Ungerechtfertigte Krisengewinne zu Lasten der Gastronomie?

Gastro-Großhandel
01.09.2022

Alles wird derzeit teurer – allerdings steigen manche Produkte derzeit überproportional im Preis. Eine Einkaufsgesellschaft schlägt jetzt Alarm. Der Vorwurf: Manche Konzerne schürfen extra Profite. Leidtragend sei letztlich die Gastronomie.
Die Preise einiger Markenhersteller stiegen zuletzt überproportional.

Energie, Fleisch, Öl, Teigwaren… alles wird derzeit teurer. Die Erklärungen kennen wir. Der Krieg, die Lieferengpässe und dann ist noch das ganze Kapital, das zur Rettung der Wirtschaft in der Pandemie unter Unternehmen und Bevölkerung verteilt wurde. 10 Prozent sind in manchen Produktgruppen komplett normal. Doch was ist, wenn plötzlich viele Lebensmittel im Gastro-Großhandel um 20 oder gar 25 Prozent teurer würden? Genau dieses Szenario droht gerade. Und es liegt der Verdacht in der Luft, dass es bei mancher Preiserhöhung nicht ganz fair zugeht.

Es bestehe der dringende Verdacht, dass große internationale Industrieunternehmen ihre Marktmacht derzeit zur Preistreiberei nützen, erklärte Manuel Hofer, Geschäftsführer von Top-Team Zentraleinkauf sinngemäß in einer Aussendung, die als Art Hilfeschrei der Branche zu bewerten ist. Top-Team nimmt neben dem Einzelhandel vor allem für den Gastro-Großhandel, dabei etwa Eurogast und Transgourmet die zentrale Einkaufsverantwortung wahr.

Existenzbedrohend für Gastronomie

Der Großhandel zögert derzeit noch, die gestiegenen Preise weiterzugeben, so Transgourmet-Geschäftsführer Thomas Panholzer dazu im Gespräch mit der ÖGZ: „Viele unserer Kunden könnten solche Preiserhöhungen nicht verkraften. Da geht es letztlich um die Existenz der Branche.“ Eine von den Fachverbänden Gastronomie und Hotellerie in Auftrag gegebene Umfrage belegt dies. Demnach kann bereits jetzt ein Drittel der Betriebe kaum höhere Preise bei ihren Gästen durchsetzen. Eine weitere Preissteigerung würde die wirtschaftliche Grundlage vieler Betriebe gefährden.

Doch woher schließt man eigentlich, dass die internationalen Konzerne derzeit mehr als die gestiegenen Preise draufschlagen und somit eine Extra-Marge einfahren würden? Panholzer dazu: „Wir kennen die tatsächliche Steigerung der Herstellkosten am Beispiel unserer Eigenmarken. Und wenn wir dann sehen, dass ein internationaler Markenhersteller das Doppelte teurer wird, ist klar, dass hier ein Körberlgeld verdient werden soll.“ Gerade in der derzeit schwierigen Situation der Branche nach der Pandemie hält Panholzer dies für unmoralisch.

Was tun? Führe der Dialog mit den Produzenten nicht zu entsprechenden Ergebnissen, müsse man daran denken, günstigere Alternativprodukte zu forcieren, so Panholzer. Bei solchen Sortiments-Umstellungen drohe aber schnell ein Lieferstopp. Es wird also ein akkordiertes Vorgehen der Großhändler von Nöten sein. Für die viele Gastronominnen und Gastronomen heißt es schon jetzt: sich nach günstigeren Alternativen im Einkauf umzusehen. Dies wird in Zukunft eine noch bedeutendere Rolle spielen.

Thomas Panholzer