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Coronavirus: Fragen über Fragen zum derzeit brennendsten Thema

Corona: Was man als Unternehmer wissen muss

11.03.2020

Der Corona-Virus umklammert die Tourismusbranche. Die Auswirkungen sind auch ökonomisch bedrohlich. Was dagegen gemacht wird, gemacht werden muss und wie Hoteliers und Gastronomen diese Krise managen: Ein Überblick.

Die Hotellerie beklagt eine noch nie dagewesene Stornowelle. In den Gaststätten bleiben die Kunden aus und diverse Veranstaltungen müssen notgedrungen abgesagt oder verschoben werden. Diese – derzeitigen – Auswirkungen der Krise wegen des Corona-Virus (Covid-19) stellen für viele Tourismusbetriebe eine große bis existenzbedrohende ökonomische Gefahr dar.

Wie geht es den Unternehmen?

Ein Beispiel: Der Wiener Gastronom Sepp Bitzinger erklärt im Gespräch mit der ÖGZ, dass es in seinem Hauptlokal, dem Augustinerkeller neben dem (bis Ende März geschlossenen) Museum Albertina, der Umsatz derzeit um Rund 50 Prozent einbricht. „In den letzten Tagen kamen laufend Stornierungen von großen Firmenevents. Das ist im Moment natürlich sehr hart für uns, wir werden das Ganze aber finanziell übertauchen können“, sagt Bitzinger.

Ein Besuch bei Christoph Wagner, dem Geschäftsführer im trendigen Craft-Bier Lokal Hefenbrüder auf der Wiener Mariahilferstraße zeigt ein ähnliches Bild. „Im Moment müssen wir gar nicht daran denken, dass nur 100 Leute ins Lokal können, denn so viele kommen eh nicht“, erklärt er uns.

Wo gilt 100 Personen Beschränkung?

Hintergrund: Die Beschränkung auf maximal 100 Personen im Indoor-Bereich gilt auch für die Gastronomie -  Hier lesen Sie die Maßnahmen im Detail. Allerdings dürfte die Regel so ausgelegt werden können, dass es um 100 Personen pro Zimmer geht. Wer also mehr Gaststuben hat, der kann tatsächlich mehr Kunden auf einmal betreuen. Die Frage: Wer hat derzeit den Betrieb voller Gäste?

In noch stärkerem Maße betroffen ist die Hotellerie. Die ÖHV erhob bereits Ende Februar, dass 60 Prozent der Top-Hotellerie von Corona bedingten Stornierungen betroffen sind. Das war nur der Anfang, wir erfahren von immer mehr Betrieben über Stornos oder Buchungsrückgänge. Einen Überblick zur Entwicklung gibt die Plattform Easybooking, die Echtzeitdaten zu Buchungen und Stornos einspeist - https://www.easybooking.eu/de/stornierung

Was wird für Unternehmen getan?

Mehr als 90 Prozent der Tourismusbetriebe sind KMU. Deren Liquidität muss in diesen schweren Krisen sichergestellt werden.

Bereits angekündigt, beschloss der Ministerrat nun eine ab sofort gültige Überbrückungsfinanzierungen für Tourismusbetriebe mit einem Haftungsrahmen bis zu einer Höhe von 100 Mio. Euro. Die Abwicklung des Maßnahmenpakets erfolgt über eine digitale Einreichplattform der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT).

Ohne finanzielle Unterstützung würde es zweifelsfrei zu Konkursen kommen. Von manchen Branchenvertretern hört man auch bereits den Ruf nach einem Rettungspaket für die von Corona betroffenen Klein- und Mittelbetriebe. Ähnlich wie es ihn bei Finanz- und Griechenlandkrise für angeschlagene Banken gab.

Was passiert hinsichtlich Kurzarbeit?

Von Unternehmerseite ist es aufgrund vieler Arbeiter-Dienstverhältnisse leichter Mitarbeiter freizusetzen als wenn es sich um Angestellte handeln würde. Doch wer will schon Mitarbeiter kündigen? Ein Schlagwort, dass immer wieder kommt ist: Kurzarbeit. Derzeit laufen hier auch Gespräche der Sozialpartner. Die Arbeitsplätze und die Betriebe müssen gesichert sein. Anders als in vergangenen Krisen trifft Kurzarbeit dieses Mal Branchen, die traditionell im Dienstleistungsbereich angesiedelt sind, argumentiert die Gewerkschaft. Eine Reduktion der ohnehin niedrigen Löhne in diesen Bereichen würde die Arbeitnehmer vor gravierende finanzielle Probleme stellen, heißt es.

Wo man sich als Unternehmer informieren kann?

Für Fragen  (z.B. Vertragsrecht, Arbeitsrecht, Länderinformationen, Lieferketten, …), hat die WKO einen „Coronavirus Infopoint“ eingerichtet. Hier laufen sämtliche Informationen aus dem In- und Ausland zu diesem Thema zusammen. Erreichbar ist eine zentrale Hotline unter 05 90 900-4352 (Montag bis Freitag von 8.00-20.00 Uhr). Darüber hinaus können Unternehmen ihre Fragen per E-Mail richten oder sich auf dem Web-Infopoint informieren.

Zusätzlich werden Webinare mit Infos zum Coronavirus für Arbeitgeberbetriebe angeboten. Aktuell stehen Informationen zu unterschiedlichen Themen online zur Verfügung. Ein Beispiel: Corona-Virus für Arbeitgeber.

Darf man Gäste abweisen?

Sehr viele wichtige Hinweise gibt es auch unter der Website des Fachverbands Hotellerie LINK. Hier werden etwa Fragen zu Stornos und der Ablehnung von Gästen geklärt. Nach dem derzeitigen Stand, kann man Gäste bei reinem Krankheitsverdacht nicht ablehnen. Nach den Bestimmungen der AGBHs kann der Beherbergungsvertrag nur bei einer nachweislichen Krankheit aufgelöst werden.

Wie geht es mit dem Virus es weiter?

Diese Frage ist kaum seriös zu beantworten. Bis dato gilt die Hoffnung, dass die sehr weitreichenden Schutzmaßnahmen greifen, es zu weniger Neuansteckungen kommt und auch der Frühling ein Abflauen der Corona-Erkrankungen bringen könnte. Es durch die höhere Temperaturen einer Auszeit kommen könnte. Und wenn das Virus im Spätherbst wieder kommt, dann könnte man sich in der Zwischenzeit dementsprechend medizinisch vorbereiten.

Grob gesehen gibt es also zwei Szenarien:

  • Die Infektionswelle läuft jetzt direkt weiter, die Zahlen steigen weiter kontinuierlich an
  • Der Temperatureffekt im Frühling lässt die Infektionen abflauen und wir bekommen erst im Winter die große Infektionswelle

 

Autor/in:
Daniel Nutz
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