Florian Größwang: „Es reicht nicht mehr, über Klimaschutz zu sprechen. Wir müssen vermitteln, wie sich unsere Destinationen an unvermeidbare Veränderungen anpassen können und welche Chancen darin liegen.“ Sein Motto heißt: Anpassen statt abwarten. Bei Klimawandelanpassung handelt es sich also um eine strategische Zukunftsaufgabe.
Vom Risiko zum Zukunftsthema
Kommunikation gilt als eine zentrale Aufgabe, denn sie schafft nicht nur Verständnis für die Folgen des Klimawandels, sondern sie erhöht auch die Akzeptanz notwendiger Anpassungsmaßnahmen und stärkt die Bereitschaft, gemeinsam eine klimaresiliente Destination zu gestalten. Der erste Schritt ist ein ehrlicher Blick auf die regionalen Risiken. Dabei geht es um Fragen, was der Klimawandel konkret für eine Destination bedeutet, welche Infrastrukturen gefährdet sind, wie sich die Saisonverläufe und Gästeerwartungen verändern etc.
Für Florian Größwang ist es wichtig, dass Risiken weder dramatisiert noch verharmlost werden sollten. „Genau hier liegt die kommunikative Herausforderung“, so der TourCert Österreich-Manager. „Wir müssen erklären, was sich verändert, ohne Angst zu erzeugen. Und wir müssen zeigen, was möglich ist, ohne den Eindruck zu vermitteln, jede Entwicklung ließe sich technisch kompensieren.“
Wissen und Erleben
Das Problem: Klimawandelanpassung wird häufig abstrakt kommuniziert. „Diagramme, Temperaturkurven und Szenarien sind sehr wichtig, erreichen aber nicht automatisch die Lebenswelt von Menschen“, sagt Florian Größwang. Verständlicher wird das Thema dort, wo es konkret und erlebbar wird. Dafür nennt er auch Beispiele: Ein Schattenplatz im Ortszentrum etwa oder eine Trinkwasserstation, ein renaturierter Bach, ein klimaangepasster Wald oder ein neues Sommerangebot. „Diese Dinge können Klimawandelanpassung unmittelbar sichtbar machen“, meint Florian Größwang.
Die Kärntner „Cool Down Places“ zeigen, wie Anpassung durch Schatten, Wasser und Begrünung im Alltag erlebbar wird. Im niederösterreichischen Naturpark Sparbach machen „KlimaSCHAUPlätze“ die Folgen des Klimawandels an konkreten Stationen und mit interaktiven Aufgaben verständlich. Florian Größwang: „Auch Klimawanderungen wie in Saalfelden-Leogang verbinden Wissen mit Naturerlebnis.“
Tourismusorganisationen als Impulsgeber
All das ist ein wichtiger Perspektivwechsel. Denn letztendlich geht es nicht nur darum, über Klimawandel zu sprechen, sondern zu zeigen, wie eine Destination mit ihm umgeht. Für die touristische Angebotsentwicklung entstehen daraus ganz neue Chancen. Florian Größwang: „Wenn sich klassische Saisonzeiten verändern, können Ganzjahresangebote, Naturerlebnisse, Kultur, Gesundheit, Kulinarik oder klimaangepasste Wander- und Radangebote an Bedeutung gewinnen.“
Hitzetage könnten den Wert kühler Wälder, Seen oder alpiner Räume erhöhen, begrünte und entsiegelte Ortszentren wiederum verbessern das Klima für die lokale Bevölkerung und die Aufenthaltsqualität für Gäste. Florian Größwang: „Klimawandelanpassung kann damit zu einem Innovationstreiber werden.“ Dafür brauche es starke Partnerschaften und neue Formen der Kooperation, etwa mit Gemeinden und Betrieben, mit National- und Naturparken, Schutzgebieten etc.
Für Florian Größwang ist klar: „Klimawandelanpassung wird zu einer Frage des Tourismusbewusstseins: Eine klimaresiliente Destination entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch das gemeinsame Handeln.“ Die Klimawandelanpassung gehört in die Mitte der strategischen Entwicklung, denn nur dann gewinnt sie Handlungsspielraum. „Sie ist damit letztlich eine Frage der Resilienz. Nur wer Anpassung als strategische Chance begreift, kann etwas Neues gestalten.“
Laut Florian Größwang sei es entscheidend, Destinationen heute weiterzuentwickeln, „damit sie auch morgen ein guter Ort zum Leben, Arbeiten und Urlaubmachen sind. Genau darin liegt die eigentliche Zukunftsaufgabe der Klimawandelanpassung.“
