Gar nicht süß: Die neuen Rums

Gastronomie
06.10.2016

Von: Roland Graf
Wie vielfältig die hierzulande nach Wodka zweitbeliebteste Spirituose sein kann, zeigte das erste Festival für Rum. Und der kommt auch von heimischen Brennern, nicht nur aus der Karibik 
Markus Altrichter, der Waldviertler Brenner Hermann Rogner, die steirische Rum-Erzeugerin Carmen Krauss und Elisabeth Rogner präsentieren ihre Tropfen.
Markus Altrichter, der Waldviertler Brenner Hermann Rogner, die steirische Rum-Erzeugerin Carmen Krauss und Elisabeth Rogner präsentieren ihre Tropfen.
Brennerin Carmen Krauss und Gabriele Eidherr verkosten.
Brennerin Carmen Krauss und Gabriele Eidherr verkosten.
Charly aus der Heuerbar
Charly aus der Heuerbar

Die Erwartungshaltung war groß, als die Besitzer des Versandhandels „Rumzentrum.at“ erstmalig eine österreichische Messe rund um den Zuckerrohr-Brand ankündigten. Die Premiere des „Rum-Festivals“ in der Ottakringer Brauerei, das am 1. Oktober endete, war durchaus ein Erfolg. Trotz strahlenden Sonnenscheins kamen 1.200 Besucher in die Halle. Neben den mehr als 200 Varianten des „Golds der Karibik“ lockten auch kubanische Musik, eine Zigarrenlounge und speziell für Bartender der Rum-Cocktail-Wettbewerb der dominikanischen Marke „Brugal“ (in Österreich von Top Spirits importiert). 

Kreative Kreationen 

Mit seiner Tabasco-Rucola-Hommage „Don Andrés“ sicherte sich Feng Liu von „Mama Liu & Sons“ aus Wien-Gumpendorf den Sieg. Marcel Katzer („Kleinod“) kombinierte Rum mit Yoghurt-Sirup, Minze und Kondensmilch. Der Drittplatzierte Jamil El Azem („Roberto’s“, ebenfalls Wien) zeigte, wie ein klassischer Old Fashioned funktionieren kann. Einen eigenen Schwerpunkt widmete das Festival der heimischen Rum-Produktion. Die steirische Feindestillerie von Carmen Krauss präsentierte ihren Rum ebenso wie der Waldviertler Hermann Rogner, der die Melasse für seine Produkte aus Asien bezieht. Andreas Lackner transportiert ausgewählte Rumfässer aus so exotischen Gegenden wie der Insel Marie Galante per Segelschiff. 

Comeback in der Gastronomie 

Deutlich erkennbar waren beim Rum-Festival zwei große Trends, die Rum auch wieder für die Gastronomie interessanter machen. Zum einen konzentriert sich das Interesse stark auf sogenannte „Sipping Rums“, also solche, die nicht in Cocktails, sondern wie guter Single Malt Whisky pur getrunken werden. Die neuen Editionen, die etwa die Grazer Destillerie Bauer mit dem „Angostura 1787“ (Trinidad) oder dem „Barcelo Imperial 30 years“ (Dominikanische Republik) vorstellte, gehen genau in diese Premium-Richtung. Auf der anderen Seite erhöhen verschiedene Fasshölzer neben den in Westindien praktisch als Standard verwendeten Ex-Bourbon-Fässern aus Weißeiche die aromatische Vielfalt. So fanden sich trockene Abfüllungen bei Brugal (Dom. Rep.), die so gar nicht zum süßen Rum-Klischée passen wollten. War es hier eine ehemaliges Sherry Cask, das den Destillat-Charakter veränderte, hatte der unabhängige Fass-Abfüller „Plantation“ einen haitianischen Rum in Pineau-de-Charente-Gebinden nachreifen lassen, die für Cognac-Noten sorgten. Selbst der von weither angereiste Hersteller „Nine Leaves“ aus Japan veredelt eines seiner Produkte in Cabernet-Sauvignon-Fässern.

Doch auch für die Bar gab es Nachschub an Neuheiten; ein langsames Comeback feierten die aromatisierten Rum-Liköre wie der mit Kokosmilch gesüßte „Coco Caribe“ von Espero aus Panama. Auch der Wiener Markus Altrichter sorgte mit seinem für viele tropische Cocktails unerlässlichen Rumlikör Falernum für Furore. Schon vor Ende der zweitätigen Messe war er ausverkauft. „Ich habe mich aber sofort für nächstes Jahr angemeldet“, fasst er die positive Stimmung vieler Aussteller zusammen. Und die lag nicht nur am Rum.