne Guide geht es nicht. 

Als solcher begann auch Wolfgang Auer im „Esel“. Heute ist er als einer der vier Geschäftsführer für Personal und Projekte verantwortlich, fliegt aber, wenn Not am Mann ist, mit dem Direktcharter aus Wien ein und übernimmt ein paar Führungen. Auch auf dem GR20, dem legendären Fernwanderweg Fra li Monti (korsisch für: durch die Berge). Der startet nur einen Katzensprung von Calvi entfernt in Calenzana.

Auers Geschick im Umgang mit Menschen bescherte ihm so manchen Glücksgriff. Vor Jahren freundete er sich im „Esel“ mit den noch unbekannten Mentalmagiern Thommy Ten und Amélie van Tass an. Heute sind die beiden Weltstars, treten aber aus alter Verbundenheit diesen Sommer im „Esel“ auf – gegen Kost und Logis. Glücksfall für die Eigentümer: Die Dornbirner Rhomberg Reisen übernahmen vor Jahren das Feriendorf und seine Vermarktung.

Bleibt noch eine Frage: Warum heißt der „Störrische Esel“ so? In jenen verklärten Anfangsjahren retteten ein paar Alpenvereinler einen jungen Esel vor dem Schlachthof und brachten ihn kurzerhand im VW-Bus zum Lager. Dort war er Liebling aller Kinder, doch nachts plagte ihn lautstarkes Heimweh. Nach ein paar durchwachten Nächten musste man ihn zurückbringen. Was aus ihm wurde, wollen wir lieber nicht wissen. Der Name aber blieb.

Text: Mara Leicht

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