Sanktionen gegen Russland

Russischer Wodka verschwindet aus C&C-Regalen

Gastronomie
03.03.2022

Christof Kastner, CEO der Kastner-Gruppe, sprach mit uns über die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, warum er Wodka aus dem Angebot nimmt und wieso die Lebensmittelpreise noch weiter in die Höhe schießen werden.
Russischer Wodka steht bei Kastner nicht mehr zum Verkauf. Es gebe genug gute Alternativen. 

Christof Kastner ist CEO der Kastner Gruppe und Geschäftsführer des gleichnamigen Gastro-Großhändlers. 

Kastner nimmt russischen Wodka aus dem Sortiment. Was steckt da genau dahinter?

Christof Kastner: Ichbin froh, dass der sogenannte Westen jetzt so geeint auftritt und diesem inakzeptablen Verhalten Putins entschlossen entgegen tritt. Russland ist militärisch stark, aber bei weitem keine bedeutende Wirtschaftsmacht. Russland hat ja nur Öl, Gas oder eben Wodka, das es in größeren Mengen exportiert. Man muss hier einfach Flagge zeigen. Darum habe ich entschieden, dass wir russischen Wodka nicht mehr verkaufen. Für unsere Kunden gibt es gute Alternativen. Wenn einer das macht, bewirkt das natürlich wenige, aber wenn viele das machen, entfalten wir eine gigantische Wirkung. Ich hoffe, dass da Mitbewerber folgen. Ohne Freiheit und ohne Demokratie kann man nicht wirtschaften.

Die Abschätzung der Folgen dieser Krise ist noch schwierig. Prinzipiell wird Energie wohl noch teurer werden. Wie werden Sie das spüren?

Christof Kastner: Wir haben nur mehr wenige Standorte, die an Gas hängen. Die teilweise Abkehr von Gas ist also ein Vorteil. Für die Tourismusbranche wird es aber Probleme geben. Der Herkunftsmarkt ist jetzt aus Russland und Ukraine nicht so groß, aber die Tourismusstimmung wird ein Krieg in ganz Europa senken.

Die ukrainische Wirtschaft ist stark landwirtschaftlich geprägt. Welche Produkte aus ihrem Sortiment sind betroffen?

Christof Kastner: Wir haben nichts im Sortiment, das direkt aus der Ukraine kommt. Aber indirekt sind wir natürlich betroffen. Der Weizenpreis ist über die vergangenen Wochen bereits um 30 Prozent gestiegen. Wenn im Frühjahr die Aussaat nicht stattfinden kann, dann hat das auf den Weizen- aber auch auf den  Soja- sowie Maispreis extreme Auswirkungen. Es kann sein, dass dann das Getreide nicht mehr in die Tiermast geht, sondern direkt in die pflanzliche Verarbeitung. Das ist natürlich alles noch frisch und von Mutmaßungen geprägt. Dass es zu Verwerfungen kommen wird, ist klar und hängt auch davon ab, wie lange der Konflikt dauern wird.

Mit einem baldigen Ende rechnen wir aber nicht. Außer in Russland gibt es einen Regimewechsel.

Christof Kastner: Die russische Bevölkerung hat noch nie in der Geschichte Demokratie gelebt. Das Zarenreich ging im Sowjetkommunismus auf und dieser in den 1990ern in der jetzigen Kleptokratie. Die Frage für mich ist, wie lange Putin noch 170 Millionen Menschen unterdrücken kann. Alle Autokraten wurden irgendwann gestürzt, so wird es auch Putin gehen.