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Mein Wirtshaus: Der Generationen-Wirt

31.10.2019

Der Peschta in Wien-Hütteldorf vereint viele gute Eigenschaften eines echten Wiener Wirtshauses in sich. Hier ist seit den 1920ern jeder willkommen. Sogar Austrianer. Teil 2 der ÖGZ-Serie

Mein Wirtshaus

Name: Gasthaus Peschta
Inhaber: Thomas Peschta
seit: 2011
Mitarbeiter: 10
Küchenschwerpunkt: Klassische Wirtshausküche, teilweise modern interpretiert
Sitzplätze: 80, im Schanigarten ca. 48, 
Hüttel-Beach bzw. Hüttel-Punsch ca. 40
USPs: schneller, freundlicherService; authentische Wirtshausküche; uriges Ambiente
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 23 Uhr, durchgehend warme Küche
Adresse: Bahnhofstraße 28, 1140 Wien
Website: www.stadtwirt-berndorf.at

Müsste man das Gasthaus Peschta mit einem Wort beschreiben, wäre es dieses: entspannt. Junge würden es auch als cool bezeichnen. Aber Modewörter sind hier ohnedies unpassend. 
Es fängt damit an, dass das Gasthaus in jenem Teil der Hauptstadt zu finden ist, wo nicht so sehr gefeiert, sondern eher gewohnt wird. Gleich gegenüber vom Bahnhof Hütteldorf, im Westen Wiens gelegen, mit Blick auf einen Teil des Wienerwalds im jenseits des Wienflusses gelegenen Hietzing, und einen Steinwurf vom Stadion des SK Rapid entfernt, befindet sich also der Peschta. Im Gastraum scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Holzboden knarzt, sobald man ihn durch den Windfang betritt, Tische, Sessel und die holzvertäfelten Wände haben Geschichte, Seele, es ist ganz einfach magisch. Ja, das Mobiliar hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber wenn es wo hinpasst, dann hierher. Und hoffentlich bleibt das auch so.
Bereits seit Mitte der 1920er-Jahre gibt es das Gasthaus, gegründet von Thomas Peschtas Urgroßmutter, weitergeführt von seinen Großeltern Johann und Maria Peschta. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das alte Gasthaus von einer Fliegerbombe zerstört, die eigentlich – so erzählt man es – den Bahnhof Hütteldorf hätte treffen sollen. 2011 übernahm Thomas die Wirtschaft von seinen Eltern, und er ist beim Familienkonzept geblieben. Hier treffen sich hauptsächlich Hütteldorfer, junge ebenso wie ältere. Familien kommen gerne. Und es gibt einen starken Bezug zum Fußball. Grün-weiß ist hier dominant, kein Wunder bei der Nähe zum Stadion der Rapidler. Aber auch Violette fühlen sich hier wohl und sind willkommen. Aber vielleicht nicht unbedingt an Spieltagen.
Auf der Speisekarte finden sich Klassiker der Wirtshausküche ebenso wie „moderne“ Gerichte. Auf die Frage nach den USPs seines Gasthauses verweist der Wirt auf die regelmäßigen Gästebefragungen, die er durchführt: Der schnelle und freundliche Service, die gute Wiener Küche und das urige Ambiente gehören zu den am häufigsten genannten Punkten. Daran ändern auch die Öffnungszeiten nichts, denn geöffnet ist der Peschta nur von Montag bis Freitag. Wenn Rapid ein Heimspiel hat, dann öffnet auch „Hüttel-Beach“ (in der warmen Jahreszeit) sowie „Hüttel-Punsch“. Dabei handelt es sich um einen erweiterten Schanigarten, der eine Sonderstellung genießt und seine, Thomas Peschtas, Idee war. 

Ein Reiskorn im Hinterkopf

Die Übernahme des Lokals vom Vater stand bei ihm zunächst nicht im Vordergrund. Seine Schwester konnte es sich nicht vorstellen und wollte Pädagogin bleiben. „Das war wie ein Reiskorn im Hinterkopf – ob es aufgehen würde, habe ich damals noch nicht gewusst“, sagt Peschta heute. Der studierte Betriebswirt wollte sich in der Unternehmensberatung selbstständig machen – was er nebenberuflich auch heute noch macht. Nach zwei Unfällen seines Vaters half er zunächst während seines Studiums im Betrieb aus. Und da habe es plötzlich begonnen, „Spaß“ zu machen. Als der Papa seinen Pensionswunsch äußerte und die Nachfolge noch in den Sternen stand, kamen Gäste auf ihn zu. Alle wollten, dass er den Betrieb weiterführt. Das Reiskorn ging auf.
Die Idee mit der Punschhütte kam im Jahr 2009, als er noch studierte. Damals gab es in einem Teil des Schanigartens im Dezember einen Christbaumverkauf – „warum nicht auch Punsch dazu verkaufen?“, fragte er sich und setzte die Idee in die Tat um. Aus dem Pop-up-Projekt wurde eine Dauereinrichtung: im Winter die Punschhütte, im Sommer „Hüttel-Beach“, eine Outdoor-Location – auch für Jüngere – mit Urlaubsflair, Sand und Cocktails, die mittlerweile von allen geschätzt wird. „Das hat von Beginn an gut funktioniert und ist nicht mehr wegzudenken“, sagt Peschta. Durch die Akzeptanz der Jugend hat sich ein weiterer Effekt eingestellt: „Die Jüngeren nehmen ihre Eltern mit.“
An Matchtagen wird aus dem Schanigarten ein „Schnelldreher“: Dosenbier, Hotdogs, Burger, Schnitzelsemmeln, Snacks. Es muss schnell gehen, denn die Verweildauer pro Gast liegt dann bei maximal 20 Minuten. Sobald eine U-Bahn im gegenüberliegenden Bahnhof einfährt, kommen auf einmal dutzende Gäste. Und die wollen nicht warten, so Peschta. Da würde man mit Fassbier nicht nachkommen. Der Matchbetrieb ist übrigens gut fürs Geschäft und macht etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus. 
Am Konzept des Gasthauses hat Peschta nicht viel geändert, „nur da und dort an einem Rädchen gedreht“. Die Wiener Küche bildet einen Schwerpunkt, gelegentlich mit einem „modernen Touch“ und einer Auswahl passender Weine und Biere. Eins der kulinarischen Highlights ist die „Abendspezialität“: Ab 17 Uhr gibt es eine Woche lang jeweils eine Speise, die moderner ist. Wrap, Wild-Burger oder Steakofen-Erdäpfel mit Eierschwammerl beispielsweise. Das sorgt für Abwechslung. Den Einkauf erledigen die Peschtas mittels Zustellung durch den nahegelegenen C&C Berger & Wedl, das Fleisch liefert Wiesbauer, Getränkepartner sind neben der Brau Union auch Weingut Ziniel und Winzer Krems. Erwähnenswert ist, dass es beim Peschta Selbstgemachtes zum Mitnehmen gibt: Marmelade, Essig, Senf, Eierlikör, Grammelschmalz. Und die Kooperation mit dem nahegelegenen Gasthaus Prilisauer, die ist clever. Gemeinsam hat man ein eigenes Bierlabel gegründet: Hütteldorfer Bräu wird in Gablitz gebraut und ist im Sommer ein Zwickl-Pils, im Winter ein bernsteinfarbenes Lager, das es vom Fass und in der Flasche gibt. Einser-Bier ist aber seit (gefühlt) 100 Jahren Gösser. Und das soll auch so bleiben.

Autor/in:
Alexander Grübling
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