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Wein ist Natur & Kultur

20.12.2011

Der Südtiroler Bio-Wein-Pionier Rainer Loacker hat sich mit seiner Frau Silvia Tamberi in der Weststeiermark niedergelassen und hier sein viertes Weingut gegründet, zu dem eine kleine Hostaria gehört.

Für einen derart energiegeladenen Menschen, der gerade sein viertes Weingut gegründet hat und gerade dabei ist, erneut eine Existenz für seine junge Familie aufzubauen, wirkt Rainer Loacker erstaunlich entspannt. Kein einziges Mal blickt er während des zweistündigen Interviews auf die Uhr. Hat er überhaupt eine? Loacker macht fast alles anders als andere.

ÖGZ: Herr Loacker, wieso sind Sie von der Toskana in die Steiermark gegangen, um an einer wenig bekannten Lage so unspektakuläre Weine wie Welschriesling oder Schilcher zu keltern?

Rainer Loacker: Das Wie ist immer wichtiger als das Was. Die Rebsorte hat immer etwas mit dem Ort zu tun, an dem man sich befindet. Welschriesling passt sehr gut hierher, der blaue Wildbacher hingegen weniger. Mit dem typischen säurebetonten Schilcher kann ich wenig anfangen, und außerhalb der Steiermark ist dieser Wein ja praktisch unverkäuflich. Ich werde meine neuen Weine fast ausschließlich außerhalb der Steiermark verkaufen müssen, also werde ich den Blauen Wildbacher wahrscheinlich roden.

Wieso sind Sie an diesem weitgehend unbekannten Ort in der Steiermark gelandet?
Loacker: Es war ein lang gehegter Traum von mir, nach Österreich zu gehen, wenn alles so weit geregelt ist, dass meine Söhne die Betriebe in Italien weiterführen können. Die Wachau hätte mich genauso gereizt wie Wien oder Kärnten. Dass es die Weststeiermark geworden ist, war purer Zufall. Die Südsteiermark wäre auch schön gewesen, aber dort war es viel zu teuer. Aber man braucht keine prestigeträchtigen Lagen, um gute Weine zu machen.

 

Sie finden, dass die Lage überschätzt ist? Wieso sind Sie dann nach Montalcino gegangen?

Loacker: Unsere Lagen in Montalcino sind toll, und natürlich braucht man gute Lagen, um große Weine zu machen. Aber ich hatte nie den Ehrgeiz, nach Österreich zu kommen, um den am höchsten bewerteten Weine zu machen. Aber natürlich will ich auch hier etwas erreichen. Die Arbeit muss ja auch einen Sinn machen. Ich will zeigen, dass man mit biodynamischen Weinbau und pilzresistenten Sorten in Österreich tolle Weine machen kann.

 

Wenn Lagen und Sorten nicht wichtig sind, worauf kommt es dann an?

Loacker: Das Wichtigste ist immer ein gesunder Boden, den ich gerne mit dem Darm beim Menschen vergleiche. Ist der Boden gesund, geht es den Pflanzen gut. Ich behandle die Weinreben mit homöopathischen Mitteln, um ihnen die notwendigen Informationen für einen guten Vegetationsverlauf mitzugeben. Schlussendlich muss man auch im Weinbau ein kosmisches Gleichgewicht zu finden. Da geht es ums harmonische Miteinander von Stein, Pflanzen, Tier und Mensch und den notwendigen Respekt des Menschen vor der Schöpfung.

 

Das klingt jetzt sehr philosophisch. Schmeckt man den Unterschied auch in den Weinen?

Loacker: Ob man das immer schmeckt, weiß ich nicht, aber spüren tut man das natürlich schon. Ich verkoste alle Weine, die mich interessieren, trinken tue ich nur wenige. Man trinkt ja immer das, was im Boden des Weingartens ist, und das sind halt oft Herbizide, Pestizide und Botrytizide. Viele der heutigen Weine sind eigentlich wertlos, wenn nicht gar schädlich, und haben nichts mehr mit dem jahrtausendealten Kulturgut Wein zu tun.

 

Welchen Markt sehen Sie für Ihr neues Weingut in der Steiermark?

Loacker: Sicher nicht die Steiermark, denn kein Steirer hat gewartet, dass ein Südtiroler kommt, um ihm zu zeigen, wie man gute Wein macht. Leute, die unsere anderen Weine aus Italien schätzen, wollen vielleicht auch meine steirischen Weine trinken. Primär streben wir Kunden aus dem restlichen Österreich an, die sich für meine Art des Weinmachens interessieren. Deshalb haben wir auch eine kleine Hostaria, wo Gäste gegen Voranmeldung Vollwertkost genießen und unsere Weine kosten können. Meine italienischen Weine werden von Döllerer vertrieben,um die steirischen Weine kümmere ich mich selbst.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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