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Verfechter von Bio UND Regionalem: Georg Berger.

Kontroverse: Regionalität allein genügt nicht!

08.11.2017

Der Obmann der „Ramsauer Bioniere“, einer Gruppe von regionalen Bauern, Hoteliers und Händlern, kritisiert Regionalität als leere Worthülse, die nichts über die Qualität und die Erzeugung der Produkte aussage

Bio-Brettljause aus dem Hause Berger
Georg und Claudia Berger setzen auf artgerechte Tierhaltung und Bioprodukte.
Georg Berger

ist Biobauer, ­Zimmervermieter und zertifizierter Bio-Gastronom am Frienerhof. „Wir wollen so nachhaltig wirtschaften, dass wir das kleine Paradies Ramsau, in dem wir leben, so an unsere Kinder weitergeben können“, sagt er. Bereits vor 17 Jahren war er Mitbegründer der „Ramsauer ­Bioniere“, zu denen Bauern, ­Hoteliers und regionale Händler gehören. Jeder Betrieb muss sich zu 100 % biozertifizieren lassen. ­Berger ist ihr Obmann. Im Frühjahr 2017 hat man sich mit den österreichweit organisierten „Die BiowirtInnen“ zusammengeschlossen.

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter hat im Gespräch mit der ÖGZ im Zusammenhang mit dem Netzwerk Kulinarik gesagt: „Regionalität ist das neue Bio.“ Und damit gemeint, Bio sei Gästen und Konsumenten nicht mehr so wichtig, die Herkunft aus der Region sei entscheidender. Weil damit die Produktivität in der Region bleibt, weil die Transportwege kurz sind und weil die Gäste etwas Authentisches auf den Teller oder ins Glas bekommen. Das sei eine Chance für den österreichischen Tourismus, man könne sich als authentische Genussregion positionieren. 

Schlag ins Gesicht

Das empfand der Obmann der Ramsauer Bioniere Georg Berger als Provokation aller biozertifizierten Betriebe im Tourismus. Er schrieb einen Brief an den Minister und meldete sich bei der ÖGZ, um zu begründen, warum Regionalität keinesfalls Bio ersetzen könne. 

„Regionalität sagt nichts darüber aus, wie etwas produziert wurde“, argumentiert der Obmann. „Was soll regionale Küche sein? Wo fängt Regionalität an, wo hört sie auf? Nur weil etwas aus dem gleichen Tal kommt, muss es ja nicht gut sein. Das Schnitzel kann trotzdem aus einem konventionellen Schweinemastbetrieb kommen, der alles einsetzt, was gesetzlich erlaubt ist, 10.000 Stück Vieh und genmanipuliertes Futter aus Südamerika. Das ist dann immer noch ein regionales Produkt. Regionalität sagt nichts aus über die Verarbeitung, die Haltung, die Fütterung und die Inhaltsstoffe.“
Und er setzt noch eins drauf: „Das Thema Regionalität wird auch gezielt propagiert. Regionalität ist die Retourkutsche der konventionellen Erzeuger. Die haben gesehen: Bio fängt voll zum Laufen an, dem müssen wir etwas entgegensetzen. Und haben vor ein paar Jahren die Regionalität erfunden. Da wird viel Geld ins Marketing gesteckt. Und jetzt auch noch von der Politik aufgegriffen. Das ist ein Schlag ins Gesicht aller zertifizierten Bio-Betriebe, nicht nur im Tourismus.“

Regional UND Bio

Georg Berger hat nichts gegen regionale Produkte. Auch er möchte Transportwege kurz und die Produktivität in der Region halten. Aber nur Bio sage etwas über die Qualität des Produkts aus. Bio hat die strengsten unabhängigen Kontrollen. Auch er sieht im Thema Regionalität eine Chance für die österreichische Gastronomie und den Tourismus. Nur möchte er das mit Bio verbinden: „Regional, saisonal UND bio, das brauchen wir!“ 

Mehr als ein Trend

Bio sei eben mehr als ein Trend, auf den man aufspringt, wo man viel Geld investiert und der dann bald wieder verpufft. Bio sei die Entscheidung, wirklich Verantwortung zu übernehmen. So denken auch viele Gäste. „Wem zu Hause Bio wichtig ist, der möchte auch im Urlaub keine Abstriche machen.“ Berger hält das Thema Bio noch längst nicht für ausgereizt. „Das Interesse an Bio ist stärker denn je, besonders beim jüngeren Publikum, das sehen wir jeden Tag.“ Er kenne auch keinen Biobetrieb im Tourismus, der sich erst aus Überzeugung für Bio entschieden und sich dann wieder von der Zertifizierung verabschiedet habe. Im Gegenteil: Wer sich einmal für Bio entschieden hat, möchte das immer konsequenter betreiben. Ohne dass das zur Religion werden müsse. Aber man möchte eben etwas bewegen und verändern. 

Bio rechne sich auch betriebswirtschaftlich und sei eine gute Möglichkeit zur Positionierung. „Der Gast ist bereit, für Bio etwas mehr zu bezahlen. Aber man kann ihm nichts mehr vormachen. Die Gäste kennen sich heute aus. Bio muss man leben, sonst funktioniert es nicht.“ Anders als vor 20 Jahren, als er mit Bio begonnen habe, gebe es heute alles in bester Bio-Qualität, man müsse wegen der Qualität nicht mehr auf konventionelle Produkte ausweichen. Auch Wild und wild gesammelte Pflanzen dürfe man als zertifizierter Bio-Betrieb anbieten. „Bio ist eine Riesenchance für die Landwirtschaft und den Tourismus. Gerade bei uns in Österreich.“ 2030 sollten wir bei 50 % Bio in der Landwirtschaft stehen, sagt der Obmann der Ramsauer Bioniere. „Unsere Händler sagen uns, dass sie die größten Zuwachsraten im Biobereich haben.“ Bio sollte zu einer Selbstverständlichkeit werden. Und die Gastronomie sollte sich endlich auf eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung einlassen. 

„Es geht nicht nur ums Geschäft, es geht um die Nachhaltigkeit, um die nächsten Generationen, dass wir etwas verändern.“ Und um Glaubwürdigkeit und Transparenz. „Der Bio-Bauer wird kontrolliert, der Bio-Händler auch, nur der Gastronom nicht, der ein Bio-Schnitzel auf der Karte stehen hat. Da besteht eine Gesetzeslücke. Niemand kontrolliert, ob die Bioecke im Hotel wirklich bio ist.“ Man müsse ja nicht gleich hundert Prozent auf Bio umstellen. Es gebe durchaus die Möglichkeit einer Teilzertifizierung. Dann werde die Bioecke und das Bio-Schnitzel kontrolliert, und das könne man transparent an die Gäste kommunizieren. Alles andere sei nicht wirklich glaubwürdig.

Autor/in:
Thomas Askan Vierich
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