ÖHV und ÖRV ziehen unter ein Dach
Zusammenziehen ist einfach. Entscheidend ist, was danach kommt: Wird aus der neuen Nähe ein politisches Gewicht oder bleibt es bei Symbolik und guter Nachbarschaft?
Im österreichischen Tourismus kommt es zu einer Kräfteverschiebung, zumindest organisatorisch. Ab Februar 2026 übersiedelt der Österreichische ReiseVerband (ÖRV) in die Räumlichkeiten der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV) in Wien-Landstraße.
Offiziell geht es um Synergien: schnellere Abstimmung, gemeinsame Projekte, effizientere Interessenvertretung. In Zeiten von Fachkräftemangel, steigenden Kosten und zunehmendem politischen Druck ist das nachvollziehbar. ÖHV-Präsident Walter Veit spricht in einer Aussendung von einem „Signal für die gesamte Branche“, ÖRV-Präsidentin Eva Buzzi von einem „Meilenstein“ für die Zusammenarbeit.
Unübersehbar ist aber auch die strategische Dimension. Hotellerie und Reisewirtschaft, traditionell mit teils unterschiedlichen Prioritäten, wollen ihre Anliegen künftig gebündelt vorbringen (insbesondere gegenüber der Politik). Der Schulterschluss liest sich damit auch als Reaktion auf eine zunehmend komplexe Interessenlage, in der einzelne Stimmen schnell an Durchsetzungskraft verlieren. Inhaltlich konzentriert sich die Kooperation auf drei Felder: Weiterbildung (ÖHV-Campus künftig auch für ÖRV-Mitglieder), Innovation und Digitalisierung sowie ein abgestimmtes Lobbying. Wie konkret diese Zusammenarbeit wird, bleibt vorerst offen, ebenso die Frage, ob daraus mehr entsteht als nur eine gut organisierte Nähe.
Für die Betriebe kommt es am Ende jedenfalls nicht auf die neue Adresse an, sondern darauf, ob diese Beziehung im Alltag funktioniert. Zusammenziehen kann vieles bedeuten: große Liebe, pragmatische Zweckgemeinschaft oder das klassische „Wir probieren’s halt einmal“. Erst wenn Entscheidungen gemeinsam getroffen werden und Erfolge nicht einzeln verbucht werden, zeigt sich, ob hier wirklich mit einer Stimme gesprochen wird.




