ÖGZ-Verkostung

Schankwein im Test

ÖGZ-Verkostung
17.02.2022

Von: Roland Graf
Jahrgänge, Sorten und Ausbau sind plötzlich zweitrangig. Denn für „Literware“ gilt nur ein Kriterium: Gut muss sie sein. Was das für die Weinauswahl genau bedeutet, klärt die ÖGZ.
Zwei Personen stoßen in einem Lokal mit Weingläsern an. 

Beim marketingtauglichen Wortlaut ist noch Luft nach oben, denn weder „Schankwein“ noch „Literware“ oder „offener Wein“ klingen besonders attraktiv. 

Der italienische „Hauswein“ (vino della casa) hingegen signalisiert besser, dass sich hier der Wirt etwas gedacht hat – und auch Kontinuität vorherrscht. Denn während Kenner gerne über Jahrgangsunterschiede und Rebstock-Alter diskutieren, will der Achteltrinker an der Schank eines nicht: Überraschungen.

Das erklärt, warum es einige Weingüter gibt, die man als regelrechte Spezialisten des Schankweins ansprechen darf. Zumal das Anforderungsprofil, auch neben der Kontinuität im Geschmack über die Jahre, kein leichtes ist. Säure ist erwünscht, weil das dem G’spritzen hilft, zu viel Lebendigkeit macht ihn aber als Achtel unruhig. 

Auf die Konsumation kommt es an

Für den Weißwein der Wahl ist also neben einer gewissen Leichtigkeit – auch im Alkohol – entscheidend, wie er mehrheitlich konsumiert wird. Und auch wenn es gegen die effiziente Platznutzung im „Sumpfkühler“ spricht: Zwei verschiedene Schankoptionen sind definitiv nicht verkehrt!
Ein fruchtbetonter Weißwein, z. B. für einen Muskateller-Spritzer, wartet dann neben einem balancierten Veltliner auf die Genießer. Der Unterschied bei den Anforderungen liegt aber auch in der beliebtesten Ausschank-Form der Gastronomie. Denn, wo gerne ein „Vierterl Rot“ konsumiert wird, sollte die Säure des Weines explizit moderat sein. Das alte Höchstlob an der Schank dafür lautete „samtig“, was heute vielleicht antiquiert klingt, aber eventuell durch „vollmundig“ zu ersetzen ist: Nichts soll kratzen, der Trinkfluss darf auch nicht durch Tannin oder zu saure Noten gestört werden. 

Vor allem Gerbstoff und spürbarer Holzeinsatz verunmöglichen ja auch den Genuss am Roten Spritzer. Der mag zwar ein Auslaufmodell unter den Bestellungen sein, doch wenn er dann nicht mundet, war es vielleicht überhaupt der letzte verkaufte – zumindest an jenen Gast, der statt Leichtigkeit aufkarbonisierte Eichenspäne im Mund hatte.

Orientierungshilfe für Gastronomen

Als eine der wenigen Orientierungshilfen bei der „Literwor’“ fungiert die Schankwein-Verkostung der ÖGZ. Mit ihr beginnt das „Kost-Quartett“ alljährlich seine Empfehlungen für die Gastronomie. Und beinahe ebenso regelmäßig staunen die Tester über die hohe Qualität in diesem Segment.

ÖGZ-Sieger 2022 der Kategorie "Schankwein"

Winzerhof Sax // Grüner Veltliner

Die Familie Sax blickt stolz auf eine sehr lange Tradition im Weinbau zurück: Seit Jahrhunderten ist der Name Sax stark in der Region in und um Langenlois verwurzelt, und der Betrieb steht heute, unter den Zwillingen Rudolf und Michael Sax, für exzellente Weine aus besten Lagen. 

Pikant unterlegt ist die Apfel-Frucht in der Nase, dazu gesellen sich Noten von Grapefruit-Schale und Zitronenmelisse. Entsprechend frisch und knackig zeigt sich dieser Weißwein auch am Gaumen. „Die Säure trägt ihn, der Wirt erkennt: Der lässt sich auch gut spritzen“, meint die ÖGZ-Runde.

Winzerhof Sax // Grüner Veltliner 
1 l / 12 % / SV / € 4,20 
winzersax.at