Kitzbühel gehört zu den teuersten Tourismusadressen Österreichs. Umso bemerkenswerter ist eine Entwicklung, die Thomas Reisenzahn von der Prodinger Tourismusberatung jetzt bei einer Diskussionsveranstaltung unter dem Titel „Kitzbühel – Vom Glanz zur Bilanz“ präsentierte: Zwischen den Wintersaisonen 2014/15 und 2024/25 sank die Zahl der touristischen Betten von 8.993 auf 8.250. Ein Rückgang um gut acht Prozent. Aber auch die Nächtigungen gingen zurück, von rund 1,14 Millionen auf knapp eine Million. Allerdings verschwindet die touristische Nachfrage nicht einfach. Sie verteilt sich nur anders.

Denn während klassische Beherbergungsbetriebe Kapazitäten verloren, verzeichneten gewerblich vermietete Ferienwohnungen ein Bettenwachstum von rund 178 Prozent. Für Reisenzahn ist die reine Bettenzahl deshalb kein ausreichender Maßstab mehr. Entscheidend sei, welchen wirtschaftlichen Ertrag die verfügbaren Kapazitäten erwirtschaften. Tatsächlich zählt Kitzbühel bei den Umsätzen je Gästebett zu den Spitzenreitern in Tirol. Reisenzahn verweist in seiner Analyse auf eine Qualitätsstrategie mit höheren Durchschnittspreisen und einer stärkeren Ganzjahres-Nachfrage. Die jüngsten Sommernächtigungen zeigen aber wieder eine positive Entwicklung.

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Zehnjahresvergleich
Kitzbühel | Tourismus im Wandel

743 Gästebetten weniger – Ferienwohnungen legen zu

Die Wintersaisonen 2014/15 und 2024/25 im Vergleich: Das touristische Bettenangebot schrumpft, während gewerblich vermietete Ferienwohnungen deutlich zulegen.

Der Strukturwandel in drei Zahlen

Touristische Betten insgesamt

Weniger Kapazität

−743
Von 8.993 auf 8.250 Betten – ein Rückgang um rund 8,3 Prozent.
Gewerbliche Ferienwohnungen

Deutlicher Zuwachs

+178 %
So stark stieg laut Prodinger die Bettenzahl in gewerblich vermieteten Ferienwohnungen.
Winternächtigungen

Weniger Übernachtungen

unter 1 Mio.
2014/15 waren es noch rund 1,14 Millionen; 2024/25 knapp eine Million.

Touristische Betten in Kitzbühel

Winter 2014/15
8.993 Betten
Winter 2024/25
8.250 Betten

Wertschöpfung: Zwei unterschiedliche Betrachtungsräume

Freizeitwohnsitze | Bezirk Kitzbühel

Jährliche Ausgaben

217 Mio. €
Davon laut Studie rund 158 Mio. Euro regionale Wertschöpfung.

Tourismus | Tourismusgebiet Kitzbühel

Touristische Ausgaben

303 Mio. €
Davon laut Analyse rund 196 Mio. Euro Wertschöpfung.
Was die Hotellerie daraus mitnehmen kann

Nicht nur Betten zählen

Prodinger rückt die Wertschöpfung pro verfügbarem Bett in den Mittelpunkt. Für die Beurteilung einer Destination sind zusätzlich Beschäftigung, Wohnraum, Infrastruktur und die ganzjährige Bewirtschaftung entscheidend. Konkrete Ertragszahlen pro Hotelbett enthält die veröffentlichte Zusammenfassung nicht.
Quelle: Quelle: Thomas Reisenzahn, Prodinger Tourismusberatung, TP-Blog vom 16. Oktober 2026: https://tp-blog.at/tourismus-trends-herausforderungen/weniger-betten-mehr-wertschoepfung-wie-alpine-destinationen-ihre-attraktivitaet-sichern-koennen ; Land Tirol, Regionsprofil Kitzbühel Tourismus 2025: https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/statistik-budget/statistik/downloads/Regionsprofile/Stat_profile/tourismusverbaende/rp_tvb_4170.pdf
Bettenvergleich: Wintersaisonen 2014/15 und 2024/25. Der Rückgang um 743 Betten beziehungsweise rund 8,3 Prozent wurde aus den genannten Werten berechnet. Nächtigungswerte gerundet. Unterschiedliche geografische Bezugsräume bei den Wertschöpfungszahlen beachten.
Stand: Stand: 19. Oktober 2026

Prodinger hat auch die wirtschaftliche Bedeutung der Freizeitwohnsitze untersucht. Im Bezirk Kitzbühel generieren sie demnach jährlich Ausgaben von rund 217 Millionen Euro und eine regionale Wertschöpfung von etwa 158 Millionen Euro. Für das Tourismusgebiet Kitzbühel werden touristische Ausgaben von rund 303 Millionen Euro und eine Wertschöpfung von ungefähr 196 Millionen Euro ausgewiesen. Dennoch zeigen sie, weshalb die Diskussion um Freizeitwohnsitze komplexer ist als die bloße Gegenüberstellung von touristischer und privater Nutzung. Auch Zweitwohnsitzbesitzer geben Geld in der Region aus. Gleichzeitig beanspruchen sie Wohnraum und Infrastruktur, während ihre Nachfrage weniger kontinuierlich ausfallen kann als jene professionell bewirtschafteter Beherbergungsbetriebe.

Die Einser-Frage für die Hotellerie

Kitzbühel steht exemplarisch für ein Problem vieler alpiner Destinationen. Hohe Immobilienpreise machen Grundstücke und Gebäude auch außerhalb der klassischen Hotellerie attraktiv. Gleichzeitig müssen Hotels ihre Investitionen aus dem laufenden Betrieb erwirtschaften. Für die Tourismuspolitik stellt sich deshalb die Frage, welche Art der Bewirtschaftung langfristig Arbeitsplätze, Wertschöpfung und touristische Infrastruktur sichert bzw. sichern soll.

Reisenzahn fordert, die unterschiedlichen Nutzungsformen in der Raumordnung stärker gemeinsam zu betrachten. Die traditionellen Kategorien würden der Entwicklung professionell bewirtschafteter Apartments, kurzfristiger Vermietungen und Freizeitwohnsitze zunehmend weniger gerecht. Eine hohe Wertschöpfung je Gästebett ist zweifellos ein Erfolg. Ob sie den Verlust klassischer Hotelkapazitäten auf Dauer ausgleichen kann, ist eine andere Frage.