Bockbiere im Test

Bier
05.12.2019

Der diesjährige ÖGZ-Biercup stand im Zeichen des Gastro-Lieblings „Bockbier“. Auch heuer wieder saßen Braumeister in der Jury und kosteten sich durch die eingesandten Proben.
Gruppenbild mit Schülern in der Berufsschule für Gastgewerbe in der Wiener Längenfeldgasse. Stehend (v. l.): Ludwig Mühlhofer (Stieglbrauerei), Christoph Scheriau (Raschhofer),  Robert Raidl (Berufsschule Längenfeldgasse), Reinhard Bayer (Stift Schlägl). Sitzend (v. l.): Heinz Wasner (Brauerei Zwettl), Andreas Urban (Schwechater Brauerei, Juryvorsitzender), Nicole Wassermann (Bräu am Berg), Michael Göpfart (Brauerei Murau).
Gruppenbild mit Schülern in der Berufsschule für Gastgewerbe in der Wiener Längenfeldgasse. Stehend (v. l.): Ludwig Mühlhofer (Stieglbrauerei), Christoph Scheriau (Raschhofer), Robert Raidl (Berufsschule Längenfeldgasse), Reinhard Bayer (Stift Schlägl). Sitzend (v. l.): Heinz Wasner (Brauerei Zwettl), Andreas Urban (Schwechater Brauerei, Juryvorsitzender), Nicole Wassermann (Bräu am Berg), Michael Göpfart (Brauerei Murau).
Höchste Konzentration während der Verkostung: Nicole Wassermann (Bräu am Berg).
Höchste Konzentration während der Verkostung: Nicole Wassermann (Bräu am Berg).
In seinem Element: Qualitätskontrolle durch Braumeister Heinz Wasner (Brauerei Zwettl).
In seinem Element: Qualitätskontrolle durch Braumeister Heinz Wasner (Brauerei Zwettl).

Karge Zeiten gibt es heute glücklicherweise keine mehr. Früher einmal war das anders, da gab es in der Zeit vor den Feiertagen zu Weihnachten und Ostern meist nur wenige Lichtblicke, einer davon war Bockbier. Es war so was wie ein Nahrungsmittel, flüssiges Brot. Für die Gastronomie spielt dieser Bierstil heute eine wesentliche Rolle: Bockbier eignet sich ja nicht nur zum Foodpairing – beispielsweise mit Wild, Käse, Braten oder mit nussigen Desserts –, angeblich schätzen es auch manche Ehemänner, wie viele Gastronomen zu berichten wissen. Denn wenn die Ehefrau im Gasthaus ein Bier „erlaubt“, dann greift man als kluger Gatte lieber zum Bock als zum Lager – da hat man mehr davon.

Aufmerksame Leser der ÖGZ wissen bereits, dass wir jedes Jahr im Herbst einen anderen Bierstil unter die Lupe nehmen lassen. So auch heuer: Wir haben österreichische Brauereien dazu aufgerufen, ihre untergärigen Bockbiere einzureichen. 
Der Modus: Jede einreichende Brauerei darf je ein Jurymitglied entsenden, meist ist das der Braumeister oder ein anderer Experte aus der Brauerei. Verkostet wurde verdeckt, alle Proben wurden nach einem vorgegebenen Schema beurteilt: Aussehen, Aroma, Geschmack, Bittere, Mundgefühl und Gesamteindruck (siehe unten). Schauplatz des ÖGZ-Biercups 2019 war die Berufsschule für Gastgewerbe in der Wiener Längenfeldgasse. Die vierköpfige Servicegruppe rund um Fachlehrer und Biersommelier Robert Raidl sorgte für einen perfekten Ablauf. Die 13 eingereichten Proben wurden in fünf Flights verkostet und mussten von der Servicegruppe nicht nur korrekt eingeschenkt (Füllhöhe!), sondern auch zeitnah serviert werden. 

Mindestens 16° Stammwürze

Aber was versteht man denn nun unter Bockbier? „Laut Lebensmittelkodex sind das Biere, die einen Stammwürzegehalt von mindestens 16° haben“, sagt Andreas Urban, Juryvorsitzender des ÖGZ-Biercups und Braumeister der Schwechater Brauerei. Biere also mit einem Alkoholgehalt jenseits der Sieben-Prozent-Marke. Reinhard Bayer, Braumeister der Stiftsbrauerei Schlägl und mit seinem Doppelbock diesjähriger Biercupsieger, sieht die Wichtigkeit dieses Bierstils für die Gastronomie vorrangig in der Pairingfähigkeit: „Vor allem zu vollmundigen, kräftigen Speisen passen Bockbiere perfekt.“ Für den Gastronomen böten sich hier sehr gute Möglichkeiten, weil diese Biere – und meist auch die dazupassenden Speisen – nicht ganzjährig erhältlich seien, etwa Wild. Bockbier ist also etwas Besonderes. Aber: Alle anwesenden Braumeister betonen auch den verantwortungsvollen Umgang mit diesem Produkt. Denn der hohe Alkoholgehalt, gepaart mit einer sehr guten Drinkability, verleitet leicht dazu, auch einmal unbeabsichtigt ein Glas zu viel zu erwischen. 

Übrigens wurden 13 Produkte verkostet, in die Wertung genommen allerdings nur elf. Der Grund: Es wurden auch zwei Produkte eingereicht, die nicht in die Kategorie passen. Sie wurden außer Konkurrenz verkostet.

Top Five

Alle eingereichten Produkte sind absolut gastrotauglich. Aus der Tabelle ersichtlich sind die gerundeten Mittelwerte aus allen Jury-Bewertungen; die gefetteten Zahlen weisen auf das jeweilige Punktemaximum im Bewerb bzw. in dieser Kategorie hin. Mit einer Gesamtpunktezahl von 80,75 erreichte der Schlägl Doppelbock die höchste Punktezahl. Auf den Plätzen: Gösser Bock (78,13), Ottakringer Reparaturseidl (77,69) Zipfer Bock (77,25) und Mohren Bock (73,75). 

Alle Proben wurden blind verkostet und in fünf Kategorien (Aussehen, Aroma, Geschmack, Bittere, Mundgefühl) bewertet. Zusätzlich gab es eine Note für den Gesamteindruck. Die Gewichtung der Kategorien: Aussehen 1 / Aroma 2 / Geschmack 2 / Bittere 1 / Mundgefühl 1,5 / Gesamteindruck 2,5. Gefettet die Höchstwerte. Bei den Punkten in der Tabelle handelt es sich um errechnete, gerundete Mittelwerte aus allen Bewertungen. Zwei Proben der Brauerei Hofstetten (Saphirbock und Granit ICE Bock) wurden nicht gewertet und außer Konkurrenz verkostet.

Hofstetten Saphirbock

Hofstetten Granitbock

Mohren Festbock

Schnaitl Festbock

Stieglbock

Zwettler Festbock

Zipfer Stefanibock

Bräu am Berg Festbock

Raschhofer Teufelskerl

Gösser Bock

Schlägl Doppelbock

Ottakringer Bock

Murauer Bockbier