Text: Franz Zussner

Sorgen über das „Aus“ der Inlandsflüge

Dazu kommt das „Aus“ der Austrian Airlines-Flüge, die mit Auslaufen des Sommerflugplans ihren Binnenflugverkehr nach Wien einstellte. Somit ist die rot-weiß-rote Heckflosse zumindest im Linienverkehr Geschichte. Ursprünglich war die Einstellung erst mit der Inbetriebnahme des Semmering-Basistunnels Ende 2029 geplant, doch die erwähnten Krisen führten nun zum vorzeitigen Ende.

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In guten Zeiten flogen mehr als 130.000 Passagiere jährlich auf der Kurzstrecke nach Wien. Sie werden nun auf andere Hubs wie Frankfurt, München und Zürich ausweichen und dem Flughafen Wien fehlen. Bis einschließlich 19. Oktober dieses Jahres konnten 684.000 Passagiere verzeichnet werden, das sind um -0,4 % weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, wie Wolfgang Grimus erwähnte.

Lufthansa hat bereits reagiert: Sie wird von den Embraer 195 der Tochter Air Dolomiti auf größeres Fluggerät (wie die Airbus-A320-Familie) umstellen und mehr Passagiere und Fracht über ihre Hubs München und Frankfurt transportieren. SWISS wiederum stockt die Linie nach Zürich auf tägliche Flüge auf.

Auch Eurowings löst den Hub Graz auf

Sorgen bereitet auch der Sektor „Charter“. Dort wurden 6 % weniger Passagiere abgefertigt, und die Flugbewegungen sanken um fast -5 %. Im Gesamtjahr 2026 werden am Flughafen Graz deshalb insgesamt rund 810.000 Passagiere erwartet (also Charter und Linie zusammen), gut 20.000 weniger als 2025.

Eurowings (EW) löst den Hub Graz auf und wird das dort stationierte Flugzeug abziehen und anderswo einsetzen, wahrscheinlich am Standort Berlin. Sie bleibt aber dem Flughafen Graz treu und fliegt weiterhin die Destinationen Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Palma de Mallorca an.

Auch neue Airlines konnten – zumindest saisonal – gewonnen werden. Aegean aus Griechenland fliegt nach Rhodos, die türkisch-maltesische Freebird und Corendon Europe fliegen nach Heraklion, Air Cairo nach Hurghada und die italienische SkyAlps nach Olbia. Beliebte Strecken und Sonderflüge mit Gruber- und Springer-Reisen ergänzen das Flugangebot.

Kerosinpreise & Flugsteuern

Der Krieg im Iran und die Sperre der Straße von Hormus ließen auch den Kerosinpreis deutlich ansteigen. Als Beispiele nannte Wolfgang Grimus Mehrkosten für einen Flug von Graz nach Hamburg in Höhe von 7.000 US-Dollar und von Graz nach Hurghada von rund 20.000 US-Dollar. Dass die Airlines darauf reagieren, die Flugpreise erhöhen bzw. die Strecken ausdünnen oder gar einstellen, ist daher logisch.

Aber es sind nicht die einzigen Gründe: Auch die in Österreich erhobenen Flugsteuern zwischen 12 und 30 Euro pro Passagier und Strecke (die es nur mehr in acht EU-Staaten gibt) sowie die hohen Flughafen- und Flugsicherungsgebühren bewegen Airlines dazu, Strecken einzustellen, die nicht mehr rentabel sind, wie etwa Graz–Wien. Auch Fluggerät wird aus Österreich abgezogen, vor allem aus Wien, und ins benachbarte Ausland (Bratislava, Ljubljana) verlegt, wo es keine Flugsteuern gibt.

Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (ÖAV), als deren Vizepräsident derzeit Wolfgang Grimus fungiert, richtete deshalb wiederholt den Appell an die Bundesregierung, diese wettbewerbshemmende Flugsteuer zu halbieren oder am besten ganz abzuschaffen.

„Rückholaktion“ mit der Bahn

Bezüglich des Bahnanschlusses tut sich aber doch etwas: Ab dem Fahrplanwechsel der ÖBB am 13. Dezember 2026 wird je Fahrtrichtung ein Zug pro Tag direkt aus Kärnten geführt und hält dann an der derzeitigen S-Bahn-Haltestelle Flughafen Graz-Feldkirchen. Wolfgang Grimus: „Das ist immerhin besser als gar nichts.“ Das Umsteigen am Grazer Hauptbahnhof fällt dabei weg. Selbstverständlich bleibt aber die Koralmbahn-Flughafenhaltestelle oberste Priorität in der Steiermark.

Auch aus Nordslowenien gibt es erfreuliche Nachrichten. Ab Mitte Dezember werden dann mehr als 20 Züge aus Maribor kommend an der S-Bahn-Haltestelle Flughafen Graz-Feldkirchen halten. Das ist sozusagen eine Art „Rückholaktion“ aus Slowenien, „denn durch die hohen Abgaben verliert der Grazer Flughafen Passagiere an Ljubljana“, so Wolfgang Grimus.

Gute Entwicklung bei der Fracht & abseits des Fluggeschäfts

Von Jänner bis September 2026 gab es ein Plus von 9,5 % im Cargo-Sektor. Hier handelt es sich um eine Mischform zwischen „echter“ Flugzeugfracht und dem Lkw-Verkehr auf der Straße (Trucking), wie Wolfgang Grimus erklärte. Durch die Umstellung auf größere Flugzeuge der Lufthansa – siehe oben – kann auch mit Passagierflugzeugen viel mehr Fracht befördert werden. Das bedeutet mehr Flexibilität und eine noch bessere Anbindung an das globale Netzwerk von Lufthansa Cargo. Speziell der boomende Pharmasektor lässt künftig ein Mehr an Fracht erwarten.

Wichtige Schritte bei der CO₂-Reduzierung konnten durch den flächendeckenden Einsatz von „HVO100“ (erneuerbarer Dieselkraftstoff) erzielt werden. Bei Neuanschaffungen wird, wenn möglich, auf elektrische Varianten zurückgegriffen.

Der Airport dient auch immer öfter als Eventlocation, etwa für Messen (Reise-, Bildungs- und Berufsmessen), Seminare und Vorträge. Aber auch der jährliche „Airport-Run“ im Juni erfreut sich immer größeren Zulaufs. Nicht zu vergessen sind die Vermietung und Verpachtung von Werbeflächen, die zusätzlich Geld in die Kassen spülen.