Der dänische Spitzenkoch René Redzepi zieht sich aus der Führung des legendären Restaurants Noma zurück. Dem vorausgegangen waren schwere Vorwürfe ehemaliger Mitarbeiter, die von körperlicher und psychischer Gewalt in der Küche berichten. Der Koch stand mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze des Kopenhagener Restaurants, das mehrfach zum besten der Welt gekürt wurde. Nun kündigte Redzepi auf Instagram an, seinen Posten abzugeben. „Eine Entschuldigung ist nicht genug, ich übernehme Verantwortung für mein Verhalten“, erklärte er.
Der Rücktritt folgt auf eine Reihe von Anschuldigungen, die zuletzt durch einen Bericht der New York Times neue Aufmerksamkeit erhielten. Demnach schilderten rund 35 frühere Mitarbeiter Vorfälle aus den 2000er- und 2010er-Jahren. Sie berichten unter anderem von körperlichen Übergriffen, Einschüchterungen und öffentlichen Demütigungen im Küchenalltag. Eine ehemalige Köchin beschrieb die Arbeit im Noma als „Gang in den Krieg“.
Kritik begleitet Noma schon länger
Bereits in der Vergangenheit war das Restaurant wegen seiner Arbeitsbedingungen in die Kritik geraten. 2022 wurde bekannt, dass Praktikanten im Noma teilweise unbezahlt arbeiteten und extreme Arbeitszeiten leisten mussten. Redzepi kündigte damals Reformen bei der Bezahlung an. Das Restaurant blieb dennoch aktiv und veranstaltete weltweit Pop-up-Projekte, zuletzt in Los Angeles. Dort war ein Menüpreis von rund 1.500 Dollar angekündigt worden. Nach den aktuellen Vorwürfen zogen sich allerdings mehrere Sponsoren zurück.
Redzepi gilt als einer der einflussreichsten Köche der Gegenwart. Mit dem 2003 eröffneten Noma prägte er die internationale Spitzengastronomie maßgeblich. Sein Konzept der „New Nordic Cuisine“ setzt auf regionale und saisonale Zutaten sowie ungewöhnliche Produkte und Fermentationstechniken.
Redzepi erklärte gegenüber der New York Times, er erkenne sich zwar nicht in allen geschilderten Details wieder. Dennoch sehe er genug Parallelen zu seinem früheren Verhalten, um zu verstehen, dass Menschen unter seiner Führung gelitten hätten.