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Bernd Salat: „Am glücklichsten  bin ich, wenn mein  Espresso dickflüssig  aus der Maschine tropft.“

Porträt: Kaffee ist Poesie

04.02.2021

Neue ÖGZ-Serie "Local Heroes": Bernd Salat liebt guten Kaffee. Deshalb hat der 30-jährige Waldviertler seine Garage in eine wohlriechende Rösterei verwandelt und produziert seinen Salatkaffee in traditioneller Handarbeit.

Schonende Handarbeit

Bernd Salat legt bei seinen Partnern in Brasilien, Kolumbien, Guatemala, Honduras und Indien großen Wert auf nachhaltigen Anbau. Den Kaffee, den er am Ortsrand von St. Bernhard (bei Horn im Waldviertel) in Handarbeit produziert, verkauft er als „Intro _F(e)ather.s Roast_“ und „Roots _Manduka.s Roast_“ in Packungen zu 250 Gramm, 500 Gramm oder 1.000 Gramm; Kaffeeersatz aus gerösteten Lupinen (aus Anbau in der Nachbarschaft) gibt es im Halbkilo- oder Kilo-Sack. Infos und Bestellung: www.salatkaffee.at 

Wie sind Sie auf Idee gekommen, im Waldviertel Kaffee zu rösten? 
Mir hat am Anfang kein Kaffee so richtig geschmeckt. Also habe ich mit 20 Jahren begonnen, ihn selbst zu rösten. Zuerst im Garten, später in der Garage. Als Kellner in einem Lokal in der Wiener Innenstadt durfte ich dort meinen eigenen Kaffee anbieten; die Modeschöpferin Lena Hoschek war meine erste private Kundin. Seit fünf Jahren bin ich nur noch Kaffeeröster.

Was fasziniert Sie selbst an Ihrer Arbeit und an Ihrem Produkt? 
Kaffee ist Poesie. Der Geruch führt mich zurück in meine Kindheit, zu meinen Großeltern, die mich auf die Arbeitsfläche der Küche setzten und mir erlaubten, ihnen beim Kaffeemachen zu helfen. An meinem Salatkaffee selbst gefällt mir, dass er durch die spezielle Röstkurve, also die Röstdauer und Temperatur, so reizstoffarm und damit gut verträglich ist. Ich trinke ihn am liebsten schwarz, ohne Zucker. Am glücklichsten bin ich, wenn mein Espresso dickflüssig aus der Maschine tropft.

Wie und wo produzieren Sie?
Im Untergeschoß meines Hauses habe ich auf 120 Quadratmeter Rösterei, Büro und Lager untergebracht. Ich arbeite mit einem handgefertigten Trommelröster mit sechs Kilo Fassungsvermögen und röste jede Woche nur die Menge, die ich verkaufen kann. 

Worauf kommt es an, um als kleiner, unabhängiger Betrieb vom Konsumenten wahrgenommen zu werden?
Meine Kunden können sich in meiner kleinen Manufaktur selbst ein Bild von meiner Arbeit machen. Letztendlich geht es darum, sich gegenseitig Freude zu schenken. Und es geht um einen noblen Umgang auf Augenhöhe.

An welchen Kundenkreis richten Sie sich?
An jeden, der gerne guten Kaffee trinkt. Salatkaffee gibt es nur in wenigen Lokalen. Ich gehe auf niemanden aktiv zu. Ich bin Kaffeeröster, kein Verkäufer, kein Keiler. Meine Kunden kommen durch Mundpropaganda zu mir. Und das soll auch so bleiben.

Woher beziehen Sie Ihre Rohwaren?
Bei den geringen Mengen, die ich verarbeite, wären die Transportkosten für den Eigenimport zu hoch. Aber ich habe mich an eine kleine Einkaufsgemeinschaft in Hamburg angehängt, die ihre Bohnen in sensationeller Qualität direkt bei Bauern bestellen.

Welchen Wert spielen Bio-Qualität und Fairtrade in Ihrer Produktions-Philosophie?
Einen Teil meiner Ware beziehe ich in ausgewiesener Bio-Qualität. Aber ich lege nicht den allergrößten Wert auf irgendwelche Logos und bin selbst auch nicht biozertifiziert. Ich bin ein Freund kleiner Strukturen und verlasse mich bei Partnern auf mein Bauchgefühl.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie, und wie groß ist die Produktionsmenge? 
Ich bin eine One-Man-Show und kümmere mich neben der Produktion selbst um den Vertrieb, die Grafik, den Kundenkontakt. Ich verarbeite im Jahr etwa acht bis zehn Tonnen Arabica-Bohnen, und noch schaffe ich das alleine. Wichtig ist, dass mir die Arbeit Freude macht und mir der Kaffee 
schmeckt.

Text: Hannes Kropik

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