Oberösterreich und Ostbayern haben im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projekts die Digitalisierung touristischer Betriebe und Angebote vorangetrieben. Die „Digitalisierungsoffensive Ostbayern-Oberösterreich“ wurde 2023 im Rahmen des EU-Förderprogramms Interreg Bayern-Österreich gestartet. Im Mittelpunkt standen die digitale Sichtbarkeit und Buchbarkeit der Betriebe sowie die Nutzung vorhandener touristischer Daten.
Die Digitalisierung ist auch in der oberösterreichischen Landes-Tourismusstrategie 2030 verankert. „Smart, Digital und Innovativ“ ist darin als übergreifendes Handlungsprinzip definiert. Digitale Kompetenzen in Tourismusverbänden und Betrieben sollen ausgebaut und vorhandene Daten stärker genutzt werden. „Wir stärken damit die digitale Kompetenz und Qualität in den Betrieben, verbessern ihre Sichtbarkeit und Buchbarkeit und entwickeln gleichzeitig mit Freeda ein neues digitales Service für unsere Gäste“, sagt Markus Achleitner, Wirtschafts- und Tourismus-Landesrat in Oberösterreich.
Vier Bausteine der Digitalisierungsoffensive
Ausgangspunkt des Projekts war ein sogenannter Digi-Check. Gemeinsam mit Centouris, dem Centrum für Marktforschung an der Universität Passau, wurde untersucht, wie gut touristische Betriebe und Angebotsträger im Internet sichtbar und buchbar sind und wie ihre digitalen Auftritte gestaltet sind.
Darauf aufbauend erhielten rund 1.000 Betriebe in Oberösterreich und Ostbayern individuelle E-Coachings. Regionale Coaches unterstützten die teilnehmenden Betriebe dabei, ihre Online-Sichtbarkeit, Buchbarkeit und ihren digitalen Auftritt weiterzuentwickeln. Ergänzt wurden die Coachings durch eine E-Learning-Plattform sowie Informations- und Vernetzungsveranstaltungen.
„Die individuellen Coachings direkt vor Ort in den Betrieben waren ein zentraler Bestandteil unseres Projekts. So konnten wir insgesamt rund 1.000 Gastgeber und Erlebnisanbieter in Ostbayern und Oberösterreich begleiten und ihnen konkrete Möglichkeiten aufzeigen, wie sie ihre digitale Präsenz verbessern können“, erklärt Michael Braun, geschäftsführender Vorstand des Tourismusverbands Ostbayern. Ein weiterer Projektbaustein war die Produktion von Foto- und Videomaterial. Dieses soll den Betrieben und Regionen für Websites, Buchungsplattformen, soziale Medien und weitere digitale Kommunikationskanäle zur Verfügung stehen.
KI-Reisebegleiterin nutzt touristische Daten
Mit Freeda wurde im Zuge des Projekts außerdem eine digitale Reisebegleiterin für Oberösterreich und Ostbayern entwickelt. Gäste können angeben, wann und wo sie unterwegs sind und welche Interessen sie haben. Das System berücksichtigt laut Projektverantwortlichen unter anderem Standort, Zeitraum, Wetter, Öffnungszeiten und Saison und erstellt daraus individuelle Vorschläge. Erlebnisse lassen sich speichern, auf einer Karte anzeigen oder zu einem Tagesplan zusammenstellen.
Die Reisebegleiterin greift auf Inhalte aus den offiziellen touristischen Datenmanagementsystemen Tourdata in Oberösterreich und mein.toubiz in Ostbayern zurück. Künstliche Intelligenz (KI) soll die vorhandenen Angebote anhand der Angaben der Nutzerinnen und Nutzer ordnen und gewichten.
„Ein gutes touristisches Angebot muss heute auch digital in guter Qualität erzählt werden. Mit professionellen Bildern und Videos geben wir unseren Betrieben die Möglichkeit, ihre Stärken sichtbar zu machen“, sagt Heinz Gressenbauer, Chief Digital Officer bei Oberösterreich Tourismus.
Online-Buchbarkeit steigt
Centouris begleitete die Digitalisierungsoffensive wissenschaftlich. Im ersten Schritt wurde der digitale Status quo von mehr als 5.300 touristischen Betrieben in Oberösterreich und Ostbayern untersucht. Analysiert wurden unter anderem digitale Sichtbarkeit, Qualität und Funktionalität der Websites, Online-Buchbarkeit und digitale Vernetzung.
In einem zweiten Digitalisierungs-Check wurden Betriebe, die an einem Coaching teilgenommen hatten, erneut untersucht und mit einer Gruppe bislang ungecoachter Betriebe verglichen. Damit sollten allgemeine Entwicklungen von Veränderungen bei den gecoachten Betrieben unterschieden werden.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen verbesserte sich insbesondere die Online-Buchbarkeit. In Oberösterreich stieg der Anteil der Gastgeber mit Echtzeitbuchbarkeit über die eigene Website um 19 Prozentpunkte auf 43 Prozent. Auch bei der Einbindung sozialer Medien und bei Informationen zu Nachhaltigkeitsaspekten seien Fortschritte festgestellt worden. Bei den untersuchten Betrieben in Ostbayern hätten sich ebenfalls Verbesserungen bei buchungsrelevanten Funktionen gezeigt.
„Mit mehr als 5.300 untersuchten Betrieben verfügen wir über eine außergewöhnlich breite Datengrundlage. Sie zeigt nicht nur, wo der Tourismus bei der Digitalisierung steht, sondern vor allem, an welchen Stellschrauben konkrete Unterstützung tatsächlich Wirkung entfalten kann“, sagt Stefan Mang, Geschäftsführer von Centouris an der Universität Passau.
