Kolumne

Korkenzieher: „Flüchtlingshilfe?“

Kolumne
24.03.2022

Von: Hubertus Mantel
Gastronom und ÖGZ-Kolumnist Hubertus Mantel bekommt es diese Woche mit einer Ex-Außenministerin zu tun.
Hubertus Mantel erlebt die irrsten Sachen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht beim Anblick der Fernsehbilder aus der Ukraine – mich jedenfalls bedrückt das Leid, das die Menschen wegen des russischen Ballongesichts und seines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges erleiden müssen, sehr. Fassungslos steht man vor dem TV-Schirm und will helfen, doch wie? Spenden, klar. Aber das kann doch nicht alles sein, das man machen kann, frag ich mich, als ich letztens im noch leeren Lokal die Einkaufsliste schreib. Vielleicht kann ich jemanden einstellen, eine zusätzliche Küchenhilfe, die mir auch den Einkauf erledigt. Der oder die braucht nicht einmal gut Deutsch können.

Da quietscht die Tür – es ist die Ex-Außenministerin Karin Kneissl: „Hubertus, Servus“, sagt sie, blickt sich nervös um. – Darauf ich: „Ja, Karin, bonjour, was machst du denn da? Dachte, du wärst in Frankreich.“ – „Jaja“, sagt sie, „bin ich ja auch. Bin auch nur inkognito hier. Musste ja weg aus Österreich. Hier werd ich ja verfolgt.“ – Die Karin stellt ihre Tasche ab, es klimpert. Ich beäuge die Tasche. Die Karin nimmt sie wieder an sich. „Hat sie da edles Geschmeide drinnen?“, frag ich schmunzelnd. – „Aber geh“, sagt die Karin, „nein, ich hab noch ein paar Wertsachen geholt und müsste nur eine halbe Stunde bei dir unerkannt auf den Zug warten können.“ – Ich schau sie ernst an: „Klar helf ich dir. Aber sag: Du wirst verfolgt? In Österreich? Von wem?“ – „Gib mir einen Spritzer, Hubertus“, stammelt die Karin. Ich bring ihr das Getränk: „Na sag, wer verfolgt dich?“ – Sie nimmt einen Schluck: „Na die Presse. Die Journalisten. Die Öffentlichkeit. Einer von diesen Schmierfinken Florian Klenk oder Fabian Schmid täten mir jetzt grad noch fehlen. Das ist ja eine Meute, sag ich dir, die stellen einem nach, machen ein Interview, und was man auch sagt, alles wird in den Zeitungen verrissen. Hier krieg ich auch keinen Job mehr, seitdem nach meinem Knicks vor Wladimir Putin eine regelrechte Hexenjagd auf mich eingesetzt hat. Wer nimmt dich da noch? Verstehst? Hier herrscht eine Presse-Demokratur! Deshalb musste ich Hals über Kopf fliehen und alles zurücklassen. Ich hab ja nichts mehr.“

– Ich überleg: „Na ja“, sag ich, „aber du hast immer noch diesen Superjob bei dieser russischen Gasfirma.“ – „Papperlapapp“, sagt die Karin, „von den Russen krieg ich doch keinen Cent. Ich leb nur vom Schreiben, stell dir vor! Und damit verdienst du nur einen Nasenrammel!“ – Sie schluchzt. Da quietscht die Tür erneut. Ein stattlicher Mann mit kahlgeschorenem Kopf steht im Lokal. Die Karin zuckt zusammen. – „Privet!“, grollt der Mann, „Jewgeni, bin ich russische Flüchtling. Hast du Arbeit? Kann ich kochen für ganze Kompanie!“ – Die Karin starrt ihn an: „Jössas na, der Prigoschin! Der Koch vom Putin!“ – In der Ferne läutet die Pummerin.

Hubertus Mantel wirft für die ÖGZ einen satirischen Blick auf die Branche.