Der Bierkonsum in Österreich ist 2025 spürbar zurückgegangen, stärker als von der Branche erwartet. „Wir sprechen nicht von einer kurzfristigen Delle oder einem Ausreißer“, sagt Karl Schwarz, Obmann des Brauereiverbands. „Es ist schon ein Bild, das zeigt, dass wir den Zenit im Bierkonsum überschritten haben.“

Für Gastronomen sind die Zahlen mehr als eine statistische Momentaufnahme. Sie markieren eine strukturelle Verschiebung im Ausgeh- und Konsumverhalten, mit direkten Folgen für Fassbier, Wertschöpfung und Frequenz.

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Deutliches Minus bei Ausstoß und Inlandsabsatz

Der Gesamtausstoß der österreichischen Brauereien, inklusive alkoholfreiem Bier und Export, belief sich 2025 auf 9,25 Millionen Hektoliter. Das entspricht einem Rückgang von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Inland sank der Bierabsatz um 6,1 Prozent auf 7,88 Millionen Hektoliter . Auch der Export entwickelte sich rückläufig und lag bei rund 1,4 Millionen Hektolitern, ein Minus von über zwölf Prozent. Laut Verband ist dieser Einbruch allerdings vor allem auf Produktionsverlagerungen innerhalb internationaler Konzernstrukturen zurückzuführen.

Bemerkenswert: Der Rückgang ist kein isoliertes Bierphänomen. Der gesamte Getränkemarkt verlor 2025 rund 8,5 Prozent. Wein lag bei minus 5,2 Prozent, Mineralwasser bei minus 12,3 Prozent, Limonaden bei minus sechs Prozent, Eistee bei minus neun Prozent, Fruchtsäfte bei rund minus zwölf Prozent. Die Branche spricht offen von einer „spürbaren Konsumverweigerung“ bei Getränken insgesamt. Eine abschließende Erklärung gibt es nicht. Inflation, Verunsicherung, hohe Sparquote und veränderte Freizeitgewohnheiten wirken offenbar zusammen.

Fass- und Tankbier: Rückgang

Für die Gastronomie besonders relevant ist die Entwicklung bei Fass- und Tankbier. 2025 wurden in diesen Gebinden 1,7 Millionen Hektoliter abgesetzt, das entspricht rund 18 Prozent der gesamten Biermenge. Das Minus betrug hier vier Prozent und lag damit unter dem Gesamtmarktrückgang. Dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack. „Besonders schmerzhaft ist der sukzessive, ständig anhaltende Rückgang bei Fass- und Tankbier“, betonte Schwarz. Zum Vergleich: Vor der Pandemie lag der Gastroanteil noch bei über 25 Prozent, heute sind es rund 18 Prozent. Dass die Gastronomie 2025 weniger stark schrumpfte als der Gesamtmarkt, ist ein relativer Lichtblick, allerdings auf niedrigerem Niveau.

Als Gründe nennt Florian Berger, Geschäftsführer des Brauereiverbandes, neben Teuerung und Konsumzurückhaltung vor allem die anhaltende Schließungswelle klassischer Wirtshäuser im ländlichen Raum. „Dort, wo ein Wirtshaus vom Markt verschwindet, kommt dann nichts mehr nach“. Gerade diese Betriebe hätten traditionell eine hohe Bieraffinität.

Weniger Ausgehen, mehr Sparen

Eine vom Verband beauftragte repräsentative Studie zeigt, wie stark sich das Ausgehverhalten verändert hat. 55,3 Prozent der Befragten geben an, seltener auszugehen als vor ein oder zwei Jahren. Als Hauptgründe werden bewusstes Sparen, veränderte Prioritäten und fehlende Zeit genannt. Zwei Drittel verzichten gelegentlich aufs Ausgehen, obwohl sie eigentlich Lust dazu hätten; ein Viertel sogar häufig.

Parallel dazu bleibt die Sparquote hoch. 2024 wurden 34 Milliarden Euro aufs Konto gelegt. Dieses Geld fehlt dem Konsum und damit auch der Gastronomie. Für Wirte bedeutet das: Die Konkurrenz findet nicht nur zwischen Betrieben statt, sondern zunehmend zwischen Wohnzimmer und Stammtisch.

Killt Einwegpfand Dosenbier?

Ein zusätzlicher Sondereffekt 2025 war die Einführung des Einwegpfands. Besonders stark betroffen war das Dosenbier: Der Absatz sank um 23 Prozent. In absoluten Zahlen entspricht das rund 0,5 Millionen Hektolitern, nahezu deckungsgleich mit dem gesamten Inlandsminus. Die Branche sieht darin jedoch keinen dauerhaften Trendbruch. Nachfrageverlagerungen ins Ausland, Irritationen bei Konsumenten in der Einführungsphase sowie verändertes Kaufverhalten hätten das Bild verzerrt.

Profitiert hat hingegen das Mehrwegsegment. Rund 72 Prozent des in Österreich produzierten Biers werden inzwischen in Mehrweggebinden abgefüllt. Besonders die klassische Halbliter-Mehrwegflasche legte absolut zu: um rund 80.000 Hektoliter gegenüber dem Vorjahr.

© Bierland Österreich

Alkoholfreies Bier als Wachstumsfeld

Während alkoholhaltiges Bier insgesamt auf 8,7 Millionen Hektoliter kam, entwickelte sich das alkoholfreie Segment weiter positiv. Rund 300.000 Hektoliter alkoholfreies Bier wurden 2025 im Inland produziert. Der Marktanteil liegt bei rund vier Prozent, Tendenz steigend . „Jedes fünfundzwanzigste getrunkene Bier in Österreich ist aktuell ein alkoholfreies Bier“, so Schwarz . In Deutschland liegt der Anteil bereits nahe zehn Prozent. Für Gastronomen eröffnet das Chancen: Alkoholfreie Varianten ermöglichen zusätzliche Anlässe – etwa bei Mittagstisch, Business-Lunch oder frühen Sportübertragungen (WM 2026). Technologisch habe sich die Qualität stark verbessert, betont der Verband.

Kampagne zur Belebung der Gastronomie

Angesichts der Zahlen kündigte der Brauereiverband eine Initiative zur Stärkung des Ausgehens an. In drei Regionen (Westen, Süden und Osten) sollen Round Tables mit Gastronomen und Konsumenten konkrete Maßnahmen entwickeln. Ziel ist es, „bieraffine Erlebnisse“ zu fördern und die Attraktivität des Wirtshaus- und Gastrobesuchs zu steigern. Details stehen noch nicht fest; Budget wurde freigegeben.

Pro-Kopf-Verbrauch nicht mehr dreistellig

Der Pro-Kopf-Verbrauch ist 2025 erstmals seit Langem nicht mehr dreistellig. Er wird sich laut vorläufiger Schätzung bei 93 bis 94 Litern einpendeln. Trotzdem bleibt Österreich im internationalen Vergleich ein Hochkonsumland. Mengenwachstum erwartet die Branche jedoch nicht mehr. Der Fokus verschiebt sich auf Stabilisierung, Wertschöpfung und Anpassung an veränderte Marktbedingungen.