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Schankwein: Die süffige Wahl

15.02.2017

Der offene Ausschank ist quer durch die Gastronomie-Kategorien ein Umsatzbringer. Was das ideale Schank-Achtel ausmacht, untersuchte die erste Sitzung des ÖGZ-Test-Quartetts

Das Koster-Quartett

Wie kommen die umseitig stehenden Bewertungen zustande? Die ÖGZ lud Österreichs Erzeuger und Importeure ein, kostenpflichtig ihre Muster einzureichen.
Dieser Querschnitt durch den Markt wurde in aufsteigender Reihenfolge nach Alkohol und nach Gruppen aufgeteilt (z. B.: „Weißwein“ oder „rauchige Whiskies“) verkostet, um die Besten der Kategorie zu ermitteln.
Gemeinsam mit ÖGZ-Autor Roland Graf verkosteten für diese Ausgabe im Weinclub „W 7“ Hausherrin Brigitte Achs sowie die Sommeliers Georg Schweiger und Robert Stark.
Für die Whisky-Probe verstärkten Spirituosen-Fachmann Erhard Ruthner (http://raise-your-spirits.at/) und Jason Turner das Quartett.
Alle Proben wurden verdeckt eingeschenkt und unabhängig bewertet. Die Summe dieser individuellen Einschätzungen ergab die Sieger und damit Träger des ÖGZ-Gütesiegels 2017 in Gold.

Text: Roland Graf

Gesucht: Leichte Weine für den offenen Ausschank. So könnte man das Anforderungsprofil für den ersten Service-Teil „Wein & Spirituosen“ auch nennen. In loser Folge stellen wir als Entscheidungshilfe für den Einkauf bzw. als kreativen Anstoß für neue Angebote auf der Karte die wichtigsten Themen der Getränkewelt vor. Den Auftakt machen die „Brot- und Butterweine“, also jene, die glasweise an der Schank konsumiert werden. Auch wenn die gehobene Weinkultur meist im Fokus der Berichterstattung diverser Guides und Magazine steht, zeigt diese Betrachtung nur eine verzerrte Sicht der Realität. Als Fachmagazin wollen wir diesem Tunnelblick fundierte Informatio-nen entgegensetzen.
Für Sie bedeutet das eine Zusammenfassung der besten Anbieter, die sich nicht auf blumige Beschreibungen beschränkt, sondern vor allem Nutzen stiften will. Denn nicht die Etiketten-Poesie verkauft den Wein, sondern der Service-Mitarbeiter. Deshalb konzentrieren wir uns in der Info zu den mit ÖGZ-Gütesiegel versehenen Weinen darauf, welche Winzer-Philosophie dahintersteckt oder erzählen auf gut Österreichisch die G’schicht dazu.

Umsatzbringer Schankwein

Beim Schankwein, der von jeher ein Unterscheidungsmerkmal der Betriebe untereinander darstellt, ist das natürlich besonders wichtig. Schmeckt das Achtel, will der Gast auch wissen, woher es stammt und wieso es anders mundet als beim Mitbewerber. Apropos Geschmack: Eine interessante Diskussion entbrannte auch in der ÖGZ-Verkostung, die Österreichs beste „offene Weine“ kürte. Denn der Einsatz von Zuchthefen, die für fruchtig-animierende Gerüche sorgen, scheint aktuell ein Rezept zu sein, mit dem man der Nachfrage nach duftigen Weißweinen nachkommt. Dagegen ist nichts zu sagen, allerdings waren einige Kandidaten in der Verkostung dann auch im Geschmack zu lieblich. Die Tendenz zu etwa mehr Restzucker bringt aber gerade im Schankwein nicht unbedingt das gewünschte Ergebnis – denn der Wein will getrunken sein. 

Nostalgie schadet nicht

Speziell bei den klassischen Sorten für das „Achterl weiß“, die sich wie der Welschriesling oder der Neuburger auf dem Rückzug befinden, gehörte einst Säure dazu. Sie gab Trinkanimo und wurde für Weine wie den „Brünnerstraßler“ fast sprichwörtlich. Diese Stilistik wird allerdings seltener, fiel den Kostern auf. Dafür überraschten die roten Trauben. Bewusst beschränken wir uns dabei nicht auf Rotwein, denn auch Rosé überraschte: wenn er nicht als Spaßwein und mit dropsiger Himbeere für den Sommer erzeugt wird, sondern in seiner rotweinigen Charakteristik auftreten darf. Dann gilt das Bonmot, das im ÖGZ-Weinquartett geprägt wurde: Weinigkeit ist keine Kleinigkeit.
Die roten Sorten, allen voran der Zweigelt und der Blaufränkische, begeistern vor allem dann, wenn sie technisch einen Hauch von Nostalgie aufweisen. Wer bewusst keinen Roten in der Bouteille ordert, erwartet keinen kräftigen, von den Sekundäraromen des Barrique-Fasses getragenen Wein. Ob man das Süffigkeit oder moderner „Drinkability“ nennt, sei dahingestellt. Wesentlich aber ist, dass ein vielleicht etwas altmodischer Stil, den man mit ebenfalls aus der Mode gekommenen Worten wie samtig oder bekömmlich beschreiben könnte, hier durchaus seinen Platz hat. Zum einen, weil an der Schank ohnehin über die früher besseren Zeiten philosophiert wird. Zum andern, weil damit sichergestellt ist, dass möglichst vielen Achtel-Trinkern der Wein auch schmeckt – und es nicht bei einem Glas bleibt.

Hier finden Sie gezielte Informationen und Tipps zum Themenbereich Wein.

Autor/in:
Redaktion.OEGZ
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