Die spinnen, die Sausaler

28.05.2015

Der Sauvignon Blanc ist aus der Südsteiermark nicht mehr wegzudenken. Die Winzer im Sausal aber setzen verstärkt auf eine Rebsorte, die man dort nicht vermutet: den Riesling. Wir haben verkostet.
Aufbruchstimmung im Sausal (v. l.): die Winzer Johann Schneeberger, Michael Pronegg / Weingut Lorenz, Gerhard Josef Wohlmuth, Hannes Harkamp, Rainer Hack / Bioweingut Warga-Hack, Stefan Schauer und Koch Tom Riederer.
Aufbruchstimmung im Sausal (v. l.): die Winzer Johann Schneeberger, Michael Pronegg / Weingut Lorenz, Gerhard Josef Wohlmuth, Hannes Harkamp, Rainer Hack / Bioweingut Warga-Hack, Stefan Schauer und Koch Tom Riederer.

Text: Bernadette Altenburger


Wir befinden uns im Jahre 2015 n. Chr. Ganz Styria ist mit Sauvignon Blanc bepflanzt … Ganz Styria? Nein! Ein von unbeugsamen Weinbauern bevölkertes Tal hört nicht auf, Riesling zu forcieren. Tatsächlich wurde im Sausal in der Südsteiermark schon zu Zeiten der Römer Weinbau betrieben. Das Hügelland zwischen den Flüssen Sulm und Laßnitz bringt aufgrund seiner kargen Urgesteinsböden, der hohen Lagen und des etwas kühleren Klimas ganz spezielle Weine hervor. Der Riesling hat im Sausal seit über 200 Jahren Tradition. Wenn auch die Winzer damals als Spinner angesehen wurden.

Heute gilt das Sausal für viele (noch) als Geheimtipp. Hier werden Liebhaber filigraner, mineralischer Weißweine fündig. Die Sauvignons sind in der Nase weniger laut, haben mehr Steinobstaromen und sind am Gaumen filigraner als andere Vertreter dieser Rebsorte in der Südsteiermark. Die Rieslinge fallen im Unterschied zur Wachau weniger kräftig und botrytislastig aus.

Zwei Menüs – ein Terroir
Die beiden Weingüter Wohlmuth und auch Harkamp haben sich bereits einen Namen gemacht, mit der Veranstaltung „Sausal Revolution“ sollen auch weniger bekannte Betriebe vorgestellt werden. Zum Auftakt fand in der Schmankerlstub’n Temmer in Tillmitsch ein „Perfect Match“ statt, bei dem zu jedem Gericht ein Sausaler gegen einen internationalen Wein antrat. Präsentiert wurden die Weine von Leo Kiem (Agora Vino) und seinen Co-Sommeliers Thomas Juranitsch (Kussmaul, Wien) und Helena Jordan (Mercado, Wien).

Im wunderschönen Restaurant „Tom R“ am ehemaligen Pfarrhof von Sankt Andrä zeigte am nächsten Tag nicht nur Haubenkoch Tom Riederer sein Können, sondern auch die Winzer. Mit ihren teils gereiften Weinen begleiteten sie das sechsgängige Menü, das mit modern interpretierten regionalen Gerichten überzeugte. Hannes Harkamp, Michi Pronegg vom Weingut Lorenz, Stefan Schauer, Hans Schneeberger, Rainer Hack vom Bioweingut Warga-Hack und Gerhard Wohlmuth überraschten mit (Lagen-) Muskateller, Sauvignon, Riesling und Burgundersorten. „Ich will keinen kitschigen ‚Disco-Muskateller‘ produzieren, sondern einen mit Terroir“, so Michi Pronegg. Mein Highlight: der Chardonnay 1992 vom Weingut Wohlmuth. Auch das Weingut Warga-Hack, das seit 2009 biologisch zertifiziert ist, war eine Entdeckung.

Anschließend an das Mittagessen luden 28 Winzer der Region ins Panoramahotel Steirerland zur Verkostung des aktuellen Jahrgangs, die dann in eine Party auf der Terrasse überging. Ob ein singender Barde das Fest geknebelt und gefesselt verbringen musste, wissen wir nicht.