Wien hat ein Problem mit seiner Erreichbarkeit. Wizz Air hat seine Basis geschlossen, Ryanair streicht Strecken und zieht Flugzeuge ab (gast.at berichtete). Wer aus dem Ausland anreisen will, findet damit teilweise weniger Verbindungen und möglicherweise höhere Ticketpreise vor. Für eine Stadt, deren Tourismus wesentlich von internationalen Gästen lebt, ist das keine gute Nachricht. Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) fordert deshalb die weitgehende Senkung oder Abschaffung der Flugabgabe. Die derzeitige Regelung koste nicht nur Airlines und Flughäfen Geschäft, sondern gefährde zunehmend die Tourismus-Wertschöpfung.

In einer aktuellen Aussendung beziffert die ÖHV die möglichen Folgen für Wien mit rund 950.000 entfallenden Nächtigungen und 185 Millionen Euro Wertschöpfungsverlust im Jahr 2026, sollte sich die Entwicklung entsprechend fortsetzen. Das sind beträchtliche Zahlen. Allerdings handelt es sich um eine Prognose.

Werbung
BrauBeviale 2026: Spannende Getränke, neue Gäste und smarter Ausschank
Jedes zwölfte in Europa konsumierte Bier ist inzwischen alkoholfrei. Seit 2020 ist der Absatz um mehr als 38 Prozent gestiegen. Allein 2025 legte das Segment um 5,9 Prozent zu. Für die Gastronomie eröffnet die Beliebtheit alkoholfreier Getränke die Möglichkeit, das Sortiment zu erweitern und neue Konsumanlässe zu schaffen. Welche Produkte dafür infrage kommen und welche Technik den Ausschank erleichtert, zeigt die BrauBeviale vom 10. bis 12. November 2026 in Nürnberg.

Am Flughafen minus 4,5 Prozent, in den Hotels plus vier Prozent

Dass der Flughafen Wien Passagiere verliert, steht außer Zweifel. Von Jänner bis September wurden am Standort 23,48 Millionen Fluggäste gezählt, um 4,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Allein im September betrug das Minus 7,5 Prozent. Im Vorjahr hatte der Flughafen mit 32,6 Millionen Passagieren noch einen Rekord erzielt. Für den Rückgang nennt der Flughafen vor allem das reduzierte Angebot der Billigfluggesellschaften sowie Verbindungsbeschränkungen infolge der Krise im Nahen und Mittleren Osten. Die Auswirkungen auf den Tourismus sind allerdings komplizierter, als es ein einfacher Vergleich der Passagierzahlen nahelegt.

Nach den zuletzt veröffentlichten Zahlen des WienTourismus stiegen die Gästenächtigungen von Jänner bis August um vier Prozent auf 13,08 Millionen. Auch der Netto-Nächtigungsumsatz der Beherbergungsbetriebe lag von Jänner bis Juli mit rund 758 Millionen Euro um zwei Prozent über dem Vorjahr. Wien kann also derzeit bei weniger Flughafenpassagieren mehr Nächtigungen verzeichnen. Das widerlegt die Warnung der ÖHV nicht. Es zeigt aber, dass zwischen Flugverkehr und Hotelauslastung (noch) kein unmittelbarer Gleichlauf besteht. In der Passagierstatistik werden schließlich auch abreisende Österreicher und Umsteigepassagiere erfasst, die nicht notwendigerweise ein Wiener Hotel benötigen. Zudem verändern sich Herkunftsmärkte, Aufenthaltsdauer und Anreisewege.

Bratislava profitiert

Die wirtschaftliche Sorge der Hoteliers ist dennoch nachvollziehbar. Ryanair und Wizz Air führen die österreichische Flugabgabe als einen Grund für ihre Angebotskürzungen an. Gleichzeitig bauen beide Fluggesellschaften ihre Aktivitäten im benachbarten Bratislava aus, wo keine vergleichbare nationale Flugticketabgabe anfällt. Für Fluglinien, die stark auf niedrige Ticketpreise setzen, ist das ein Wettbewerbsfaktor. Österreich verlangt für die meisten Abflüge zwölf Euro pro Passagier, auf bestimmten Kurzstrecken unter 350 Kilometern sogar 30 Euro. ÖHV-Vizepräsident Alexander Ipp hält die Abgabe deshalb für einen direkten Nachteil für Wien. Die Hauptstadt sei in besonderem Maß auf internationale Flugverbindungen angewiesen. Johannes Scheiblauer, ÖHV-Landesvorsitzender in Niederösterreich, sieht vor allem den Nachbarflughafen im Vorteil. Wer statt Wien Bratislava anfliege, verzichte schließlich nicht automatisch auf seine Flugreise. Der gewünschte ökologische Effekt bleibe in diesen Fällen aus.

Ganz so eindeutig lässt sich die Umweltwirkung allerdings nicht beurteilen. Die Flugabgabe soll laut Finanzministerium auch einen Anreiz schaffen, kürzere Strecken mit anderen Verkehrsmitteln zurückzulegen. Ob sie dieses Ziel tatsächlich erreicht und wie stark Fluglinien ihre Angebote deswegen verlagern, ist eine andere Frage.