Bester Sommelier Irlands ist ein Wiener

11.01.2022

Gastro-Quereinsteiger Daniel Stojcic avancierte in nur drei Jahren zum Sommelier von internationalem Format. Davor war er in der IT tätig. 
. (v.l.) William Wouters, Präsident der internationalen Sommelier Vereinigung ASI; Daniel Stojcic, Irischer Sommelier Staatsmeister, und Georgios Kassianos, Präsident der zypriotischen Sommelier Vereinigung.
. (v.l.) William Wouters, Präsident der internationalen Sommelier Vereinigung ASI; Daniel Stojcic, Irischer Sommelier Staatsmeister, und Georgios Kassianos, Präsident der zypriotischen Sommelier Vereinigung.

Man kann alles schaffen. Was zählt, ist der Wille. So gesehen muss der Wiener Daniel Stojcic eine äußerst willensstarke Persönlichkeit sein. Denn der gelernte IT-Techniker wechselte erst 2018 als absoluter Quereinsteiger in die Gastronomie. Drei Jahre später gewinnt er den Wettbewerb „Ireland's Best Sommelier“ - und erhält als Sahnehäubchen obendrauf das begehrte Gerard Basset Reise-Stipendium. 

Unfassbares Kunststück

Seither gilt Daniel Stojcic (nicht nur) für viele junge Sommeliers als Vorbild. Dabei kommt der sympathische Wiener aus einer ganz anderen beruflichen Ecke: 2011 ging der inzwischen 35-Jährige nach Irland, um dort als IT-Techniker zu arbeiten. Nach einigen Jahren verspürte er den Wunsch nach einem kommunikativeren Beruf und landete in der Gastronomie. Kurzerhand bewarb er sich für ein Praktikum im Drei-Sterne-Restaurant Geranium in Kopenhagen, wo er auch mit dem Thema Wein erstmals in Berührung kam. Zurück in seinem damaligen Wohnort Belfast begann er, Wein im Selbststudium zu ergründen und heuerte in dem mit einem Michelin Bib Gourmand ausgezeichneten Restaurant „NOBLE. Holywood“ als Sommelier an. Zugleich schrieb er sich für die Ausbildung zum Certified Sommelier by Court of Master Sommeliers ein. In dieser Zeit hörte er vom Wettbewerb „Ireland's Best Sommelier“. Er nahm teil – und holte sich den Titel. Ein Erfolg, der ihn im November als Repräsentant Irlands an der europäisch-afrikanischen Sommeliermeisterschaft 2021 auf Zypern teilnehmen ließ. Hier gelang ihm bei seiner Premiere auf der internationalen Wettbewerbsbühne gleich ein grandioser Platz im vorderen Mittelfeld. 

Hauptpreis bei Gerard Basset Travel Bursaries

Ebenfalls im Jahr 2021 bewarb sich Daniel Stojcic für das renommierte Gerard Basset Reise-Stipendium. Damit wird das Weinwissen durch die Finanzierung eines Besuchs in einer oder mehreren Weinregionen gefördert. Gewidmet ist das Stipendium dem zu früh verstorbenen Sommelier-Weltmeister Gerard Basset, MW, MS. Der Jury gehörten neben Bassets Witwe Nina Basset und dessen Sohn Romané Basset auch Ronan Sayburn MS, Tim Atkin MW und Laura Rhys MS an. Daniel Stojcic, der inzwischen als Sommelier im Restaurant The Raby Hunt in der englischen Grafschaft Durham arbeitet, erhielt den mit 5.000 Pfund dotierten Hauptpreis. „Die Qualität der Bewerbungen war sehr hoch, die Entscheidung über die Vergabe des Hauptpreises fiel jedoch einstimmig aus“, so Nina Basset.

Online-Sake-Seminar 

Suwi Zlatic, Österreichs Sommelier Staatsmeister und Drittplatzierter bei der europäisch-afrikanischen Sommeliermeisterschaft 2021, über seinen Kollegen: „Wir haben uns 2020 über ein Online-Sake-Seminar von mir kennengelernt und ich habe mich gefreut, Daniel auf Zypern wiederzusehen. Er war ein super Kollege, der mich auf meinem Weg ins Finale sehr unterstützt und motiviert hat. Sein rasend schneller Erfolg zeigt, wenn man Feuer in sich hat und die Ziele konsequent verfolgt, braucht es nicht Jahrzehnte, um an die Spitze zu kommen.“

Daniel Stojcic: „Im Vergleich zu anderen Sommeliers habe ich recht spät mit der Ausbildung begonnen, aber das hat mich noch entschlossener gemacht. Ich fand es schön, beim Sommelier-Wettbewerb auf Zypern zu sehen, dass ich mit meinem Engagement viel erreichen kann. Außerdem werde ich mit Suwi Zlatic und der Sommelier Union Austria in Kontakt bleiben. Mein Reisestipendium habe ich zwar für das französische Weinbaugebiet Languedoc-Roussillon erhalten, ich möchte aber auch die Weinbaugebiete und Winzer Österreichs noch besser kennenlernen.“