Herkunftskennzeichnung: Erst das Schnitzel, dann die Banane
Der Bauernbund will Wirte per Gesetz zur Herkunftskennzeichnung verpflichten. Die Branche fragt sich: Wo endet das? Ein Streit, der die Falschen trifft.
Es ist ein Klassiker der österreichischen Agrarpolitik: Wenn der Druck auf die Bauern steigt, soll die Gastronomie es richten. Diesmal wieder mit der Forderung nach verpflichtender Herkunftskennzeichnung. Der Bauernbund trommelt und diesmal ist es die ÖHV, die scharf kontert.
Bauernbund-Direktorin Corinna Weisl formuliert es so: Der Gast am Wirtshaustisch verdiene dieselbe Klarheit wie der Kunde im Supermarkt. Das klingt grundsätzlich einleuchtend. Ist es aber nicht.
Der Vergleich hinkt
Ein Supermarktregal ist statisch. Ein Wirtshaus funktioniert jedoch anders. Der Koch kauft, was der Markt gerade hergibt; die Saison bestimmt das Angebot. Wer hier absolute Planbarkeit verlangt, hat das Konzept nicht verstanden (oder möchte, dass es überall Systemgastronomie gibt). Natürlich gibt es Betriebe, die mit anonymer Massenware arbeiten. Aber die Mehrheit? Sie wirbt längst mit Regionalität, dem Bauern ums Eck, Bio, Weiderind & Co. Und warum ist das so? Weil die Gäste es honorieren. Herkunft ist ein Verkaufsargument für diejenigen, die etwas zu zeigen haben.
Zwang trifft die Falschen
Und genau hier liegt auch das Problem des Zusatzes „verpflichtend“: Es trifft nämlich nicht die schwarzen Schafe. Große Ketten mit standardisierten Abläufen können Dokumentation locker stemmen. Kleine Wirtshäuser oder Landhotels zahlen den Preis dafür, denn Speisekarten müssen dann laufend geändert, noch mehr Lieferscheine archiviert werden und die Kontrollen werden auch nicht weniger. Am Ende steigt der Preis für den Gast, ohne echten Mehrwert am Teller.
ÖHV-Präsident Walter Veit fragt zugespitzt, ob der Bauernbund als nächstes ein Bananenverbot fordere. Das klingt polemisch, trifft aber einen Punkt: Wo endet die Kennzeichnungspflicht, wenn sie einmal beginnt? Beim Fleisch? Bei der Butter im Teig? Beim Pfeffer? Am Ende landet man bei Regulierung ohne Ende und am Schluss weiß niemand mehr, welches Problem eigentlich gelöst werden sollte.
Das eigentliche Problem liegt woanders
Der Bauernbund argumentiert aus der Defensive. Importdruck, sinkende Erzeugerpreise, Mercosur im Nacken. Alles verständlich! Aber die Lösung kann nicht sein, Gastronomen zur Kontrollinstanz zu machen. Herkunftskennzeichnung verkauft kein Produkt. Qualität tut es. Verfügbarkeit tut es. Und ja: auch der Preis. Wer Transparenz will, muss sie vorleben. Wer höhere Standards will, muss sie im Stall durchsetzen und nicht auf der Speisekarte.
Es spricht nichts gegen Herkunftskennzeichnung. Viele Betriebe praktizieren sie bereits, viele Gäste schätzen sie. Aber es spricht viel gegen den Zwang. Er schafft Bürokratie, belastet die Kleinen und löst kein einziges Problem der Landwirtschaft. Die Frage ist nicht, ob Gäste wissen dürfen, woher ihr Schnitzel stammt. Die Frage ist, ob es dafür ein Gesetz braucht. Die Antwort: Nein. Der Markt regelt das. Vielleicht nicht perfekt. Aber besser als jede Verordnung.




